Cöln 1914 – Köln 2014

100 Jahre Deutsche Werkbundausstellung

Sieben Jahre nach seiner Gründung beschloss der Deutsche Werkbund seine erste groß angelegte Werkschau in Köln auszurichten. Als Austragungsort für die „Deutsche Werkbundausstellung Cöln 1914“ bot sich das Deutzer Rheinufer an, nicht nur wegen des reizvollen Blickes auf die historische Altstadt, sondern auch weil die Stadt, damals führend unter den deutschen Großstädten bei der Modernisierung und Neugestaltung des Stadtbilds, versprach, dort mit erheblichen finanziellen, territorialen und administrativen Mitteln beste Voraussetzungen für das Gelingen der Veranstaltung zu schaffen. Und tatsächlich stellte sie nördlich des 1913 errichteten Deutzer Bahnhofs ein 200.000 qm großes Gelände zur Verfügung und steuerte neben 550.000 Mark Startkapital einen Stab von 115 Mitarbeitern aus Verwaltung und Politik zur mehrjährigen Vorbereitung bei.

Werkbund Lageplan

 

So konnte nun am 16. Mai 1914, am Vorabend der Moderne, in Köln die erste Gesamtschau industrieller, handwerklicher und künstlerischer Produktion gezeigt werden, die den Weg zu einer neuen Ästhetik, frei von erstarrten Historienmustern des 19. Jahrhunderts bereiten sollte. Für die rechtsrheinische Stadtentwicklung Kölns bedeutete dies den Auftakt zum heutigen Ausstellungs-, Messe- und Designstandorte. Für das weiträumige, bis dahin weitgehend ungenutzten Areal des heutigen Rheinparks, entwarf die Elite der damaligen deutschen Architektenschaft Ausstellungsbauten, die unmittelbaren Einfluss auf die Entwicklung der internationalen Moderne ausübten.

 

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Herausragend sind die dabei die „Musterfabrik“ des 31-jährigen Walter Gropius, sowie der expressionistische Glaspavillon des drei Jahre älteren Bruno Taut. Henry van de Velde baute das Werkbund-Theater mit dreiteiliger Bühne. Peter Behrens baute die „Werkbund-Festhalle“ und gestaltete das Ausstellungsplakat. Theodor Fischer baute die Haupthalle, Hermann Muthesius das Haus der Farben und Josef Hoffmann das „Österreichische Haus“. Obschon bis Oktober geplant, musste die Ausstellung mit Beginn des 1. Weltkrieges bereits am 1. August 1914, dem Tag der deutschen Kriegserklärung an Russland, geschlossen werden. Während des Krieges blieben die Bauten ungenutzt, wurden zweckentfremdet und teilweise abgerissen, 1918 mussten auch die letzten noch verbliebenen Gebäude der Entwicklung der Kölner Messe weichen. Anders als im breiten Spektrum der wissenschaftlichen Literatur über den Beginn der modernen Architektur und des Designs sind die Ausstellung und ihre Bauten im Bewusstsein der Stadt heute nahezu völlig in Vergessenheit geraten.

 

Die 100-jährige Wiederkehr der Ausstellungseröffnung nehmen das Haus der Architektur Köln (hdak), die Fakultät für Architektur der Fachhochschule Köln und der Deutsche Werkbund NW zum Anlass, im Mai 2014 in drei Veranstaltungen über die historischen Hintergrunde zu informieren, seinen Betrag zur Entwicklung der Gestaltung in den vergangenen 100 Jahren kritisch einzuordnen und gestalterische Perspektiven für die Zukunft zu skizzieren.

 

Redaktion koelnarchitektur (uw) unter Verwendung eines Textes von Roland Dorn

 

Alle Informationen zur Veranstaltungsreihe „Deutsche Werkbundaustellung Cöln 1914

 

Programm:

Freitag 16.05.2014

Werkbundfest zum 100-jährigen Jubiläum der „Deutschen Werkbundausstellung Cöln 1914“ in der Dreigelenkbogenhalle der Design Post Köln

Festveranstaltung mit Theatervorstellung, Festvortrag, Podiumsdiskussion, Gastronomie und Design

Design Post, Deutz-Mülheimer Straße 22a, 50679 Köln-Deutz, 15.00 – ca. 20.00 Uhr

 

Donnerstag und Freitag, 22. und 23.05.2014

Zweitätiges Symposium „Zwischen Kunst und Industrie – Wandlungen einer Idee“

Veranstalter: Fakultät für Architektur der Fachhochschule Köln und Haus der Architektur Köln hdak

Jeweils 10.00 – 17.00 Uhr:

Vorträge und Diskussionen zum Verhältnis von Kunst, Gestaltung, Industrie, Produktion und Gesellschaft in Geschichte und Zukunft mit Persönlichkeiten aus Architektur, Kunst, Design, Wissenschaft und Produktion

Leitung: Prof. Andreas Denk

Ort: Fakultät für Architektur FH Köln, Betzdorfer Straße 2, 50679 Köln, Karl-Schüssler-Saal

Jeweils 18.00 – 20.00 Uhr:

Öffentliche Publikums- und Hörfunkrunde

Teilnehmer: Die Bau- und Kulturdezernenten der Stadt Köln, Gäste aus Kunst, Wissenschaft, Architekturund Wirtschaft

Moderation: Jürgen Keimer

Fakultät für Architektur FH Köln, Betzdorfer Straße 2, 50679 Köln, Karl-Schüssler-Saal

 

Fr., Sa., So., 20. bis 22.06.2014

Akademie des Deutschen Werkbundes NW, Schloss Gnadenthal bei Kleve

„Geschichte der Zukunft“

Dreitägige Vortragsreihe zu Variationen der Moderne von 1914 – 2014

Veranstalter: Deutscher Werkbund NW  Leitung: Prof. Dr. Wolfgang Meisenheimer

Ort: Schloss Gnadenthal bei Kleve

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