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Belgisch, Römisch, Germanisch, Kölsch

Trübenbach Architekten haben das Belgische Haus als Interim für das Römisch-Germanische Museum generalsaniert

Provisorium, Interim, Zwischenlösung, das können wir gut in Köln. Wartet man wie im Fall des Römisch-Germanischen Museums nicht nur auf die Sanierung des eigenen Hauses am Roncalliplatz, sondern auch auf die Fertigstellung der Historischen Mitte, ist die Dekade sicher das richtige Maß. Und so ist das RGM im Herbst 2019 mit Sammlung, Bibliothek und Verwaltung ins Belgische Haus in der Cäcilienstraße gezogen ist. Ein Glücksfall für Museum und Museumsbesucher, denn das prächtige, aber in die Jahre gekommene Konsulatsgebäude, wurde kurz zuvor von Trübenbach Architekten denkmalgerecht saniert. Sehr schade ist allerdings, dass kaum jemand dieses außergewöhnliche pas des deux seitdem erleben konnte. #ohnekulturwirdsstill und ohne Besucher leider eben auch.

Foyer im Belgischen Haus mit Kassenbereich für das Römisch-Germanische Museum © Foto PALLADIUM PHOTODESIGN, Barbara Burg + Oliver Schuh.

Aber nun geht es endlich wieder los und wir nutzen die Zeit, um uns das Haus einmal genauer anzusehen. Zunächst mit einem Blick in die Geschichte: Das Maison Belge wurde im Februar 1950 als erstes ausländisches Kulturinstitut nach dem Zweiten Weltkrieg in Köln eröffnet. Noch im selben Jahr eröffnete „Die Brücke“, das britische Kulturinstitut, fünf Jahre später dann das Amerikahaus. Alle drei sind wunderbare Zeugnisse der Baukultur ihrer Zeit und stehen in der Nachbarschaft des Neumarktes. Während der Gedanke der reeducation der deutschen Bevölkerung, mit dem Mittel der Kultur Die Brücke und das Amerikahaus verbindet, sollte mit dem Belgischen Haus auch eine wirtschaftliche Bindung zum Nachbarland aufgebaut werden. Interessant ist, dass dennoch alle drei von Kölner Architekten gebaut wurden, Riphahn baute Die Brücke, Rudolf Schickmann das Amerikahaus. Das Belgische Haus entwarf Johannes Schüller im Stil der „Stuttgarter Schule“, die prächtigen Innenräume gestaltete der Architekt und Künstler Hans Hansen, der sich mit dem Bau und der Ausstattung von Kirchen einen Namen gemacht hatte.

Von allem viel, Farbe, Material, Tiefe, Bewegung, Belgisches Haus nach der Sanierung © Foto PALLADIUM PHOTODESIGN, Barbara Burg + Oliver Schuh.

Die Fassade des fünfstöckigen Eckhauses ist mit Tuffstein verkleidet, durch die grau-beigen Nuancen des Natursteins erhält die Hülle eine Tiefe/Lebendigkeit, die Schüller durch die Proportionen und Platzierungen der Fenster weiter ausarbeitete. Kein wildes Spiel, sondern feine Nuancen, die geschossweise variieren und Vielfalt auch in der Nutzung suggerieren. Entlang der Kronengasse schließen sich zwei verputzte und leicht gegeneinander versetzte Häuser an, als wolle der Komplex im Stadtbild kleiner und bescheidener erscheinen.

Über die Jahrzehnte teilte sich das Kulturinstitut mit angeschlossenem Tourismusbüro und der Informations- und Kulturabteilung des belgischen Generalkonsulats die 3.000 Quadratmeter Nutzfläche mit Wirtschafts- und Handelsvertretungen, mit der deutsch-belgisch-luxemburgische Handelskammer und der Verkaufsniederlassung von Citroën. Ein beliebter Standort war das Haus wohl nicht nur wegen seiner repräsentativen Lage, sondern auch wegen der außergewöhnlichen und hochwertigen Ausstattung der Innenräume. Denn neben den Büros in den oberen Etagen gab es hier im Erdgeschoss Ausstellungsflächen mit Schaufenstern zur Straße, einen Vortrags- und Kammermusiksaal sowie eine Bibliothek. Alles so prächtig, so üppig, dass es vollkommen aus der Zeit gefallen scheint – damals wie heute.

Belgisches Haus Köln – Bibliothek im Erdgeschoss – Zustand vor der Sanierung © Foto: Raimond Spekking / CC BY-SA 4.0 (via Wikimedia Commons)

Zum Jahresende 2015/16 schloss die Belgische Regierung viele Konsulate, darunter auch das Belgische Haus in Köln, das sich neben seiner diplomatischen Funktion längst zu einem Kulturort entwickelt hatte, seit September 1990 steht es unter Denkmalschutz. Um diesen außergewöhnlichen, aber gefährdeten Kulturort zu bewahren, gründeten sich die Freunde des Belgischen Hauses e. V. .

