Fortsetzung: Zum Stand des Verfahrens

/pages/de/home/aktuell/1229.htm zu Teil 1: Abriss kontra Denkmalsschutz

Doch die Einmütigkeit endete angesichts der Frage, welche Maßnahmen und Kosten für den konservatorischen …

zu Teil 1: Abriss kontra Denkmalsschutz

Doch die Einmütigkeit endete angesichts der Frage, welche Maßnahmen und Kosten für den konservatorischen Umgang mit der historischen Bausubstanz unabdingbar seien. Bis 2003 habe sich Lammerting gesprächsbereit gezeigt, meint Becher. Doch konnte mit dem Konservator darüber, wie ein sowohl dem Denkmal angemessenes als auch finanzierbares Sanierungskonzept aussehen könnte, keine Einigkeit hergestellt werden.

Erste Opfer dieses Streits wurden die Künstler. Als „IG Eupener Straße“ traten sie offensiv für die Bewahrung der Architektur und den Bestand ihrer Ateliers ein. Hier stimmte die Raumhöhe und das Licht, und das Stützenraster legte eine passende Untergliederung nahe. Eine Minimalsanierung mit weiterem Eigenausbau der Künstlergemeinschaft wäre für die Mitglieder eine gute Lösung gewesen. Eine höhere Miete auch – für den Komfort einer Heizung zum Beispiel.

Unterstützt wurde sie von der Anwohnerinitiative „Bürgerplan West“, die auf den Bestandsschutz des gewachsenen Kulturzentrum als einer belebenden Oase zwischen uniformen Verwaltungsblöcken hoffte. Auch die damalige Kulturdezernentin Marie Hüllenkremer machte sich für den Erhalt des Atelierhauses stark. Die LIG bot dem Stadtkämmerer an, das Gebäude zum Einkaufspreis zu übernehmen. Doch angesichts leerer Kassen lehnte die Stadt eine Übernahme ab. Und so wurde den Künstlern ein zweites Mal die Räumungsklage zugestellt.

Aus Kostengründen kehrte Lammerting zum geplanten Abriss zurück, während die Denkmalpflege die Unterschutzstellung mit Nachdruck vorantrieb, um genau diesen zu verhindern. Dagegen hat wiederum die LIG Berufung eingelegt. Die diesbezügliche Entscheidung des Oberverwaltungsgerichts Münster steht noch aus.

Was die Zukunft bringt

Im Frühjahr 2004 beantragte die LIG die Abrissgenehmigung für das Fabrikgebäude. Ihre Begründung: Die Erhaltung der historischen Bausubstanz sei durch die hohen Kosten einer denkmalgerechten Sanierung für das Unternehmen unwirtschaftlich. Man habe das mehrfach durchgerechnet, versichert Ulrich Becher. Mit einem geänderten Bebauungskonzept trage das Unternehmen jedoch dem politischen Wunsch nach Nutzungsmischung Rechnung.

Wenn alle Sidol-Bauten abgerissen sind, sollen in dem zur Aachener Straße gelegenen Teil rund 250 Wohneinheiten entstehen. Der erste Aspekt des TechnologiePark-Konzepts „Arbeiten, Wohnen & Leben“ setzt hier zukünftig den Akzent. Der nördliche Bereich, der an die Felix Böttcher GmbH grenzt, soll gewerblich genutzt werden.

Auf eine Prognose, ob das nun das tatsächliche Aus für Müller-Jenas architektonisches Erbe bedeutet, will der Unternehmenssprecher sich nicht festlegen. Da müssten von Seiten des Konservators grundlegend neue Vorschläge eingebracht werden. Aber das hält man bei Lammerting nicht mehr für realistisch. Dennoch räumt Ulrich Becher ein, die dritte Säule des Konzepts – das Stichwort „Leben“ – könnte auch für eine kulturelle Nutzung stehen.

Es war die Bauaufgabe Müller-Jenas, Gebäude mit maximaler Nutzungsflexibilität zu schaffen. Je nach anvisierter neuer Nutzung und Umbauaufwand gibt es sowohl günstigere als auch teurere Lösungen einer denkmalgerechten Sanierung. Fest steht, dass jeder ungenutzte Monat zum Verfall beiträgt. So hat die Dauer der gerichtlichen Auseinandersetzung Auswirkungen auf das noch nicht gefällte Urteil.

Denkmalschutz ist wie Artenschutz dafür zuständig, die letzten einer Art vor dem Aussterben zu bewahren. Die Sidol-Fabrik ist eine solche Rarität. Zudem könnte das angeschlagene kulturelle Image Kölns eine Wellness-Kur gut vertragen. Denn wie sagte Udo J. Lammerting im Dezember 2000 als er Henkels Räumungsklagen vorläufig außer Kraft setzte und für den Verbleib der Künstler eintrat: „Kunst und Kultur sind auch ein wichtiger Faktor für den Wirtschaftsstandort Köln und eine Bereicherung für die Stadt.“ So bleibt die – zugegeben geringe – Hoffnung, dass Eigentümer und Stadtkonservator doch noch einmal das Gespräch suchen – im Sinne der Kultur und des Wirtschaftsstandortes.

10.11.2004, Petra Metzger

Sidol - Turm

Das Wasserreservoir auf dem turmartigen Unterbau prägt die Nordseite.

1 Kommentar

Die Stadt Köln sollte sich ihrer Verantwortung bewusst sein und eines der letzten Baudenkmäler mit Nachdruck schützen !

Schreibe einen Kommentar