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Insel im Strom

Zum aktuellen Stand der Verkehrs- und Verfahrensfragen rund um den Ebertplatz

Man stelle sich einen stetigen, breiten, ungebremsten Fluss vor, in seinem Lauf größere und kleinere Inseln – so in etwa muss die Kölner Innenstadt in den Köpfen der Stadtplaner der 1970er Jahre ausgesehen haben, nur dass der Strom nicht aus Wasser-, sondern aus Verkehrsmassen besteht. Eine dieser Verkehrsinseln liegt zwischen dem Eigelstein und dem Agnesviertel. Seit mehr als zwei Jahrzehnten wird darum gerungen, den Ebertplatz baulich umzugestalten. Am 11. März soll der Stadtentwicklungsausschuss nun den Bedarf für die Planungskosten feststellen. Dass es endlich voran geht, hofft auch der Bürgerverein Eigelstein e.V., und er hat in einer Visualisierung festgehalten, wie das aussehen könnte.

Vorbild Kaiser-Wilhelm-Ring

Dieser Entwurf schlägt vor, die südliche Fahrspur Richtung Nord-Süd-Fahrt und Rhein dem Radverkehr vorzubehalten und ansonsten der Platzfläche zuzuschlagen, die damit direkt an den Eigelstein heranrücken würde. Wichtig ist den Initiatoren eine ebenerdige Querung vom Eigelstein zur Neusser Straße, so dass vom Hauptbahnhof aus eine durchgehende Achse ins Agnesviertel entsteht. Eine begrünte Fußgängerbrücke könnte die Verbindung zur Anlage am Theodor-Heuss-Ring herstellen, so die Vorschläge von Ruth und Burkhard Wennemar für den Bürgerverein.  

Gerecht verteilt? Im aktuellen Zustand nimmt sich der rollende und ruhende KfZ Verkehr viel Raum. © Bürgerverein Kölner Eigelstein e. V.

Entscheidend für den Erhalt oder den Abriss des Platzes ist für sie der ökonomische Aspekt, mit dem zu haushalten, was schon da ist. „Zuerst brauchen wir natürlich ein Gutachten über den Zustand der Betonkonstruktionen“, sagt Ruth Wennemar. „Und wenn man sie erhalten kann, müssen wir denn die Welt hier neu erfinden? Warum muss der gesamte Platz abgerissen werden, wenn man mit einem klugen und mutigen Verkehrskonzept und der Umgestaltung der problematischen Passagen eine gute und nachhaltigere Lösung erzielen könnte?“ Aus der Unterführung könnte eine Art Halle entstehen; die Zugänge würden geschlossen und von den ansässigen Galerien genutzt.

Verfahrensfragen

Der Stadtentwicklungsausschuss hat über den Bedarf an Planungs- und Leistungskosten in Höhe von 1.26 Mio Euro zu entscheiden. Darin enthalten sind auch ein Verkehrsgutachten und die technische Untersuchung des Bauwerks von 1976. Die Mittel für eine enge Einbindung der Stadtgesellschaft und die Begleitung durch ein Kommunikationsbüro, so heißt es in der Beschlussvorlage, wurden bereits 2018 berücksichtigt.

Eigelstein und Agnesviertel sollen städtebaulich wieder verbunden werden. Hier der Blick vom Ebertplatz Richtung Eigelsteintor. © HOWI – Horsch, Willy über wikimedia commons

Vergeben werden soll die Planung für zwei Varianten, einmal „für eine ebenerdige Umgestaltung durch Abriss und Verfüllung des bestehenden Platzes“ und zum Zweiten für „eine Umgestaltung unter Berücksichtigung des Bestands und teilweise eine Sanierung, bzw. Ertüchtigung der bestehenden Bauteile, wie insbesondere der Passage.“ Ein interdisziplinäres Planerteam soll für die beiden Varianten je einen Vorentwurf erarbeiten. Die Leistungsphasen 1-2 sind also zweifach zu vergeben im Rahmen eines EU-weiten Verhandlungsverfahrens nach VgV.

Als sich die politischen Gremien 2017 für diese Verfahrensweise entschieden, ging man allerdings von Variante 1 aus. Erst mit der Zwischennutzung auf dem „Planet Ebertplatz“ wurde einer breiteren Öffentlichkeit bewusst, dass die Platzanlage exemplarisch für das städtebauliche Denken einer Epoche steht und ihr Erhalt daher genau geprüft werden sollte. So wurde 2019 beschlossen, auch die zweite Variante zu bearbeiten.

„Es sollte ein Verfahren gewählt werden, das eine größtmögliche gestalterische und sozialräumliche Qualität verspricht und das allen das Gefühl gibt, an einer sinnvollen Lösung gearbeitet zu haben,“ sagt Reinhard Angelis für den BDA Köln. Um Lösungsalternativen zu finden, hält er ein zweistufiges Verfahren mit einem Ideenwettbewerb und anschließender Vertiefung und verschiedenen Teilnehmerfeldern für die Varianten „Alt“ und „Neu“ für zielführender.

Vorschlag des BDA Köln für den Ablauf des Verfahrens © BDA Köln

In der Tat ist es ein unübliches Vorgehen, von ein- und demselben Büro für zwei gegensätzliche Szenarien gleichwertige Lösungsansätze zu erwarten. Zu hoffen ist also, dass die Gremien in der Verfahrensfrage noch umdenken. Und dass es endlich voran geht am Ebertplatz.

Ira Scheibe

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2 Kommentare

Der Bürgerverein stellt die richtigen Fragen: Warum nicht aus dem Bestand heraus einen attraktiven, zeitgemäßen Stadtraum entwickeln? Man kann doch einfach konkret an dem arbeiten, was verbesserungswürdig ist, wieso muss dafür alles völlig überplant werden? Noch mehr Geld, Zeit und Mühen könnte man sparen, wenn man auch die „zackigen“ Stützmauern einfach belässt (sie passen auch so gut zum polygonalen Hochhaus gegenüber), statt sie durch harmonisierende Abrundungen zu ersetzen. Und dann sind die Bürger*innen gefragt, sich den Platz weiter zueigen zu machen. Wer denkt, dass nur die neue Lösung „aus einem Guss“ etwas sein kann, der ist doch dem städtebaulichen Denken der 70er viel stärker verhaftet, als diejenigen, die den vorhandenen Platz zukunftsfähig machen wollen.

Bei einer Umgestaltung des Bestands, insbesondere der Passage, könnte eine zentrale, ruhig gelegene Kindertagesstätte mit Außenbereich und direktem Anschluss an die Brunnenanlage und den Park /Theodor-Heuss-Ring entstehen.