Baumeister-Diskussion im MAKK

Was ist deutsche Architektur? Wie werden wir als Architekten im Ausland wahrgenommen? Schon allein die Fragestellung bringt Probleme mit sich. Deutsche Architektur – Ist es das, wie wir hier in Deutschland bauen oder wie Deutsche im Ausland bauen? Oder sprechen wir von einem historisch geprägten Baustil?

Fragen, über die Alexander Gutzmer, Chefredakteur des Baumeisters, in der vergangen Zeit viel nachgedacht hat. Um der Antwort ein wenig näher zu kommen, lud er – zusammen mit dem italienischen Magazin abitare – in das Museum für Angewandte Kunst nach Köln ein. Und zwar Architekten und Designer, die aufgrund ihrer Tätigkeit und ihres internationalen Hintergrundes versuchten, die Spur nach deutscher Architektur aufzunehmen und zu verfolgen.

koreanisch-deutscho oder deutsch-koreanisch?

Auf dem Podium saß unter anderem Eun Young Yi. Der aus Korea stammende Architekt mit einem Büro in Deutschland vertrat am vehementesten seinen Standpunkt. „Mich interessiert es nicht, ob meine Architektur deutsch-koreanisch oder koreanisch-deutsch ist. Viel wichtiger ist es, dass sie einen gewissen Wert hat“, so Eun Young Yi. „Ich bin damals nach Deutschland gekommen, weil es das Land von Behrens oder Mendelsohn war. Doch heute gibt es keine nennenswerten Leistungen mehr. Deutschland hat international keine Bedeutung mehr. Die Architekturdebatte hier ist oberflächlich und hohl geworden.“

global architecture by Zaha Hadid

Thomas Vietzke, Associate bei Zaha Hadid Architects, versuchte die komplexe Fragestellung nach deutscher Architektur globaler aufzurollen. „We are producing architecture in a global network in an universal worldwide teaching system. Architecture as global language“, so Vietzke. Auch nicht zu vergessen sei, dass sich die Rolle von Architektur sehr verändert habe. So diene sie heute viel eher der PR oder dem city-branding. Architektur muss sich den jeweiligen Begebenheiten anpassen können. So versuchen sie bei Zaha Hadid auch, nie das Gleiche noch einmal zu machen.

Architektur als Produkt?

„Wir werden heute Nacht keine Lösung oder einen common sense finden“, so der deutsche Industriedesigner Stefan Diez. Wichtig aber sei es, voneinander zu lernen, mit Netzwerken zu arbeiten. Er als Designer würde Marken schaffen, Architekten aber wären an sich schon Marken. Und genau diese Marken seien wichtig für Länder und Nationen. Vielleicht könne man den Vergleich mit einer Automarke wagen. So sei diese immer mehr ein Produkt, welches sich auf dem internationalen Markt verkaufen müsse beziehungsweise die unterschiedlichen Anforderungen und Nationalitäten bedienen sollte. So entstehe das Design nicht mehr von innen heraus – wie eigentlich in seiner ursprünglichen Form gewünscht – sondern viel eher würde man heute eine Platte schaffen, um dieser dann die unterschiedlichen Hüllen für die verschiedenen Wünsche aufzustülpen.

Design und Architektur – lässt sich dies so sehr vergleichen? Was ist Design und was Architektur? Und was ist qualitativ wertvolle Architektur? Und wie finden wir diese heute? Die Diskussion warf an diesem Abend immer mehr neue Fragen auf als alte zu beantworten. Die Komplexität des Themas und die Suche nach deutscher Architektur nicht so einfach zu fassen. “Warum findet dieser Abend eigentlich auf englisch statt?” fragte Eun Young Yi. Es ginge doch um deutsche Architektur. Und alle Podiumsteilnehmer – außer der italienische Designer Odo Fioravanti, den man leider aufgrund der schlechten Technik fast nicht verstehen konnte – seien deutschsprachig. An der Zustimmung aus dem Publikum konnte man hören, dass es für das Thema sicherlich eine Bereicherung gewesen wäre. Aber auch hier wird die Globalisierung und die “global language” …, welche auch in der Architektur an Bedeutung gewinnt, immer präsenter.

Typisch deutsch?

Deutsche Architektur sei unsere ökologische Kompetenz und die hervorragende Tragwerksarchitektur, warf der Architekturtheoretiker Wolfgang Pehnt aus dem Publikum am Ende noch ein. Ja, bestätigte auch Thomas Vietzke. Frei Otto und das Olympiadach hatte er schon zu Beginn erwähnt, die „technical architecture“ und die „material sufficiency“ als Merkmale deutscher Architektur. „Und wenn man die komplexe Fragestellung einmal von der anderen Seite betrachten würde?“ fragte Johannes Kister aus dem Publikum. „Wann entstand denn immer bekannte Architektur in Deutschland? Immer aus der urbanen Situation heraus!“ So sehe er das urbane Verständnis als eine der wichtigsten Expertise deutscher Architekten an.

„We haven’t solved the problem“, schloss Alexnder Gutzmer am Ende die Diskussion. Deutsche Architektur – was ist das? Eine mutige Fragestellung, deren Fortsetzung sicherlich folgt. „Nein, nicht mutig“, verneinte Stefan Dietz, „mutig waren nur wir, uns zu diesem Thema auf das Podium zu setzen – denn bei dieser Komplexität konnten wir uns nur blamieren!“

Ab dem 13. Januar zeigt das Museum für Angewandte Kunst Köln die Ausstellung „Rolf Sachs ‘typisch deutsch?’ – Eine Auseinandersetzung mit Eigenschaften und Klischees“. Sie ist bis zum 21. April zu sehen.

Natalie Bräuninger

 

Eun Yong Yi

‘Was ist deutsche Architektur? Das ist mir eigentlich egal’, so das Statement von Eun Young Yi.

Thomas Vietzke

Thomas Vietzke von Zaha Hadid architects spricht über die global language in der Architektur.

Stefan Diez

Der Industriedesigner Stefan Diez vergleichr die Komplexität des Themas mit der Entwicklung in der Automobilindustrie.

Odo Fioravanti

Odo Fioravanti verfolgt die Theamtik aus der Sicht des Designers.

MAKK_Baumeister

Über deutsche Architektur diskutierten Felix Klingmüller (Moderation, Abitare), Odo Fioravanti (Odo Fioravanti Design Studio), Stefan Diez (Stefan Diez Office), Eun Young Yi (yi architects), Thomas Vietzke (Zaha Hadid Architects) und Alexander Gutzmer (Baumeister). vlnr

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