Bauen wider die Gewöhnlichkeit

Kölns derzeit interessantestes Museumsprojekt ist auf dem Weg zur Fertigstellung eine bedeutende Etappe weiter gekommen.

Anfang Oktober wurde feierlich die Grundsteinlegung für den Kölner Neubau des Erzbischöflichen Diözesanmuseums an St. Kolumba zelebriert.

Peter Zumthor wird das neue Diözesanmuseum bauen, in dem das Sammlungs- und Ausstellungskonzept, mittelalterliche und zeitgenössische Kunst in eine spannungsreiche Beziehung zu setzen, verwirklicht werden wird. Kolumba, das „Museum der Nachdenklichkeit“, soll Kunst und Architektur verbinden. Während sich eine jüngere, technikbegeisterte Generation mehr und mehr der computergenerierten, neo-organischen „Blob“-Architektur zuwendet und die mittlere Architektengeneration eine neuklassizistische Baukunst betreibt, findet der Schweizer Baumeister Peter Zumthor erneut, auch mit seinem Kölner Projekt, eine eigene unverwechselbare Sprache.

Ein Glücksfall der besonderen Art ist die nahezu symbiotisch wirkende Verbindung zwischen einem virtuosen Architekten und einem kulturell engagierten Bauherrn. Denn die Auseinandersetzungen mit dem Ort St. Kolumba und dem Bauherrn sind wohl maßgeblich für das Konzept verantwortlich. Jedes Detail, jede Form scheint in sich begründet und aus der lokalen Form abgeleitet zu sein.

Auf der Decke des zukünftigen Gemäldearchivs konnten die Gäste beobachten, wie der Grundstein per Kran in die dafür vorbereitete Stelle gehievt wurde. Dabei handelt es sich natürlich nicht um irgend einen Stein. Der Aachener Blaustein war im Mittelalter der Grabstein einer Familiengruft in St. Kolumba, der jetzt in veränderter Form, Lage und Bestimmung an seinen ursprünglichen Ort zurückkehrt. Neben den obligaten Reden einer Grundsteinlegung begleitete kirchliche Traditionen den dadurch besonders feierlichen Akt. So wurde der Stein gesegnet und alle am Bau Beteiligten verlasen ihre ganz persönliche Fürbitte zum Gelingen des Hauses.

Dialog der Kunst mit dem Ort

Das neue Erzbischöfliche Diözesanmuseum ist, auch wenn es von der katholischen Kirche finanziert wird, ein Kunstmuseum, das sich nicht nur christlicher Kunst widmet. Wolfgang M. Plotzek, seit 1990 Direktor des Museums, „will ein Museum der Nachdenklichkeit und des intensiven Dialogs zwischen Kunst und den Anliegen der Kirche“. Er wolle es zu einer „Begegnungsstätte zwischen den unterschiedlichen weltanschaulichen Gruppen der Erde machen.“ Joachim Kardinal Meisner betonte: „das mit diesem Bau erlebte Geschichte bewahrt und durch neue entstandene Geschichte in die Zukunft geführt würde“, und „so entstünde ein Ort des Dialoges mit der Moderne und dem Evangelium.“ Auch Oberbürgermeister Schramma sprach von „einem besonderen Geschenk an die Stadt“. Er kann mit dem Bau eine bisschen Reklame für die Bewerbung Kölns zur Kulturhautstadt machen.

Anlässlich der Weltjugendspiele im August 2005 soll, so verspricht der Architekt, das Gebäude fertig und bezugsfähig sein. Ein ehrgeiziger Termin, angesichts der Großbaustelle gegenüber des Dischhauses, auf der Experte derzeit in erster Linie mit Sicherungsmaßnahmen der Mauerreste der spätgotischen Pfarrkirche St. Kolumba beschäftigt sind. Von einer neuen Ebene über der Kapelle erhalten die vier Pfeiler des gotischen Kirchturms hohe, filigrane Stützen, die in den existierenden Pfeilern der Pfarrkirche ankern und das darüber entstehende Museum künftig mittragen. Mit den Hochbauten soll Anfang 2004 begonnen. Über dem, in den 70er Jahren freigelegten fast 800 Quadratmeter großen Grabungsfeldes, das als charakteristische archäologische Zone dem Außenklima ausgesetzt bleibt, wird das Herzstück des neuen Museums liegen. Ähnlich wie bei den Schutzbauten in Chur wird das Feld über Stege begehbar sein. Zumthor spannt eine 12m hohe Halle darüber. Zwei Ausstellungsebenen über der Halle bieten ein differenziertes Angebot klar gegliederter Kabinette, ohne exakte Raumfolgen zu definieren.

Durch die offenen, großen und flächenbündigen Maßwerkfenster der Südseite und ein unregelmäßiges, wie Lochmuster durchbrochenes „Flittermauerwerk“ wird Tageslicht in die Ausgrabungsebene gefiltert und soll durch die Chorfenster von Ludwig Gies die Böhmschen Kappelle an der Ostflanke belichten. Probewände des Mauerwerks sind nahe der Baugrube bereits zu sehen. Die Kapelle Madonna in den Trümmern ist derweilen gut geschützt und wohl verpackt und wird sowohl den Disput zwischen den beiden Baumeister, Zumthor und Böhm, als auch die Bauarbeiten gut überstehen.

Die Bestandteile und Fragmente vorhandener Architektur und Archäologie zu respektieren und einzubeziehen war die wesentliche Aufgabenstellung, des seit 1993 vorbereiteten Wettbewerbs, als dessen erster Preisträger 1997 der Schweizer Architekt Peter Zumthor hervorging.

So wie Vals und Bregenz bereits moderne Pilgerorte der Architekturinteressierten sind, wird wohl auch das neue Diözesanmuseum nicht nur an sakraler Kunst interessierte Besucher anziehen. Doch der Neubau birgt eine doppelte Chance: Neben dem Gewinn für das Museum und der Neupräsentation der Bestände wird auch das Stadtkarree zwischen der Konsummeile Hohestraße, Opernhaus und Nordsüdfahrt revitalisiert werden.

Barbara Schlei
Redaktion

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Minister Michael Vesper

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Joachim Kardinal Meisner

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Peter Zumthor

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Joachim Kardinal Meisner vermörtelt die Dokumentenkapsel.

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Der Grundstein wird gesetzt.

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