JUNG liebt Architektur: DAM Preis 2021

Der DAM Preis 2021 wird an MVRDV und N-V-O NUYKEN VON OEFELE ARCHITEKTEN für WERK12 in München vergeben.

JUNG als langjähriger Kooperationspartner des Deutschen Architekturmuseums (DAM) hat mit den Preisträgern und den weiteren Finalisten über ihre Projekte und gute Architektur gesprochen.

Der Gewinner des diesjährigen DAM Preises für herausragendes Bauen in Deutschland, der jährlich vergebenen Auszeichnung des Deutschen Architekturmuseums (DAM), ist die niederländisch-deutsche Kooperation MVRDV und N-V-O NUYKEN VON OEFELE ARCHITEKTEN. Ihr WERK12 in München wurde von der Jury als gelungenes Experiment für ein flexibles Gebäude mit räumlicher Vielfalt, als mutig-visionärer Aufbruch mit frechem Habitus gelobt. Ein Gebäude, das man nicht übersieht.

Die Jury – bestehend aus Nicole Kerstin Berganski (NKBAK), Anne Femmer (SUMMACUMFEMMER), Nicole Heptner/Dijane Slavic (JUNG), Andrea Jürges (Stellvertretende Direktorin des DAM), Peter Kulka (Peter Kulka Architektur), Hans-Dieter Nägelke (Architekturmuseum der TU Berlin), Amber Sayah (Freie Journalistin), Peter Cachola Schmal (Direktor DAM) und Alexander Schwarz (David Chipperfield Architects) – machte sich die Entscheidung dabei nicht leicht: Aus 100 Nominierungen wurden im Rahmen einer Online-Jurysitzung 21 Projekte ausgewählt. Eine Auswahl von vier Bauten deutscher Architekten im Ausland kam außer Konkurrenz hinzu. Innerhalb dieser Shortlist ernannte die Jury vier Finalisten. Diese Projekte wurden im Anschluss vor Ort besichtigt, bevor die Jury zu einem Ergebnis kam. Das WERK12 in München von MVRDV und N-V-O NUYKEN VON OEFELE ARCHITEKTEN hat sich dabei gegen die Projekte Wohnregal, Berlin, von FAR FROHN&ROJAS, die Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch, Berlin, von O&O BAUKUNST und ein Gebäudeintegriertes Dachgewächshaus und Verwaltungsgebäude, Oberhausen, von KUEHN MALVEZZI mit ATELIER LE BALTO durchgesetzt.

JUNG hat alle vier Finalisten interviewt, um herauszufinden, was sie an ihren Objekten bewegt:

ARGE MVRDV & N-V-O NUYKEN VON OEFELE ARCHITEKTEN Werk 12, München Foto: Ossip van Duivenbode, @Ossip

PREISTRÄGER:
MVRDV und N-V-O NUYKEN VON OEFELE ARCHITEKTEN

WERK12, München

Das WERK12 steht auf dem ehemaligen Pfanni-Gelände nahe des Münchner Ostbahnhofs, einem experimentierfreudigen, neuen Stadtviertel. Umlaufende breite Balkonstege und Kaskadentreppen charakterisieren das Gebäude nach außen; seinen frisch-frechen Auftritt erhält es durch riesige Buchstaben mit von Comics entlehnten Lautmalereien an der Fassade. Die Bilder des niederländischen Expo 2000-Pavillons tauchen nicht von ungefähr vor dem geistigen Auge auf: Er animierte den Bauherrn zu dem Auftrag. Innen weist der fünfgeschossige Bau eine hohe Flexibilität für verschiedenste Nutzeransprüche auf. Durch eingezogene Galerien in den hohen Räumen entstehen zusätzliche Ebenen. Offene Installationen und Sichtbeton prägen das Innere. Ein Fitness-Studio belegt drei Etagen, eine davon mit Pool. Dazu kommen verschiedene Gastronomienutzungen und Büroflächen.

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JUNG: Das Werksviertel ist das derzeit aufregendste Stadtentwicklungsprojekt im sonst eher konservativen München. Wie reagiert man auf die Erwartungshaltung nach AAHHHs und OHs und WOW?

Jacob van Rijs: Die Geschichte des Werksviertels ist wichtig für die Entstehung des Projekts. Denn es gab bereits eine Zwischennutzungshistorie mit der Kultfabrik. Diese Spuren von Partys und Graffiti waren eine wichtige Inspiration in Kombination mit der flexiblen Industriearchitektur. Attraktiv ist auch der Kontrast. Da gibt es auf der einen Seite das konservative, gemütliche München, und auf der anderen Seite der Bahnhofsunterführung beginnt eine andere Welt.

