Das kleine Spiel zwischen dem Ich und dem Mir – Kunst und Choreografie

Eine Kooperation von Kolumba und tanz.köln

Das kleine Spiel zwischen dem Ich und dem Mir ist eine Ausstellung mit acht Kapiteln, die sich in einer öffentlichen Aufbauphase fortlaufend erweitert hat. Sie vereint Arbeiten von Künst- ler_innen, die herkömmliche Körperbilder einer kritischen Revision unterziehen und über den Einsatz ihres eigenen Körpers nach neuen Möglichkeiten der Repräsentation suchen. Die Ausstellung holt die Choreografie und den Tanz von der Bühne weg in den Aktionsraum des Museums, um die unterschiedlichen Ausdrucksmöglichkeiten miteinander in Kontakt zu brin- gen und übergreifende Fragestellungen erlebbar zu machen: Wie kann man einen Körper wiedergeben? Welche Rolle spielen körperliche Erfahrungen und Erinnerungen in der Wahr- nehmung von Welt? Gibt es ein spezifisch körperliches Denken? Welche Spuren eines cho- reografischen Denkens gibt es in der bildenden Kunst? Welche Rolle spielen dabei aus heuti- ger Sicht queere Fragestellungen? Wie adressiert und inszeniert ein Kunstwerk sein Gegen- über, den betrachtenden Menschen? Was für eine Rolle spielen institutionelle Regeln und Handlungsanweisungen? Welche Bedeutung hat die gebaute Architektur für die Entfaltung und Erfahrung von Körperlichkeit?

Zeitlich beginnen die acht Kapitel mit Arbeiten aus den 1970er Jahren, einer Zeit, in der konzeptuelle und institutionskritische Strategien in der Kunst vorherrschend sind und der Körper zunehmend politisiert wird: Den Auftakt machen Heinz Breloh (dessen 80. Geburts- tag wir zum Anlass nehmen, sein Werk erstmals in seiner Gesamtheit vorzustellen), Bern- hard Leitner, Duane Michals, Richard Tuttle und Hannah Villiger (deren Zitat wir als Ausstel- lungstitel verwenden). Die Ausstellung spannt den Bogen hin zu jüngsten Arbeiten von Est- her Kläs, dem Büro für Augen, Nase, Zunge, Mund, Herz, Hand und Maske (die alles überdeckt) (Nicole Baginski, Tanja Geiß, Patrick Henkel, Eva Kot’átková, Susanne Kümpel, Andreas Maus, Michael Müller, Anna Rossa) und der belgischen Choreografin und Tänzerin Anne Te- resa De Keersmaeker. De Keersmaeker entwickelte mit ihrer Compagnie Rosas für die Aus- stellung die Arbeit Dark Red, die wir im letzten September als integraler Bestandteil der Aus- stellung zeigen konnten. In Kooperation mit tanz.köln werden bis im August weitere For- mate realisiert, die sich zwischen Aufführung und Ausstellung bewegen und das zeitgebun- dene, momentane der performativen Künste mit den bildenden Künsten in Kontakt bringen. Wie schon oft ist die eigene Sammlung Ausgangs- und Mittelpunkt des Projektes, dessen mo- nografische Setzungen mit mittelalterlichen und barocken Werken korrespondieren.

Kapitel 1 stellte mit der belgischen Choreografin Anne Teresa De Keersmaeker (*1960) und ihrer Compagnie Rosas die für den Ort realisierte Arbeit »Dark Red« vor. Über 2600 Besucher_innen konnten die Tänzer während einer Woche täglich von 12 bis 17 Uhr im fast leeren Haus erleben. Zeichnungen zu ihrer Arbeit bleiben über das gesamte Jahr Teil der Ausstellung.

Kapitel 2 fokussiert den amerikanischen Künstler Richard Tuttle (*1941), stellt erstmals eine Gruppe von frühen Zeichnungen vor und aktualisiert wöchentlich seine performative Installation »Ten Kinds of Memory and Memory Itself« von 1973.

Kapitel 3 bestreitet die Bildhauerin Esther Kläs (*1981), die sich in zwei Räumen u.a. auch mit Wer- ken von Heinz Breloh in ein Verhältnis setzt.

Kapitel 4 zeigt den amerikanischen Fotografen Duane Michals (*1932) und rückt seine politischen Bildsequenzen ins Zentrum. Die Arbeit von Duane Michals ist in Europa nirgendwo so gut vertreten wie in unserer Sammlung.

Kapitel 5 bringt mit Bernhard Leitners (*1938) »RaumReflexion« ein Hauptwerk der Klangskulptur zur Erfahrung von Körper und Raum und zeigt ergänzend frühe Konzeptzeichnungen des Pioniers für akustische Raumkunst.

Kapitel 6 zeigt die Schweizer Künstlerin Hannah Villiger (1951–1997), die sich bis zu ihrem frühen Tod für ein selbstbewusstes Anders-Sehen des weiblichen Körpers eingesetzt hat. Dank der Zusam- menarbeit mit dem Nachlass können wir ihr Werk als Retrospektive in diesem Umfang in Deutsch- land erstmals vorstellen.

Kapitel 7 gibt dem aktualisierten Büro für Augen, Nase, Zunge, Mund, Herz, Hand und Maske (die alles überdeckt), einem Projekt des Kölner Kunsthauses KAT18, einen lebendigen Raum, in dem unsere alltäglichen, durch Routine und Einfallslosigkeit, aber auch durch Einschüchterung gekennzeichneten Handlungen humorvoll befragt werden.

Kapitel 8 führt alle monografischen Stränge der Ausstellung zu einer vielgestaltigen Retrospektive des Bildhauers Heinz Breloh (1940–2001) zusammen. Erstmals überhaupt kann auch sein filmisches Frühwerk entdeckt werden.

Kurator_innen:
Barbara von Flüe, Malte Guttek, Hanna Koller, Stefan Kraus, Marc Steinmann, Ulrike Surmann

Kooperationspartner_innen:
Deutsches Tanzarchiv, Köln (Stadt Köln / SK Stiftung Kultur) / Tanzlabor der Tanzakademie der Rheinischen Musikschule Köln / Zentrum für Zeitgenössischen Tanz (ZZT) an der
Hochschule für Musik und Tanz Köln

Mit finanzieller Unterstützung von der Stadt Köln, Pro Helvetia – Schweizer Kulturstiftung und Landis & Gyr Stiftung.

KOLUMBA
Kunstmuseum des Erzbistums Köln Kolumbastraße 4, 50667 Köln

Erweiterte Öffnungszeiten: täglich außer dienstags 10–18 Uhr
(Anmeldung erforderlich, tel: Mo–Fr 0221 933193-32, oder: ticket@kolumba.de) Zur Zeit sind keine Führungen möglich

Bis 16. August 2021

red | uw

Datum:
08.03.2021
bis 16.08.2021

Adresse:
KOLUMBA
Kunstmuseum des Erzbistums Köln Kolumbastraße 4, 50667 Köln