Josef Albers im Dialog mit Werken von Larry Bell, Olafur Elíasson und Bridget Riley

Anlässlich des 100-jährigen Gründungsjubiläums des Bauhauses präsentiert das UAA Ungers Archiv für Architekturwissenschaft eine Ausstellung zum übergeordneten Thema Wahrnehmung, die auf der legendären Untersuchung „Interaction of Color“ von Josef Albers (1888–1976) aus dem Jahr 1963 basiert. Die Grundidee ist es, mit Albers einen der großen, wegweisenden Bauhaus-Lehrer (und späteren Lehrer am Black Mountain College und der Yale University) im geistigen Kontext des UAA und im visuellen Dialog mit wenigen ausgewählten Künstlern zu präsentieren, für die Farbe, Form und Wahrnehmung eine ebensolche Bedeutung haben. Gerahmte Blätter seiner „Interaction of Color“ – die in der hochrangigen und außergewöhnlichen Bibliothek mit architekturtheoretischem Schwerpunkt von O.M. und Liselotte Ungers beherbergt sind –, sind Ausgangspunkt der Korrespondenzen im Raum. Ausgewählte Publikationen wie Philipp Otto Runges „Farben-Kugeln“ (1810), Johann Wolfgang von Goethes „Farbenlehre“ (1810), Wilhelm Oswalds „Farbenfibel“ (1917) und
Johannes Ittens „Kunst der Farbe“ (1961) und von weiteren Künstlern werden in einer Vitrine präsentiert und das Thema der Ausstellung ergänzend vertiefen.

Josef Albers erforschte mit Farben, Formen, Linien, Flächen und ihren Wechselwirkungen die optische, kognitive und auch subjektive Achtsamkeit und Wahrnehmung – diese grundlegenden ästhetischen Hinterfragungen haben bis heute Gültigkeit. Seine Werke sind unverwechselbar, formal konsequent, subtil und fordern vom Betrachter ein aufmerksames Hinsehen. In der von der Yale University Press verlegten Publikation formulierte er: „In visual perception a color is almost never seen as it really is – as it physically is. This fact makes color the most relative medium in art.“ Der Dialog zwischen den zeitlich deutlich auseinanderliegenden künstlerischen Strategien und Handschriften zeigt allein an dieser exemplarischen Auswahl, wie relevant diese formalen Untersuchungen bis heute sind – in der Architektur, dem Design und der bildenden Kunst.

Die geistig-spirituelle Dimension in Albers‘ Werk hatte große Auswirkung auch auf die amerikanische Kunst der 1960er Jahre, insbesondere der Minimal Art, und so liegt es nahe, mit Larry Bell (geb. 1939) einen der herausragenden Künstler dieser Zeit einzuladen. Seine Skulpturen aus Glas visualisieren auf mehrdimensionaler Ebene sein tiefes Verständnis von Farbe und Form sowie ihrer Interaktion durch Refraktion und Reflexion als dynamische Kräfte im Sinne einer erweiterten, durchdringenden Wahrnehmung. Sie führen die Untersuchungen Albers‘ in die dritte Dimension.

Mit Bridget Riley (geb. 1931) wird das Thema der Ausstellung um den Aspekt der optischen Illusion erweitert, da ihre Kompositionen Bewegung und auch Dreidimensionalität vermitteln. Sie prägte wie keine andere die Op Art der 1960er Jahre und ihre formal fein austarierten Werke sind präzise malerische Setzungen mittels strukturierter und wiederholter Form und Farbe, da schon kleinste geometrische oder farbliche Ungenauigkeiten den optischen Effekt verändern. In großer Konsequenz und Kompromisslosigkeit widmet sie sich der Erforschung von Farbe und ihrer Beziehung zum Licht. Es entstehen formal bewegte, aus klar abgegrenzten Farbflächen entwickelte Bilder, die teilweise irritierende Sinneseindrücke beim Sehen hervorrufen: Je nach Standort, Blickwinkel und Fokus des Betrachters ergibt sich die von der Künstlerin intendierte visuelle Aussage und das individuelle Seherlebnis.

Bridget Rileys Erforschung der Wahrnehmung und Larry Bells Beobachtungen von Naturphänomenen wie Wasser und Nebel an der Küste Kaliforniens leiten über zu Ólafur Elíasson (geb. 1967), dessen Beitrag die Ausstellung in die jüngste Gegenwart trägt. Der Künstler, bekannt für seine profunden naturwissenschaftlichen und künstlerischen Untersuchungen, beschäftigt sich sowohl mit gesellschaftlich brisanten, aktuellen Themen als auch mit physikalischen Phänomenen in der Natur. Licht, Wasser, Bewegung und Reflexion werden in experimentellen, technisch hoch aufwendigen Installationen und ebenso feinen, poetischen Werken präsentiert. Die Natur und ihre Beobachtung ist dabei seine „Werkzeugkiste“, die emotional und intellektuell verbindet. In genauer Kenntnis der unterschiedlichen Farblehren, der physikalischen Gesetze und der Naturbeobachtungen untersuchen seine ausgestellten, poetischen Arbeiten Farbe, Licht und Schatten, Formen und Linien sowie „ungeordnete“ Reaktionen/Farbverläufe – mit Pigmenten und Wasser in Form eines schmelzenden Gletschereiswürfels während des (vom Künstler fast autonomen) Malprozesses. Sie sind ein visueller Kontrapunkt zu den „geordneten“ Strukturen der anderen Künstler der Ausstellung. Alle eint jedoch das Wissen um die Interaktion von Farbe und Form im Sinne einer vertieften Wahrnehmung sowie ihr jeweiliger Anspruch einer ästhetisch-sinnlichen Formulierung.

 

Die Ausstellungseröffnung ist am Sonntag, 07. April 2019 von 16 – 18 Uhr.

Zur Einführung spricht Susanne Kleine, Kuratorin der Ausstellung.

Datum:
08.04.2019
bis 17.05.2019
Adresse:
UAA Ungers Archiv für Architekturwissenschaft
Belvederestraße 60
50933 Köln


Öffnungszeiten:

08.04. - 14.04.2019  Mo - So 11 - 16 Uhr
15.04. - 17.05.2019  Mo - Fr  11 - 16 Uhr