Treppenhaus im Belgischen Haus nach der Sanierung © Foto PALLADIUM PHOTODESIGN, Barbara Burg + Oliver Schuh.

Die ISKAM Grundstücksverwaltung (Ute Reissdorf und Heribert Landskron-Reissdorf) kaufen das Haus, das zuvor auch der Stadt Köln angeboten worden war, nach längerem Leerstand und beauftragte Trübenbach Architekten mit der denkmalgerechten Generalsanierung. Obwohl auch eine Nutzung als Büro oder Hotel im Gespräch war, entschieden sich die neuen Eigentümer für eine weitere kulturelle Nutzung. Da die Stadt Köln als Mieterin großes Interesse hatte, kam zügig die Genehmigung zur Umnutzung, und auch die Umsetzung erfolgte ungewöhnlich schnell, erinnert sich Bernhard Trübenbach, die Bauzeit inklusive der notwendigen Entkernungsarbeiten, der Einbringung der Technik (Klimatisierung, Brandmelde-, Alarm- sowie Elektroanlagen) betrug nur 16 Monate . So konnte im Sommer 2019 das Römisch-Germanische Museum seine Interimsstätte beziehen.

Foyer mit einer Wand- und Bodengestaltung aus schwarzem Marmor und Solnhofer Platten © Foto PALLADIUM PHOTODESIGN, Barbara Burg + Oliver Schuh.

Im Foyer des Erdgeschosses, dessen markante Verkleidungen aus schwarzem Marmor und Solnhofer Platten aufgearbeitet wurden, befinden sich nun der Museumsshop und die Garderobe. Dahinter liegen die unter Denkmalschutz stehende Bibliothek sowie ein Teil der neuen Ausstellungsflächen, in einem Bereich, der zuvor in kleine Büros unterteilt war.

Der Festsaal im 1. Obergeschoss nach der Sanierung © PALLADIUM PHOTODESIGN, Barbara Burg + Oliver Schuh.

Im 1. Obergeschoss liegen der historische Festsaal und weitere Ausstellungsflächen. Der nun wieder ausgesprochen festliche Festsaal soll in Kooperation mit dem Verein der Freunde des Belgischen Hauses auch weiterhin für Konzerte oder Vorträge genutzt werden. Die Verwaltung, der museumspädagogische Trakt und Archivflächen befinden sich im 3. und 4. OG, wo nach einer vollständigen Entkernung, eine neue Raumaufteilung hergestellt wurde.

In die sanierte Bibliothek ist nun ein Teil der Fachbibliothek des Römisch-Germanischen Museums eingezogen. © Foto PALLADIUM PHOTODESIGN, Barbara Burg + Oliver Schuh.

Nun warten im Belgischen Haus rund 1.000 Quadratmeter Ausstellungsfläche. Konzeptionell ist die Ausstellung des RGM natürlich nicht ganz wie im Stammhaus aufgebaut, doch das Museum setzt weiter auf das Borgersche Konzept, sich als Lernort ohne erhobenen Zeigefinger zu verstehen. Auch in der Interimsstätte sind nun die Schaufenster mit Antiken ausgestattet, das Zusammenspiel der Vitrinen und Sockelinseln ermöglich einen freien Rundgang durch die Ausstellungsflächen und im Vergleich kommen die Besucher noch näher an die Ausstellungstücke ran. Doch gezeigt wird nur eine Auswahl der Sammlung, im Foyer und im Treppenhaus wurde dezent etwas Archäologie eingebaut, um, so der Leiter Dr. Marcus Trier, die Architektur nicht zu überladen.

Foyer des Belgischen Hauses als Interimsstätte des RGM dezent bespielt © Foto Rheinisches Bildarchiv Köln, Anja Wegner

Während der Generalssanierung des eigenen Hauses habe das RGM, so dessen Trier weiter, hier einen idealen Interimsstandort gefunden. Allerdings könne er noch nicht sagen, wie das Museum dort in der Praxis funktioniere, denn bevor die Besucherzahlen im Frühjahr 2020 so richtig anziehen konnten, mussten sämtliche Museen wegen des ersten Lockdowns schließen. Aber nun werden die Maßnahmen zum Schutz vor Corona ja wieder gelockert und die Besucher können sich nach vorheriger Anmeldung hier selbst ein Bild dieses ungewöhnlichen Pas de deux machen.

Uta Winterhager

Lesen Sie zum Thema auch: In seinem Grundgedanken unantastbar: Warum das RGM auf der Domplatte genau richtig steht:

1 Kommentar

Ich finde den Umbau des Belgischen Hauses sehr gelungen, allerdings frage ich mich, wie man für ein öffentliches Kulturgebäude
ohne an Barrierefreiheit auch nur zu denken eine Baugenehmigung erhalten konnte.
Ulrike Haase-Mülleneisen Sachverständige für Barrierefreiheit in Gebäuden, Außenraum und Städtebau