welovearchitecture #17 Tiflis · Tbilisi

Invisible Facts of Tbilisi Architecture

 

In den 1990er Jahren, nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion, fielen in Tiflis mehrere Bauwerke den politischen Ambitionen der Übergangszeit zum Opfer. Die bürgerkriegsähnlichen Geschehnisse führten zur Zerstörung des historischen Zentrums. Deren Motive wurden nie Gegenstand von Ermittlungen. Die Wiederherstellung dauerte mehrere Jahre. Innerhalb der letzten zwei Jahrzehnte sind nun Neubauten errichtet worden, die Eindruck auf die Besucher*innen hinterlassen. Am Beispiel exemplarischer Gebäude thematisiert der Vortrag die wechselvollen, umstrittenen Geschichten des Tifliser Städtebaus, die weit über die politische, ökonomische und kulturelle Interdependenz hinausgeht.

Irina Kurtishvili konzipiert Ausstellungen aus künstlerischen, historischen, politischen und soziologischen Perspektiven. Zuletzt war sie Kuratorin der Ausstellung HYBRID TBILISI im DAM, Deutsches Architekturmuseum in Frankfurt. U. a.: SAKRALE BAUKUNST IM WANDEL DER ZEIT. Die Böhms. (National Museum – Institute of Architecture in Jerewan, Armenien, 2020); GEORGIEN IN FÜNF STATIONEN (Ringturm Wien, 2018); DYNASTIEN (Georgiens Nationalmuseum, Tiflis, 2018); HOTEL ORIENT / HAUS DER KÜNSTLER (Staatliches Literaturmuseum, Tiflis, 2014); PAUL(A) STERN – UNBEKANNTES ARCHIV (Staatliches Museum für Theater, Film, Musik und Choreografie, Tiflis, 2013). www.irinakurtishvili.com

Die Stadt als Archiv des Wandels

In der georgischen Sprache enthält der Name Tiflis (»Tbilisi«) das Wort »Hitze«, was sich auf die heißen Quellen zurückführen lässt, die einst zur Gründung der Stadt führten und die bis heute durch die Altstadt fließen. Diese Hitze nimmt man als Besucher*innen der Stadt überall wahr. Tiflis ist ein Ort intensiv gelebter Widersprüche, die man immer wieder unter der Oberfläche kochend spüren kann. Ein Ort, der seine Geschichte tief in sich trägt, aber seine Vergangenheit gleichzeitig rasant abschüttelt. In den letzten dreißig Jahren hat Georgien einen intensiven Wandel erlebt, der sich besonders in seiner Hauptstadt widerspiegelt, wo ehrgeizige Bauprojekte und ausländische Investitionen zu einer ständigen Veränderung geführt haben, die Gegenreaktionen in der Bevölkerung verursachte und wichtige gesellschaftliche Fragen aufwarf: Was soll erhalten und was zerstört werden? Woran möchten wir uns erinnern? Und wem gehört die Stadt eigentlich? In unserem Projekt »Archive of Transition« trafen wir die Akteure dieses Wandels: Künstler*innen und Stadtplaner*innen, Architekt*innen und Aktivist*innen, Historiker*innen und Kybernetiker*innen.

Klaus Neuburg arbeitet seit rund 20 Jahren im gestalterischen Bereich in verschiedenen Disziplinen. Nach seinem Architekturstudium und einigen Jahren in einer Agentur für visuelle Kommunikation war er 2008 Mitgründer des FROH! Magazins und ist seit 2010 selbstständig als Gestalter, Publizist und Dozent an den Schnittstellen von Design, Technologie und Gesellschaft tätig. Arbeits- und Forschungsschwerpunkte sind Transmediales Erzählen und Gestalten unter besonderer Berücksichtigung gesellschaftlicher Kontexte.
Er unterrichtete an der FH Dortmund und als Gastprofessor an der HFBK Hamburg (Klasse Grafik). Seit 2018 vertritt er die Professur für Design und Konzeption an der Hochschule Hamm-Lippstadt. https://froh.ngo/

Begrüßung und Einführung:

  • Ingo Plato, Vorstand BDA Köln
Vortrag:
  • Irina Kurtishvili, Kuratorin, Tiflis, Georgien
  • Klaus Neuburg, Gestalter, Köln

Datum:
28.01.2020, 19.30 Uhr

Adresse:
Kyotobar
Projektraum Schilling

Gereonswall 75
50670 Köln