Christoph von Oefele: Als Münchner kann ich diesen Eindruck bestätigen. Das Werksviertel – zuerst die Pfanni-Werke, dann der Kunstpark Ost und die Kultfabrik – war immer eine Gegenwelt zum Rest der Stadt. Insofern sind WOW, AAHHHs und OHs nicht neu. Aber es entwickelt sich ein spannender neuer Zustand, denn mit jedem Gebäude, das fertig wird, entsteht ein Stück eigenes Zentrum, das spätestens mit dem Konzertsaal eine eigene Zentrumsqualität bekommt. Insofern sind die Beschreibungen eine Emotion, die an der Fassade steht, aber eigentlich nur sichtbarer Ausdruck dessen, was im Viertel passiert.

JUNG: Eigentlich wollte der Bauherr den ehemaligen Expo-Pavillon in Hannover abbauen und im Werksviertel neu aufstellen.


Jacob van Rijs: Verschiedene Umstände haben dazu geführt, dass man den Expo-Pavillon von Hannover nicht einfach nach München holen konnte. Also hat der Bauherr stattdessen die Architekten für das neue Projekt nach München geholt.

Christoph von Oefele: Steidle Architekten haben den Masterplan und die Vision entwickelt und eine inspirierende und vielfältige Zusammenarbeit unter Kollegen initiiert und den Prozess moderiert. Die Projekte stehen alle im Dialog miteinander und müssen in ihrer ganzen Unterschiedlichkeit in den Nutzungen eine Spannung mitbringen, damit es nicht langweilig wird. Das ist ein schmaler Grat. Der industrielle Charakter, den man noch spürt, zieht sich überall wie ein roter Faden durch. Ein interessanter Punkt ist auch, dass die Außenanlagen aus der gleichen Feder stammen; auch das verbindet oder trennt die Bausteine.



JUNG: Wo ist Ihr persönlicher Lieblingsort im Projekt?

Jacob van Rijs: Die Balkone! Man kann um das Gebäude laufen, mit dem Blick über die Stadt. Die Buchstaben sind symmetrisch und funktionieren von zwei Seiten – ein schöner Effekt.

Christoph von Oefele: Bei mir sind es zwei Orte: Das Schwimmbad im dritten Stock, aus dem man über die gesamte Stadt oder in die Berge blicken kann. Und der zweite Ort ist eher ein völlig verrückter Blick: In die Schnittstelle zwischen dem überdimensional hohen Raum und einer Galerie haben die Haustechniker in einer engen Situation eine Choreographie aus Lüftungskanälen reingesetzt, die wie eine Skulptur wirken

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FINALIST: FAR FROHN&ROJAS

Wohnregal, Berlin 

Das Wohnregal liegt an der Kreuzung zweier typischer Wohnstraßen in Berlin-Moabit. Das Gebäude ordnet sich in die gewachsene Struktur aus Zeilen- und Blockrandbebauung ein. Auffällig ist die Schmalseite des Hauses; sie besteht aus einem offenen Treppenhaus, das von Loggien gerahmt ist. Es entsteht eine kleine Stadtbühne; lediglich ein feines Stahlnetz schützt die Hinauf- und Hinabsteigenden. Der Bau befreit sich durch die Verwendung eines Sichtbeton-Fertigteilsystems aus dem Industriebau von den im Wohnungsbau üblichen konstruktiven und optischen Konventionen.

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JUNG: Wo ist Ihr persönlicher Lieblingsort im Projekt?

Marc Frohn: Die Lichtkuppel auf der Dachebene ist mein Lieblingsort. Es handelt sich um ein Trapezblech-Gewölbe. Tageslicht dringt an den beiden Kopfenden durch das Polycarbonat ein. Es ist ein guter Ort zum Lesen.

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FINALIST: KUEHN MALVEZZI mit atelier le balto

Gebäudeintegriertes Dachgewächshaus und Verwaltungsgebäude, Oberhausen

Das Verwaltungsgebäude des Jobcenters Oberhausen besteht aus einem kraftvollen, aber schlichten Klinkerbau, der an Industriearchitektur erinnert. Eine Besonderheit ist ein 1.000 m2 umfassendes Gewächshaus, das den Massivbau krönt. Das Gewächshaus ist hell und offen in der Struktur und bildet eine fließende Raumfolge. Ziel ist die praktische Erprobung der technischen Integration der Gewächshausanlage in die übrige Haustechnik des Gebäudes. Im Bereich der Durchgangsachse zum Altmarkt bildet eine Stahlkonstruktion eine separate Erschließung zu der Gewächshausebene. Erweiterte Plattformen mit Sitzgelegenheiten lassen die Erschließung zu einem vertikalen Gartenparcour wachsen. Gleichzeitig dient die Struktur als großformatiges Gerüst für Pflanzen.

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JUNG: Wo ist Ihr persönlicher Lieblingsort im Projekt?

Marc Pouzol: In diesem Projekt gibt es keinen speziellen Lieblingsort. Durch die verschiedenen Blicke von der Promenade auf den Innenhof oder auf die Fassaden und die Lichtspiele der großen Regale ist für mich die Bewegung mein Lieblingsmoment und nicht ein Ort.

