Im richtigen Rahmen

Die Brückenschwestern der Münchner Preisträger transportieren den Hafencharme ins Heute

Am 15. April wurde der von moderne stadt in Zusammenarbeit mit der Stadt Köln im Rahmen der Quartiersentwicklung Deutzer Hafen Köln ausgelobte Wettbewerb für den Neubau zweier Brücken über das Hafenbecken entschieden. Besondere Bedeutung kommt den beiden Brücken, einer für den Rad- und Fußverkehr, einer für den Kfz-Verkehr, zu, da sie nicht nur zentrale Schnittstellen der nachhaltig geplanten Verkehrsinfrastruktur sein werden, sie werden auch zum ersten Mal zeigen, wie das neue Quartier Gestalt annimmt.

position der beiden Brücken im Quartier. Die Kfz-Brücke liegt auf der dem Dom zugewandten Seite, die Fuß- und Gehwegbrücke otrientiert sich auf den Kopf des Hafenbeckens © Mayr Ludescher Partner Beratende Ingenieure PartGmbB / karl und p Gesellschaft von Architekten mbH

Mit großer Mehrheit: Ein 1. und zwei 3. Preise vergeben

Die 15 Mitglieder des Preisgerichts unter Vorsitz von Jürgen Minkus kamen – pandemiebedingt – nur virtuell zusammen, um die 10 Einreichungen aus dem In- und Ausland nach funktionalen und gestalterischen Gesichtspunkten zu bewerten. Stimmberechtigte Mitglieder der Jury waren neben Andrea Blome, Markus Greitemann und Sonja Rode für die Stadt Köln und weiteren Fachpreisrichter*innen auch Andreas Röhrig für moderne stadt sowie Vertreter*innen der sechs Fraktionen im Rat. Nach intensiver Diskussion zeichnete die Jury den Entwurf der Arbeitsgemeinschaft Mayr Ludescher Partner Beratende Ingenieure PartGmbB / karl und p Gesellschaft von Architekten mbH (München) mit großer Mehrheit mit dem mit 44.000 Euro dotierten 1. Preis aus. Zwei dritte Preise (jeweils mit 22.000 Euro dotiert) wurden an schlaich bergermann partner sbp (Stuttgart) und Marc Mimram Architecture & Associés (Paris) mit Pirlet & Partner (Köln) vergeben.

So wenig Masse wie möglich: Die Brücken der Preisträger werden von filigranen Cortenstahl-Pylonen und Abspannungen gehalten. Hier Querschnitt der Kfz-Brücke © Mayr Ludescher Partner Beratende Ingenieure PartGmbB / karl und p Gesellschaft von Architekten mbH

Kein Brückenzirkus bei den Preisträgern

Der ausgezeichnete Entwurf des Münchener Teams Mayr Ludescher / karl und p überzeugte mit der eleganten Zurückhaltung der Cortenstahl-Konstruktionen, die auf zeitgemäße Weise den industriellen Hafencharakter zitieren und dennoch sehr souverän zum Erleben des Ortes beitragen werden. Beide Brücken werden von vergleichsweise filigranen abgewinkelten Pylonen und Abspannungen getragen und bieten über das Hafenbecken hinweg einen eleganten Rahmen für das Panorama in beide Blickrichtungen, zum Dom und in das neue Quartier hinein bieten. Die Verwandtschaft der Brückenschwestern zeigt sich in der markanten Silhouette ihrer Konstruktion, dabei überzeugte die Jury auch die eigenständige und unverwechselbare Figur der Entwürfe.

Ansicht und Schnit der Kfz-Brücke, die auf hochwassersicherem Niveau über das Hafenbecken führt. © Mayr Ludescher Partner Beratende Ingenieure PartGmbB / karl und p Gesellschaft von Architekten mbH

Die Positionen und Höhenlagen des Brückenpaares war durch den Rahmenplan bereits weitgehend vorgegeben; so sollen sie die Halbinsel über das Hafenbecken hinweg auf kurzem Wege mit dem Planungsbereich um die denkmalgeschützten Mühlen und dem Stadtteil Deutz verbinden. Die Fuß- und Radwegbrücke liegt auf der Höhe der um das Hafenbecken führenden Promenade und verbindet zwei der für das öffentliche Leben im Quartier wichtigen Plätze. Die Kfz-Brücke (auf der es auch einen Radweg und zwei Gehwegstreifen geben wird) liegt auf hochwassersicherem Niveau und wird über eine Rampe angefahren, die über die Promenade hinweg reicht. Von der Promenade führen Treppen auf das Niveau der Fahrbahn, die in die Silhouette des Pylons eingepasst sind. Auf beiden Brücken wird es Bänke zum Aufenthalt und zum Erlebnis der außergewöhnlichen Ausblicke in den nahen und fernen Stadtraum geben. Bei Dunkelheit können die Handläufe beleuchtet werden, um die die Brücken sicherer zu machen und sie mit guter Fernwirkung in Szene zu setzen.

Aufsicht der Fuß- und Radwegbrücke, die auf dem Niveau der Promenade über das Hafenbecken führt.

Auch die beiden weiteren Preisträger überzeugten mit intelligenten und ästhetischen Konstruktionen, die Jury vermisste dabei jedoch die Eigenständigkeit und den Ortsbezug der Entwürfe.

Ein 3. Preis: schlaich bergermann partner sbp (Stuttgart)

Auch die mit einem 3. Preis ausgezeichneten Brücken nehmen mit ihrer Konstruktion nur wenig Raum ein. Breite „Balkone“ aus Holz mit Sitzgelegenheiten sollen Konflikte zwischen Verkehrsteilnehmern und Schaulustigen vermeiden.© schlaich bergermann partner sbp (Stuttgart)
Interessant ist hier auch der hohe Verfertigungsgrad der konstruktiven Elemente © schlaich bergermann partner sbp (Stuttgart)

Ein 3. Preis: Marc Mimram Architecture & Associés (Paris) mit Pirlet & Partner (Köln)

Die Kraftfahrzeugbrücke (vorne) wird als Bogenbrücke hergestellt. Der Bogenschub wird von den Widerlagern aufgenommen. Die Widerlager sind auf 8 Großbohrpfählen mit 150cm Durchmesser gegründet.Das Tragwerk der Rad-/Gehwegbrücke wird als Einfeldträger ausgebildet. Der Überbau besteht aus zwei Längsträgern, die alle drei Meter über Querträger verbunden werden.© Marc Mimram Architecture & Associés (Paris) mit Pirlet & Partner (Köln)
In die bogenförmige Aufständerung der Kraftfahrzeugbrücke ist eine Treppe integriert, die die Uferpromenade mit der Brücke verbindet und.© Marc Mimram Architecture & Associés (Paris) mit Pirlet & Partner (Köln)

Andreas Röhrig (Geschäftsführer der moderne stadt GmbH) zeigte sich erfreut über die außerordentlich hohe technische und architektonische Qualität der eingereichten Entwürfe: „Mit dem heute vergebenen 1. Preis haben wir einen Maßstab definiert, der das industrielle Erbe des Deutzer Hafens angemessen in die Zukunft führt und der für die Güte aller künftigen Entwicklungen steht.“

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