Heimo Zobernigs Beitrag in HIER UND JETZT im Musuem Ludwig präsentiert Compresseion, 1981 von César. Foto Uta Winterhager

Mit Heimo Zobernig eröffnet das Museum Ludwig die Reihe HIER UND JETZT

Köln

Viel Raum nehmen die schwarzen Blöcke ein, fast füllen sie die Ausstellungssäle im ersten Stock des Museum Ludwig ganz aus, drängen die Besucher an den Rand, die sie umgehen müssen, um vorbei zu kommen und dahinter schauen. Auf und zwischen den Blöcken stehen Skulpturen. Ihnen wiederum wird viel Raum gegeben, eine einzelne Bronzefigur, der „Reiter“ von Mario Marini allein in einer Nische, dahinter „Concetto Spaziale, Natura N19“ von Lucio Fontana, ebenfalls allein auf dem Boden. Die schwarzen Blöcke sind mehr als Podeste, sie sind größer, dominanter und glänzender als es allein dieser Funktion dienlich wäre.

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Heimo Zobernigs Beitrag in HIER UND JETZT im Musuem Ludwig, davor „Ile de France“ von Aristide Maillol 1925. Foto Uta Winterhager

 

Mit ihnen eröffnet der Kurator und Direktor des Museums Yilmaz Dziewior die Ausstellungsreihe HIER UND JETZT und möchte damit das Format herkömmlicher Museumsausstellungen neu verhandeln. Das heißt weg von der Präsentationsroutine Podest-Objekt hin zu ganz neuen Wegen, die er auch mit ganz neuen Protagonisten, Plattenlabels, Verlagen oder Archiven und sogar auch außerhalb des eigenen Hauses betreten will. Doch scheint die derzeit gezeigte Ausstellung zunächst fast konventionell, präsentiert sie doch Skulpturen aus der Sammlung des Museums, Picasso, Oldenburg, Genzken, César, die man fast als Klassiker bezeichnen möchte. Doch es sind die schwarzen Einbauten, die im Subtext eine ganz ungewöhnliche Geschichte erzählen.

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Entwurf für den Östereichischen Pavillon der Biennale Venedig 2015, Heimo Zobernig Ohne Titel 2015, Fronatle Ansicht CAD © VG Bild-Kunst, Bonn 2016 Archiv HZ

 

Venedig

2015 wurde der Bildhauer Heimo Zobernig (* 1958) eingeladen, im österreichischen Pavillon auf der Biennale Venedig auszustellen. Doch verzichtete er darauf, hier eigene Werke zu präsentieren, um die Räume selbst in seinem Sinne zu verbessern. Er brachte die Monate vor der Eröffnung damit zu, vor Ort hölzerne, glänzend schwarz lackierte Einbauten zu entwerfen, die das Gebäude vollkommen transformierten. Er eliminierte Stufen und Rundbögen, schuf ein einheitliches Niveau an Böden und Decken, schloss damit das Tageslicht der Oberlichter, Geschichte und Stilmittel aus und erzeugte einen Schutzraum, schließlich doch vollkommen kunstleer und duster, der den suchenden Blick der Besucher in den Garten lenkte. Kommissär des österreichischen Pavillons war Yilmaz Dziewior, damals noch Direktor am Kunsthaus Bregenz.

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Erinnert an den Barcelona-Pavillon: Ausstellungsansicht Kunsthaus Bregenz © VG Bild-Kunst, Bonn 2016 Foto: Kunsthaus Bregenz/Markus Tretter

 

Bregenz

Nun ist die Biennale Venedig genuin temporär, doch Dziewior wollte Zobernigs Haltung bewahren und ließ einen leichteren Nachbau der Einbauten aus Wabenkarton verkleidet mit Lackfolie anfertigen, der im dritten Geschoss des Zumthor-Baus in Bregenz aufgehängt wurde. Ortsfremd und dadurch ohne Kontext wirkt die Installation dort so stark, dass Zobernig hier schließlich doch die Skulptur ausstellte, die ursprünglich für Venedig angefertigt worden war.

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Ausstellungsansicht Heimo Zobernig in HIER UND JETZT, Museum Ludwig: Reiter von Marino Marini 1947 aus der Skulpturensammlung des Museums

 

Venedig – Bregenz – Köln – Venedig

Und nun sind die Einbauten Dziewior nach Köln gefolgt. Hier hängen sie nicht von der Decke, sondern stehen auf dem Boden, spielen die Rolle von Podesten, die sie eigentlich nicht sind. Und man sieht ihnen an, dass sie gereist sind.

Mit der kommenden Architekturbiennale wird sich der Kreis schließen, denn im Mai wird dort Zobernigs Interpretation des Pavillons noch ein zweites Mal gezeigt werden. Das Budget, das Kommissärin Elke Delugan-Meissl für eine neue künstlerische Bespieglung zur Verfügung stand, wird in Projekte investiert, die nach architektonischen Antworten in der Flüchtlingsfrage suchen, Ergebnisse könnten werden dort gezeigt.

Nachhaltiges Denken in der Kunst ist selten, der sparsame Einsatz von Mitteln selten, wenn nicht direkt aus der Armut des einzelnen Künstlers erwächst, dann aus dem Minimalismus, aber auch der kann sehr teuer sein. Dass das Kunst-Recycling hier quasi von höchster Stelle initiiert wird, ist ein ungewöhnlicher, ein leiser Schritt. Freuen wir uns also auf mehr.

 

Uta Winterhager

 

HIER UND JETZT im Museum Ludwig
Heimo Zobernig
20. Fe­bruar – 22. Mai 2016Eröff­nung: Fre­i­tag, 19. Fe­bruar, 19 Uhr

 

 

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