Wider die perfekte Erscheinung

Der Architekturfotograf Constantin Meyer im Porträt

Mit dem Kölner Architekturfotografen Constantin Meyer führen wir die Porträtserie Architekturfotografen im Fokus II, in der sich Architekturfotografen unseren Fragen stellen, fort.

 

Wie kamen Sie zur Architekturfotografie?
Es fing als Hobby mit etwa 11 Jahren an und mündete in einer Ausbildung zum Fotograf. Anschließend folgte das Studium der Visuellen Kommunikation mit Schwerpunkt in Fotografie und Grafikdesign an der Kunsthochschule Kassel und zwei Semestern an der School of Visual Arts bei Joel Sternfeld in New York City. Die Kombination von Grafikdesign, Fotografie und das Interesse an gebauten, urbanen Raum, führte mich zur Architekturfotografie.       

Brückner & Brückner Architekten, Würzburg. Heizkraftwerk Würzburg Foto: ©Constantin Meyer, Köln

 

Bilden Sie Architektur ab, oder übersetzen Sie das Gebaute in eine Bildsprache?
Die Spannung liegt darin, das Gesehene zu einem Bild zu transferieren, das den Betrachter zum Verweilen einlädt. Sobald man sich als Fotograf bewusst mit der Gestaltung von Fotos beschäftigt, entwickelt sich zwangsläufig eine Bildsprache.

Brückner & Brückner Architekten, Würzburg. Heizkraftwerk Würzburg Foto ©Constantin Meyer, Köln

 

Wie nähern sie sich dem architektonischen Konzept eines Hauses? Sprechen Sie mit den Architekten und Bauherren oder machen Sie sich selbst ein Bild?
Ich freue mich, wenn der Architekt seine Entwurfsidee erläutert, das empfinde ich als Privileg. Ich höre gut zu und versuche die Idee mit meinen Mitteln umzusetzen. Wenn das persönliche Gespräch nicht möglich ist, studiere ich die Pläne, Visualisierungen und den Kontext und mache mich auf den Weg zu einer interessanten und gut gestalteten Dokumentation.

 

3pass Architekten, Köln. Erzbischöfliches Berufskolleg, Köln Foto ©Constantin Meyer, Köln

 

Wovon lassen Sie sich inspirieren?
Oft sind es die Formen, Dimensionen, Farben und Materialien oder der Kontext und die Funktion, die mich inspirieren.

 

Wie viele Bilder braucht man, um ein Haus zu verstehen und welche sind das?
Weniger ist mehr. Ich empfinde es als eine gute Leistung, wenn man mit wenigen Aufnahmen viel transportiert, ohne auf jedem Foto alles zu zeigen. Eine gute Bildauswahl, mit einer Kombination aus Gesamt- und Detailaufnahmen macht eine gute Dokumentation aus.

Freie Arbeit Köln im April 2020 Foto ©Constantin Meyer, Köln

 

In den letzten Jahren sieht man auch in den Architekturzeitschriften belebte Bilder. Eine Tendenz, die Sie begrüßen?
Schnellere Belichtungszeiten und eine einfachere Kameratechnik erlauben es heutzutage Menschen oder Verkehr mit ins Bild zu integrieren. Teilweise hilft es die Funktion oder den Kontext zu erklären, manchmal lenkt es ab.

 

Kann Sie Architektur noch überraschen?
Auf jeden Fall! Gute Architektur überrascht fast immer. Oft sind es neue Materialien, der Umgang mit dem Raum oder die Gebäudeform.

Brückner & Brückner Architekten, Würzburg. Ort der Begegnung, Modernisierung und Neustrukturierung des Exercitienhauses, Johannisthal Foto ©Constantin Meyer, Köln | Brückner & Brückner Architekten, Würzburg

 

Welche Lichtsituationen schätzen Sie besonders?
Die Dämmerung begeistert mich mit den Farben und Stimmungen

Quest Hotel, Köln Foto ©Constantin Meyer, Köln

 

Gibt es Gebäude, die bei Ihnen eine besondere Leidenschaft auslösen?
Ja klar, alles was unsere Aufmerksamkeit auf sich zieht und zur Auseinandersetzung mit Architektur und dem Raum anregt. Architektur ist ein Spiegel ihrer Zeit und Gesellschaft, das ist spannend. Ich habe eine Freie Arbeit mit Fotos von Parkhausdächern gemacht. Die Parkhausdächer befinden sich mitten in unseren Städten und wirken auf mich wie Fremdkörper aus einer vergangenen Zeit. Diese Fotos laden auf ästhetische Weise zum Nachdenken ein.

 

Woran erkennt man Ihre Bilder?
Ich hoffe an einer guten Gestaltung und einer hohen technischen Qualität.

Freie Arbeit: Parklandschaften 2016 Foto ©Constantin Meyer, Köln

 

 

Ist die digitale Fotografie gegenüber der Analogen Fluch oder Segen für Sie?
Ganz klar ein Segen. Zu wissen das man produziert hat, wenn man nach dem Job die Kamera einpackt, ist gut. Früher habe ich manchmal vor Anspannung geschwitzt auf dem Weg ins Labor, weil ich mir nicht sicher war, ob ich die Belichtung richtig gemessen und Situation vor Ort richtig eingeschätzt habe. Ich schätze auch die Möglichkeiten der Bildgestaltung bzw. Optimierung durch die Digitalfotografie, sowohl beim Fotografieren als auch in der Nachbereitung. Es ist aber auch ein bisschen ein Fluch, weil es so einfach geworden ist, daher kann ja jeder fotografieren. Die Bilderfluten, die dadurch entstehen haben unsere Sehgewohnheiten verändert, es wird sich nicht mehr so viel Zeit genommen für das Fotografieren und Betrachten.

Eigentlich müsste man die Frage noch erweitern um den Aspekt der Visualisierung von Architektur. Wie verändert die Computervisualisierung die Fotografie? Das Ziel der Visualisierung war es so perfekt wie die Fotografie zu werden. Viele Visualisierungen haben das geschafft und das Paradoxe ist nun, dass die Fotografie versucht sich durch „imperfekte“ und Effekte von der „perfekten Visualisierung“ zu unterscheiden. Kann man hier Vergleiche zur Malerei ziehen, die abstrakt wurde als die Fotografie sich etablierte?

 

Die Fragen stellten Barbara Schlei und Uta Winterhager

©Constantin Meyer

Zur Internetseite von Constantin Meyer

 

Kölner Architekturfotografen im Fokus II
Wer sind die Frauen und Männer hinter der Linse?

14 Jahre ist es nun schon her, dass wir eine erste Porträtserie über Kölner Architekturfotografen starteten. Zeit, diese Reihe fortzusetzen, denn man kann viel über Architektur schreiben, doch wenn die Bilder fehlen, ist es, als bliebe etwas ungesagt. So freuen wir uns bei koelnarchitektur, dass viele Fotografen uns und unsere Beiträge schon seit Jahren mit ihren Fotografien unterstützen. In den nächsten Wochen werden wir in loser Folge Interviews über Licht und Schatten, Inspiration und Intention veröffentlichen.


Im Fokus I von 2006

Schreibe einen Kommentar