Grüner Filter in Mulhouse. Foto: Duncan Lewis, Scape Architecture

Köln lernt von den Niederländern und Franzosen

Ressource Stadt »umdenken – umnutzen – umbauen« lautet der Titel der diesjährigen landesweiten Reihe des BDA NRW. Der BDA Köln beteiligt sich an der Diskussion über den zukunftsfähigen Umgang mit dem baulichen Bestand in unseren Städten mit drei Veranstaltungen unter dem Titel: »…UND UM UNS DIE STADT«*. Bevor der Fokus auf das Potential oder die Probleme der eigenen Stadt gerichtet wird, lud der BDA Nathalie de Vries (MVRDV, Rotterdam) und Duncan Lewis (Scape Architecture, Bodeaux) zu Werkvorträgen ein. Denn vielleicht, so hoffte man, ist das Köln von morgen schon heute in unseren Nachbarländern erfahrbar. Dass diese eine andere Herangehensweisen haben als die in Deutschland üblichen und Umwandlungspotentiale dort ganz anders eingeschätzt werden als hier, zeigten sowohl die Beispiel von Nathalie de Vries als auch die von Duncan Lewis.

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Nathalie de Vries im Domforum. Foto: Uta Winterhager

 

Spielregeln statt Masterplan

 

Nathalie de Vries zeigte eine Vielzahl von Projekten, die immer wieder damit erstaunten, wie unkonventionell sie angegangen worden sind. Auch für sie selbst war es ein Prozess, bis sie, die als Studentin und junge Architektin immer davon ausgegangen war, nur Schönes und Neues zu bauen, sich auch mit der Umnutzung und Umwandlung von Altem und Hässlichen zu befassen, und auch die Peripherie als städtischen Raum zu begreifen. Inzwischen habe sie aber die Stadt selbst als Projekt entdeckt und sogar eine gewisse Leidenschaft für Brachen entwickelt.

Das erste Projekt, das sie vorstellte, war der Masterplan für Bastide-Niel in Bordeaux, eine extreme Nachverdichtung des Stadtzentrums, bei der in einer historischen Struktur aus Baracken 300.000 qm Wohnungen, Büro- und Kulturflächen sowie ein Universitätsgebäude entstehen sollen (2013+). Ihr Dreh dabei war es, statt eines klassischen Masterplans nur die Spielregeln für die weitere Bearbeitung aufzustellen, an der später einmal 144 Architekten beteiligt sein werden.

Auf großes Interesse beim Publikum stieß das Projekt New Leyden, wo auf einer Industriebrache mitten in der niederländischen Stadt Leyden 670 Wohnhäuser gebaut wurden (2005-2013). Auf einem strengen Raster entstand eine unglaubliche gestalterische Vielfalt – keines der Häuser hat MVRDV entworfen – die man erst einmal zuzulassen muss. Und doch ist diese Dichte und Vielfalt genau das, was in vielen deutschen Siedlungen derzeit fehlt.

Außer den zu Wohnungen umgewandelten Silos in Kopenhagen Frøsilo (2001-2005) zeigte de Vries noch ein Projekt, das großes Begehren weckte. Didden Village ist eine Wohnungserweiterung auf dem Dach einer Perückenfabrik in Rotterdam (2002-2006). Zweimal 45 qm wurden in Form zweier himmelblauer Häuschen auf das Dach eines Backsteingebäudes gesetzt, so simpel und doch so schön. Und es war dem Publikum anzusehen, dass Nathalie de Vries mit diesem Projekt den Nerv vieler Kölner getroffen hat. Jede Stadt habe ihre Dächer, machte sie dem Publikum Mut, man müsse sie halt nur zu nutzen wissen – und dürfen, mag da mancher den Satz weiter gedacht haben.

Duncan Lewis im Domforum. Foto: Uta Winterhager

 

Botanik statt Bauten

 

Auch der Designer und Architekt Duncan Lewis zeigte eine Vielzahl von Projekten, die mit schwierigen oder nahezu unmöglichen Fragestellungen begonnen haben und zu vollkommen unkonventionellen Lösungen geführt haben. „Sociopolis“, eine aufgestelzte Wohnanlage über einem Orangengarten, der dadurch erhalten werden konnte, eine Siedlung von kleinen Sozialbauten, die einmal alle vollkommen identisch gewesen sind, dann nach und nach modifiziert wurden, bis sie irgendwann verwahrlosten. Scape Architecture, setzte hier Landschaftselemente als Filter ein, um dieses Siedlung zu einer schönen Nachbarschaft werden zu lassen. Immer wieder war es das Grün, ob als Kiwipflanzen oder Rasenfläche, die aus einem gewöhnlichen Projekt oder einem hoffnungslosen Fall etwas Besonderes gemacht haben. Und Landschaft, sagte, Lewis abschließend, sei gar nicht so teuer.

Für alle, die angesichts der gestalterischen Möglichkeiten außerhalb Deutschlands zwischen Neid und Frust schwankten, hatte er noch einen guten Rat: Sucht euch gute Bauherren und macht gute Projekte! Und weil das gar nicht so einfach ist: Keep positive!

Und auch Nathalie de Vries hatte abschließend noch einen Trick verraten, wenn kein Geld da ist, dann nehmen sie eben Farbe und dann wird auch schon mal ein ganzer Raum inclusive Möbel gelb gestrichen.

Eine Botschaft, die diesem Abend im Domforum nachhallt, ist, Problemstellungen wie Stadtreparaturen sie eigentlich immer mit sich bringen – so zum Beispiel auch ein knappes Budget – nicht zwangsläufig in ein Ideenvakuum führen müssen, sondern ganz im Gegenteil zu neuem Denken und besonderen Lösungen verpflichten.

 

Uta Winterhager

 

Noch ein Hinweis auf die Abschlussveranstaltung der Reihe „UND UM UNS DIE STADT“ des BDA Köln am Freitag, 31.10.2014 um 15.00 Uhr 
Abschlusspräsentation Ergebnisse der Ideenwerkstatt

Ort: Aula des Abendgymnasiums, Gereonsmühlengasse 4, 50670 Köln

GASTTEAMS 
Splitterwerk, Graz,
Tatiana Bilbao S.C., Mexico D.F.,
 muf architecture/art, London, 
IfaU, Institut für angewandte Urbanistik, Berlin

KÖLNER TEILNEHMER
 Reinhard Angelis, 
BeL, Jörg Leeser und Anne-Julchen Bernhardt,
 Johannes Böttger und Katarina Bajc, 
d.n.a. Trint Kreuder Architekten,
 Johannes Kalvelage,
Anne Koch,
 Lorber Paul Architekten, 
ludwig heimbach architektur,
 Molestina Architekten,
 S. M. Oreyzi,
 scape Landschaftsarchitekten,
 raumwerk.architekten, Ragnhild Klußmann,
 gernot schulz : architektur,
 Van den Valentyn Architektur, Thomas Wientgen

und Studierende

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Eine Reaktion auf “„Keep positive!“”

  1. Anton E

    „Nathalie de Vries zeigte eine Vielzahl von Projekten, die immer wieder damit erstaunten, wie unkonventionell sie angegangen worden sind. Auch für sie selbst war es ein Prozess, bis sie, die als Studentin und junge Architektin immer davon ausgegangen war, nur Schönes und Neues zu bauen, sich auch mit der Umnutzung und Umwandlung von Altem und Hässlichen zu befassen, und auch die Peripherie als städtischen Raum zu begreifen.“

    GENAU DAS MUSS DIE DIREKTIVE FÜR DEN „NEUEN“ EBERTPLATZ SEIN.

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