Schön wär's: Kaffee und Kuchen im Park-Café

Die meisten Sonntagnachmittag-Ausflugziele mit architektonischen Hinguckern in Köln müssen erst noch gebaut werden. Umso schmerzlich ist es, dass unter den Existierenden ein Kleinod seit etwa 20 Jahren still vor sich hin verfällt: das unter Denkmalschutz stehende Park-Café im Rheinpark. Doch nun ist Änderung in Sicht.

„Blumen blühen am Rhein“

Zwischen Messe und Mülheimer Hafen war nach dem Krieg ein großer Trümmerschutthaufen übrig geblieben. Nach dem Motto der Bundesgartenschau 1957 „Blumen blühen am Rhein“ wurde dieses Gelände in einen großen Volkspark umgewandelt. Der westliche Teil des Parks zum Fluss hin passt sich mit einer weiten Rasenfläche und Baumgruppen der natürlichen Rheinauenlandschaft an, der hochwassersichere östliche Teil zeigt eine vielfältigere gartenkünstlerische Gestaltung.

Im Osten des Großen Blumenhofs führte eine leicht geschwungene Stahlbetonrampe zum „Restaurant Parkhaus“ des Frankfurter Architekten Rambald von Steinbüchel-Rheinwall. Der Name des Lokals passte schon bald nicht mehr zum Ort und wurde zur Bundesgartenschau 1971 in „Park-Café“ abgeändert. Die Geländeunterschiede hier stammen nicht von den Trümmerbergen des 2. Weltkriegs, sondern sind die Grundmauern des preußischen Fort XII auf denen das Park-Café erbaut wurde.

Blaues und gelbes Dach

Das Gebäude scheint fast mit dem Garten verwachsen zu sein, denn die Terrasse des ersten Stockwerks liegt auf einer Geländeerhebung. Nicht über Treppen, sondern organisch geschwungene Rampen gelangt man auf die einzelnen Ebenen. Das amöbenartig ausschwingende und großzügig auskragende Dach des zweiten Stocks dient gleichzeitig als weitere Terrasse. Obenauf sitzt ein gläserner Pavillon mit Flugdach, filigrane Geländer komplettieren zusammen mit den großen Fensterfronten das Bild von Leichtigkeit und angenehmem Aufenthalt. Die Grenzen von außen und innen, von Architektur und Natur sollen so wenig wie möglich spürbar sein.

Die Vorliebe der 50er Jahre für die elegante, geschwungene Form kehrt wieder in der Gestaltung der Blumenbeete, die das Park-Café umgeben. Auf historischen Fotos kann man erkennen, dass man bei der Farbgebung auf Primärfarben setzte: das Flugdach war gelb gestrichen, das große Dach dunkelblau. Die Sonnenschirme waren natürlich rot-weiß gestreift, die Möbel rot, gelb und blau. Das Gelb des Daches wiederholte sich in den Markisen des Erdgeschosses. Auch das Lochblech am Treppenaufgang und weitere Fassadendetails lieferten gelbe Farbtupfer.

Im Erdgeschoß gab es ein Bierrestaurant, davor eine Snackbar, die beiden oberen Etagen dienten als Café. Auf der großen Terrasse konnte man sich zum Tanztee einfinden, insgesamt konnten hier 1200 Gäste gleichzeitig bewirtet werden. Nach der Gartenschau sollten die Restaurationen als Automatenrestaurants weiter betrieben werden, da sich für einen „regelrechten“ Betrieb die Belieferung durch den Park schwierig gestaltete. So richtig kam hier kein Konzept auf die Beine, weil die Innenflächen zu klein und die drei Ebenen nicht miteinander verbunden sind.

Win-Win Situation: schwer vermittelbare Mitarbeiter in schwer vermittelbarem Gebäude

Ende 2011 erteilte die Stadt Marciniak Architekten den Auftrag, ein Sanierungskonzept zu erarbeiten. Im zweiten Geschoss soll ein sich auf die Terrasse erstreckender Glaskubus 60 bis 80 zusätzliche Plätze schaffen. Insgesamt würde die Stadt 2,72 Mio. Euro bereitstellen, doch nun haben sich nach einem Bericht der Kölnischen Rundschau fünf Investoren gemeldet, die auch bereit wären, die Sanierungskosten zu übernehmen. Durch die neu angesiedelten Unternehmen und mit der Aussicht auf den Ausbau der Messe ist die Lage im Rheinpark nun wieder viel attraktiver geworden. Das bedeutet allerdings auch, dass die bereits fertigen Umbaupläne – die Baugenehmigung wird in Kürze erwartet – noch einmal auf Eis gelegt werden, da diese Interessenten in das „Interessenbekundungsverfahren“ eingebunden werden sollen. So kann es frühestens Ende Mai zu einem Abschluss kommen.

Den neuen Anlauf unternimmt nun das Amt für Wirtschaftsförderung, dem 2009 vom Liegenschaftsamt die Zuständigkeit übertragen wurde. Die Idee ist, aus dem Projekt Parkcafé gleichzeitig ein Beschäftigungsprogramm zu machen. Die Sanierung und später der Gastronomiebetrieb sollen schwer vermittelbaren Personen beim Einstieg in den Arbeitsmarkt helfen. Diesen Ansatz hätte der zukünftige Betreiber zu berücksichtigen.

Mut zu Engagement!

Seit kurzem engagiert sich die Initiative „perle sucht dame“ für die Zukunft des Gebäudes, der Architekt Oliver Grebe steht in Kooperation mit dem hdak: „Die Initiative möchte die denkmalgerechte Sanierung unterstützen und zukunftstaugliche Betreiberkonzepte fördern. Mit Kulturaktionen im Parkcafé, vor Ort, möchte sie den Blick für den besonderen Charme des Ortes schärfen und weiten. Sie möchte Interessenten ermutigen, sich am öffentlichen Bieterverfahren der Stadt Köln zu beteiligen.“

Mit einer Foto-Ausstellung zur Architektur der 50er Jahre will Oliver Grebe für die Wertschätzung des Park-Cafés werben und einer breiteren Öffentlichkeit in Erinnerung rufen. Das Park-Café ist dabei Ausstellungsraum und gleichzeitig Teil der Schau. Oliver Grebe sucht noch nach Sponsoren für sein Vorhaben. E-Mails bitte an oliver.grebe@gmx.net.
Und dann gibt es vielleicht bald schon den ersten Kuchen mit Domblick!

Ira Scheibe

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