Über den Beruf, der die Leidenschaft mit sich bringt

JUNG im Gespräch mit Wolfgang Zeh über das Leben und Arbeiten als Architekt

Wolfgang Zeh hat nach einer Tischlerlehre in Bonn an der Bauhaus-Universität in Weimar Architektur studiert und dort 2008 sein Diplom gemacht. Nach freier Mitarbeit bei Nägliarchitekten (Berlin) und BeL (Köln) gründete er 2011 sein Büro in Köln. Parallel zum Bauen lehrte er der RWTH Aachen und der Bauhaus-Universität Weimar. Seine Projekte, insbesondere die „Baulücke“, wurden mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, zuletzt mit dem HÄUSER-Award 2020.

Gute Architektur sollte….

… gar nicht versuchen, gute Architektur zu sein. In dem Moment wo ich versuche gute Architektur zu machen, mache ich etwas falsch, denn dann verliere ich die wesentlichen Punkte aus dem Blickfeld. Es ist einfach ein individuelles Empfinden, was man für gute Architektur hält und was für schlechte.

Wolfgang Zeh, der beim HÄUSER Award 2020 für die „Baulücke“ in Köln mit dem 2. Preis ausgezeichnet wurde. © Wolfgang Zeh

Architekten sollten…

… sich nicht zu ernst nehmen. Man muss sich stetig hinterfragen. Ich persönlich habe immer das Gefühl, dass ich nie fertig bin. Je entspannter man da ist – als Architekt – umso besser. Aber eigentlich muss man sich immer wieder – nicht neu erfinden – aber fragen, warum man etwas tut.

Ein Grundstück mit Garage war im Angebot. 10,00 x 3,50 Meter in Mitten einer denkmalgeschützten Häuserzeile aus der Gründerzeit in Ehrenfeld. Die lichte Breite zwischen den Brandwänden des Bestands beträgt drei Meter und lediglich eine Tiefe von 7,00 Metern ist bebaubar. Auf der anderen Straßenseite im Süden verläuft in sechs Metern Höhe die Bahntrasse Köln-Aachen. In den Bögen darunter Afroshop, Schlosser und Schrotthandel © Wolfgang Zeh

Gibt es Gebäude, die bei Ihnen eine besondere Leidenschaft auslösen?

Es gibt Gebäude, bei denen ich merke, dass irgendetwas Besonderes gut gelungen ist. Das ist beispielsweise das Haus Wefers in Köln von Karl Band. Das Gebäude hat drei komplett unterschiedliche Seiten, um auf verschiedene städtischen Situationen zu reagieren. Es ist sehr komplex, trotz seiner kleinen Größe. In Düsseldorf fasziniert mich das Schmela Haus, die Galerie von Aldo van Eyck. Es war vielleicht sogar Vorbild für mein Projekt Baulücke. Es wurde sich dort mit ähnlichen Dingen beschäftigt: mit der Raumhöhe, Verschränken von inneren Zonen, Belichtung von oben und von hinten. So hat man in jeder Stadt seine Lieblinge. Es ist aber nicht das Gebäude, das die Leidenschaft auslöst sondern der Beruf, der die Leidenschaft mitbringt.

Innerstädtisches Wohnen mit minimalstem Verbrauch von Grund und Boden heisst, Kompromisse eingehen zu müssen. Die verkehrsgünstige Lage heißt hier, die Bahntrasse vor dem Haus zu haben- dafür aber auch eine sehr gute Anbindung an das Nahverkehrsnetz. Die Schallschutzverglasung nach Süden ermöglicht, auf allen Etagen ein flexibles Wohnen oder Arbeiten. © Zeichnung Wolfgang Zeh

Wovon lassen Sie sich inspirieren?

Die Frage ist eher, wovon lässt man sich nicht inspirieren. Als Architekt ist man sehr stark visuell beeinflusst. Das heißt, alles was ich sehe, kann Inspiration sein.

Was war Ihr bislang größter Erfolg?

Der größte Erfolg war, als eine gute Freundin, die bereits öfter unser Projekt Baulücke besucht hatte, gesagt hat: „Man fühlt sich so beschenkt wenn man hier ist.“ Besser geht es nicht, als bei anderen mit seinem Gebäude eine Leidenschaft auszulösen, und das auch noch bei dem eigenen Haus.

Es ist ein Haus über sechs Etagen, Keller und Dachterrasse. Das Erdgeschoss ist als Lobby und Arbeitsraum Schnittstelle zur Straße. Die Wohnräume befinden sich in den oberen Stockwerken mit Blick über die Gleise auf die Stadt. Dazwischen- auf Höhe der Schallschutzwand gegenüber- liegen die Schlafräume und das Bad. Eine 3-Zimmerwohnung über 6 Etagen. © Zeichnung Wolfgang Zeh

Was bedeutet für Sie Zuhause?

Zuhause ist da wo meine Familie ist. Zuhause ist nicht statisch. Es ändert sich. Das merkt man im Urlaub, wenn man seiner Tochter sagt, man geht nach Hause. Man geht natürlich zurück zum Wohnmobil oder zum Zelt, in die Ferienwohnung, ins Hotel und das ist schön. Auch die Baulücke ist unser vorübergehendes Zuhause, nicht für immer aber für den Moment und von dem bestimmt, was Drumherum ist.


Welches Ihrer Projekte liegt Ihnen besonders am Herzen?

Ich plane viel für private Bauherren. Private Bauherren sind in die Projekt stärker involviert als öffentliche Bauherren. Es ist persönlicher und man telefoniert oder mailt auch mal am Sonntag, denn die Projekte liegen einem dann am Herzen.

Das Thema KLEINE HÄUSER was das Motto des HÄUSER AWARDS 2020. Was ist das besondere an Ihrem kleinen Haus?

Die Involviertheit, da ich gleichzeitig Architekt, Bauherr, Handwerker war. Es ist persönlich. Jedes Gebäude ist natürlich irgendwie persönlich, aber für sich selber zu planen und zu bauen ist eine besondere Herausforderung. Das Haus würde nicht so aussehen, wenn ich es für jemand anderes geplant hätte.

Was raten Sie jungen Architekten?

Sich Zeit zu nehmen, zu studieren, sich Sachen anzuschauen. Man muss nicht mit 25 schon alles gemacht haben. Bauen ist ein stetiger Prozess und da sollte man entspannt herangehen, sodass man Zeit hat irgendwie die Dinge zu verarbeiten. Man entwickelt sich immer weiter und es gibt immer einen anderen Blickpunkt, es gibt andere Referenzen, andere Impulse. Davon sollte man sich leiten lassen und eine eigenen Haltung entwickeln.

Wenn Sie nicht Architekt geworden wären, was wären Sie heute?

Ich habe eine Ausbildung zum Tischler absolviert. Eigentlich wollte ich dann Produktdesign studieren. Da hätte man aber noch eine Mappe machen müssen, für die ich keine Zeit hatte. So habe ich mich für Architektur in Weimar eingeschrieben und bin dann dabei geblieben.

Das Interview wurde uns freundlicherweise von JUNG zur Verfügung gestellt.

red | uw

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