Häuser von gestern für die Stadt von morgen

Die erste Konferenz der neu formierten Landesinitiative StadtBauKultur NRW findet am 24. Januar 2014 in Gelsenkirchen statt.

Fast zwei Jahre war es ziemlich still um die im Jahr 2001 gegründete Landesinitiative StadtBauKultur NRW, die als erste ihrer Art in Deutschland, für Baukultur bei Architektur und Planung in der Öffentlichkeit sensibilisiert hat.

Seit März letzten Jahres haben sich nicht nur Verein und Initiative neu konstituiert, auch inhaltlich hat sich der neue Geschäftsführer Tim Rieniets einiges vorgenommen.

Um nach dem Komplettneustart in der zweiten Dekade der Landesinitiative Ziele besser kommunizieren zu können und um auf aktuelle Themen aus Architektur und Stadtentwicklung zu fokussieren, wurden vier Themenfelder gesetzt; UmBauKultur, Wir-Urbanismus, LebensRäume und StadtGespräche.

Die Auftaktveranstaltung zur inhaltlichen Neuausrichtung, wird die Konferenz „Umbaukultur“ – Häuser von gestern für die Stadt von morgen, am 24. Januar 2014 in Gelsenkirchen sein.

Sie folgt der Erkenntnis, dass die Stadt von morgen aus Häusern von gestern besteht! Folgerichtig stehen Wandel und Anpassung der Stadt im Fokus dieser ersten Veranstaltung der Initiative. In fünf Workshopbereiche unterteilt, werden sich die Akteure mit der Betrachtung und Weiterentwicklung des ‚Umbaulandes NRW’ beschäftigen. Dabei finden sich weitgefasste Themenfelder von ‚Umbaumaterial’ über die ‚Umbaukunst’ bis hin zur ‚umgebauten Stadt’.

Barbara Schlei

 

>>Konferenzprogramm

Auszug aus dem Katalog der Initiative StadtBauKulturNRW zum ersten der vier gesetzten Themenfelder:

UmbauKultur
Häuser von gestern für die Stadt von morgen

Unsere gebaute Umwelt steht unter einem gewaltigen Anpassungsdruck. Sie muss an den demografischen Wandel angepasst werden, insbesondere an eine alternde Gesellschaft und deren besondere Anforderungen an die Benutzung von Räumen und Infrastrukturen. Sie muss an den Klimawandel angepasst werden, um seine Ursachen einzudämmen und seine Folgen aufzufangen. Und sie muss an den gesellschaftlichen Wandel angepasst werden: an neue Lebensstile und flexiblere Arbeitsstrukturen, an Migration, Säkularisierung usw.

Diesen großen Herausforderungen werden wir nur teilweise durch innovative Neubaumaßnahmen begegnen können, sondern müssen sie vor allem mit dem bewältigen, was wir haben: mit unserem baulichen Bestand. Dass wir die Zeiten anhaltenden städtischen und wirtschaftlichen Wachstums hinter uns gelassen haben, verleiht dieser Feststellung zusätzliches Gewicht. Die Stadt von morgen besteht aus Häusern von gestern!

Diese Erkenntnis ist nicht neu. Zahlreiche Publikationen, Forschungsprojekte und Stadtumbauprogramme haben sich dieses Themas bereits angenommen. Technische, baurechtliche und immobilienwirtschaftliche Instrumente wurden erprobt, um mit ihrer Hilfe die notwendigen Umbaumaßnahmen zu bewältigen. Aber die baukulturelle Dimension dieses weitreichenden Umbauprozesses ist bis zum heutigen Tage ein Nebenschauplatz geblieben. Unser gesamtes Bauwesen – angefangen bei der universitären Ausbildung von Architekten bis zur Architekturkritik in den Feuilletons – ist nach wie vor durchdrungen vom Paradigma des Neuen. Umbau, Umnutzung und Anpassung von Altem wird im öffentlichen Ansehen – von einigen spektakulären Projekten abgesehen – nicht als baukulturelle Chance angesehen, sondern bestenfalls als notwendige Modernisierungsmaßnahme.

Die jüngste Debatte um die energetische Sanierung von Fassaden zeigt das besonders deutlich. Sie lässt befürchten, dass unsere Städte durch den klimagerechten Umbau erhebliche baukulturelle Verluste erleiden werden.

Es gibt aber auch Anzeichen dafür, dass der Umbau unserer Städte und Bauwerke baukulturelles Innovationspotential bietet. Innovative Architekten erproben neue Bauformen und Ästhetiken; Planer übertragen Prinzipien des Recyclings auf den architektonischen und städtebaulichen Entwurf; Ingenieure finden neue Wege zur Wiederverwertung von Baumaterialien; Ökonomen diskutieren alternative Finanzierungsmodelle usw. Die meisten dieser Ansätze mögen sich noch im Versuchsstadium befinden, aber es ist davon auszugehen, dass sie mehr und mehr die Tätigkeiten von Architekten, Ingenieuren, Bauherren und Entscheidungsträgern bestimmen und das Bild unserer Städte prägen werden.

Wir werden die Anpassung unserer gebauten Umwelt nur dann im Sinne einer lebenswerten, nachhaltigen und qualitätvoll gestalteten Lebenswelt bewältigen, wenn wir den Umbau nicht nur als Notwendigkeit ansehen, sondern als Chance. Darum unterstützt die StadtBauKultur NRW Projekte, die in herausragender und vorbildlicher Weise demonstrieren, dass die Anpassung unseres baulichen Bestandes einen baukulturellen Mehrwert für Nordrhein-Westfalen erbringen kann.

Förderfähige sind Projekte, die sich mit der Sanierung, Anpassung oder Umnutzung von Gebäuden, öffentlichen Räumen, Infrastrukturen oder Stadtquartieren befassen, sowie allen damit verbundenen Maßnahmen aus Verwaltung, Baurecht und Bauwirtschaft.

In den nächsten Wochen wird koelnarchitektur.de den Katalog der Stadtbaukultur und die darin definierten weiteren Themenfelder Wir-Urbanismus, LebensRäume und StadtGespräche vorstellen.

 

Umbau nicht als Notwendigkeit, sondern als Chance begreifen, denn ‚Die Stadt von morgen besteht aus Häusern von gestern! ‚
Foto: Joop Reijngoud

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