Wilfried Kuehn: Da möchte ich mich anschließen. Für uns war Architektur immer der Moment, in dem man von einem zum anderen Raum geht, gleitet, sich bewegt, den Blick schweifen lässt. Wo man zwischen den Dingen navigiert und Architektur nicht so sehr das Objekt ist, sondern eine räumliche Erfahrung, der Zwischenraum, die Bewegung, die tatsächlich choreographisch zu verstehen ist. Ich gehe noch einen Schritt weiter. Für mich ist es der Ausweis einer guten Architektur, dass man sie nicht in einem Bild fixieren kann.

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FINALIST: O&O BAUKUNST

Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch, Berlin

Der Neubau der Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch, Berlin, ist ein gelungenes Beispiel für das Weiterbauen. Aus den ehemaligen Opernwerkstätten wird der Zentralbau für die Hochschule. Das Ensemble setzt sich aus drei Bauteilen zusammen. Werkstätten und Probebühnen sind die Kernstücke. Die östliche Ecke des Bestands ist aufgeschnitten; hier ragt nun ein Bühnenturm heraus. Als zweites neues Element dockt die Cafeteria als flache gläserne Box mit Lochblechfassade an die Südecke an. Der Haupteingang befindet sich zwischen Bühnenturm und Cafeteria. Das hohe Eingangsfoyer dient als Verteiler und bei öffentlichen Aufführungen als Pausensaal. Mittig verläuft ein Flur bis ans Ende des langgestreckten Altbaus. Hier liegen im Erdgeschoss links und rechts aufgereiht verschiedene Werkstätten. In den Obergeschossen befinden sich Klassen-, kleinere Probenräume und die Bibliothek. Eine gestalterische Besonderheit ist die Inszenierung von Gegensätzen – roh und ausgebaut, alt und neu.

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JUNG: Wo ist Ihr persönlicher Lieblingsort im Projekt?

Roland Duda: Es gibt wunderbare Orte wie die Bibliothek. In der Bibliothek war früher ein geräumiger Saal, in dem große Montage-Bühnenbilder zusammengesetzt wurden. Wir haben diesen zweigeschossigen Raum genutzt, um so eine Art kleinen Lesesaal hineinzubringen. Sehr gerne mag ich auch die Blackbox, den großen Theatersaal. Aber eigentlich sind die besten Orte die Räume dazwischen. Die Flure, der Umgang um die Bühnen – man sieht alles! Die Requisiten, die herumliegen, die Einblicke in den Fundus und die Werkstätten, man hört leise die Proben auf den Bühnen. Man bekommt einen Einblick – und das ist das Besondere an dem Haus, dass es in gewisser Weise auch zeigen kann, wie Theater funktioniert.

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JUNG und der DAM Preis

Seit 2007 werden mit dem Preis des Deutschen Architekturmuseums (DAM) jährlich herausragende Bauten in Deutschland ausgezeichnet. Seit 2017 engagiert sich JUNG als enger Kooperationspartner. Auch bei dem Auszeichnungsverfahren im Rahmen des DAM Preises 2021 war das JUNG Team Architektur tatkräftig involviert – als Jurymitglied, Interviewpartner und stetiger Förderer des DAM.

Das Bauen entwickelt sich ständig entsprechend des Zeitgeists und des technologischen Fortschritts weiter. JUNG sieht es als Bestandteil der Unternehmensverantwortung, diese Entwicklung nicht nur mitzugehen, sondern positiv – im Rahmen der Möglichkeiten als Hersteller – zu prägen. Seit drei Generationen lebt das familiengeführte Unternehmen JUNG das Motto „Fortschritt als Tradition“ – und beide Aspekte, das Bewahren von Traditionen und Werten sowie die Investition in Forschung und neueste Technologien, sind tief verwurzelter Bestandteil der Unternehmens-DNA.

Den DAM Preis mit seinen innovativen Projekten zu begleitet, ist jedes Jahr ein besonderer Beitrag zur Baukultur. Im Jahr 2021 ist dieser geprägt von zukunftsorientierten Hybridbauten – hybrid bezüglich ihrer Typologie, ihrer Nutzung oder ihres Erscheinungsbildes. Sie vereinen Tradition und Experiment, unterschiedliche Bauweisen und Typologien, alt und neu, massiv und transparent. Sie schaffen einen Spagat zwischen Ästhetik und Technik und vermitteln eine neue Architektursprache, auch dank progressiver und wagemutiger Bauherren.

„Das WERK12 zeichnet sich durch den aktiven Dialog mit seiner bunten Umgebung, eine ungewohnte Gestaltungsfreiheit im Inneren und die Vielfalt an Nutzern aus. Ein ganz besonderes Projekt, das zeigt, wie dringend es neben guten Planern auch mutige Bauherren für eine überzeugende Architektur braucht.” Dijane Slavic, Leitung Architekturkommunikation JUNG

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