Die neue Feuerwehrzentrale Köln-Kalk © Roland Halbe, Stuttgart

Die neue Feuerwehrzentrale in Köln-Kalk

Ein silber schimmernder Turm aus verzinktem Blech mit feingliedrigen Lisenen ragt über dem Wirrwarr des Gewerbes in Köln-Kalk an der Gummersbacher Straße. Die Kubatur präsentiert sich selbstbewusst und fast könnte man meinen, dass die Schäl Sick sich eine weitere Perle der Kulturbauten geleistet hat, wäre da nicht die Aufschrift auf dem Turm: 112.

Knoche Architekten aus Leipzig beweisen, dass auch Architektur mit maximal pragmatischem Anspruch und Robustheit sinnlich und ansprechend gestaltet werden kann. Im November wird die neue Feuerwehrzentrale für die Berufsfeuerwehr der Stadt Köln fertiggestellt, um die dezentrale Struktur der Standorte Kölns bislang zu kanalisieren.

Schimmernde Architektur auf der Schäl Sick

Gesamtansicht Feuerwehrzentrale ©Roland Halbe, Stuttgart

Die Berufsfeuerwehr der Stadt Köln entschloss sich vor einigen Jahren für den bau einer neuen Zentralstelle, die zahlreiche heterogene Funktionen in einem Bau vereinigen soll: Kraftfahrzeugwerkstatt für Feuerwehrfahrzeuge, Werkstatt- und Berufskleidungsausgabe mit integrierter Anfertigung in einer Kleiderkammer, Instandsetzung und Reparatur von Kleidung, Werkzeug und Einsatzgeräten, ein Übungs- und Schlauchturm, Übungshof, aber auch eine autarke Einheit der Freiwilligenfeuerwehr, Mensa, Sportübungsräume und Verwaltung. Die Wahl des Grundstücks wirkt schlüssig, da die Nähe zur Bahntrasse und zur vielbefahrenen Gummersbacher Straße eine hohe Lärmbelästigung darstellt. Wohnungsbau wäre hier nicht angebracht und so stellte sich die Aufgabe ein stimmiges Ensemble auf einem polygonalen Grundstück zu gestalten.

 

 

Grundriss EG © Knoche Architekten

 

 

 

 

Funktionaler Städtebau

Wie hat es das Team um Christian Knoche Architekten aus Leipzig geschafft diese unterschiedlichen Funktionen in einem Baukörper mit einer homogenen Fassade zu integrieren? Einen baulichen Schwerpunkt bildet der Hauptbaukörper mit dem sogenannten ersten Abmarsch zur Straße hin. Hier befinden sich die Infrastruktur für einen Einsatz binnen weniger Minuten. Reichen die Rettungskräfte nach erster Einschätzung der Gefahrenlage nicht aus, rücken weitere Einheiten aus dem sich rückseitig anschließenden und deutlich niedriger ausgebildeten Gebäudeteil – dem 2. Abmarsch – an. Der L-förmige Baukörper im Norden mit integrierter Fahrzeughalle findet im Schlauchturm seinen Abschluss und Höhepunkt. Die beiden End- und Hochpunkte des Mäanders markieren die Einfahrt zur Hoffläche, die durch die weiteren Fahrzeughallen und das Werkstattzentrum gebildet wird.

Sporthalle @ Roland Halbe, Stuttgart

 

 

 

 

Auch wenn der Turm dank des eingebauten Treppenhauses für Rettungsübungen aber auch für Trocknen der Feuerwehrschläuche dient, so kann er sich seiner signalhaften städtebaulichen Wirkung nicht erwehren. Die wesentlichen Funktionen der täglichen Abläufe sind in direkten Nachbarschaften angeordnet. So liegen die Nebenräume der Fahrzeughalle, die Verwaltungsräume der Berufsfeuerwehr und die Sanitär- und Ruheräume in den unteren Ebenen, während darüber die Aufenthalts- und Schulungsbereiche sowie die Sporthalle angeordnet sind. Die vertikale Erschließung erfolgt über Aufzüge, Treppenräume und Rutschstangen, die die schnelle Erreichbarkeit der Einsatzfahrzeuge sicherstellen. „Die freiwillige Feuerwehr ist in den Gesamtkomplex integriert und baukörperlich nicht ablesbar, dennoch ist sie organisatorisch autark. Der Städtebau ist stark durch Funktionalität und Arbeitsabläufe bestimmt. Die Bausteine im Ensemble haben sich dabei sehr gut und auf selbstverständliche Weise gefügt.“ erläutert Christian Knoche den Entwurf.

 

robust und pragmatisch

Eine spezielle Nutzung verlangt nach einer speziellen Gestaltung. Da die Umgebung in Köln-Kalk architektonisch wenig Halt für Anlehnung an eine Gestaltung hergab, wollte Christian Knoche umso mehr Gestaltung in die Fassade integrieren, ohne den Wunsch nach einer soliden, bodenständigen Materialität seitens des Bauherrn zu verletzen. Wenige Materialien in der Summe prägen den technischen Bau und am markantesten ist die lebhafte Zinkfassade, die sehr lebhaft im Ausdruck ist und daher auch gut geeignet um größere Flächen mit Funktionen ohne Tageslichtbedarf zu verkleiden. „Wir wollten vermeiden, dass das Feuerwehrzentrum wie in beliebiges Verwaltungsgebäude in der Gewerbeansiedlung wirkt. Da Feuerwehrleute pragmatisch veranlagte Zupacker im positiven Sinne sind, haben wir uns bei der Fassade für feuerverzinktes Stahlblech entschieden. Es ist kostengünstig, robust, industriell und ehrlich.“ erläutert Christian Knoche den Spagat zwischen Gestaltung und Wirtschaftlichkeit.

Ansicht Fassade außen © Roland Halbe, Stuttgart

 

 

Die Gliederung der Fassade in geschossweise unterschiedliche Achsraster mittels der Lisenen aus Aluminium-Rechteckprofilen erlaubt eine geschmeidige Integration von verglasten und opaken Flächen in unterschiedlichen Fensterformaten je nach dahinterliegender Funktion ohne das Gesamtbild zu stören. Die Fassade ist klassisch hinterlüftet und kommt mit einer einfachen, kostengünstigen Unterkonstruktion für die 3mm starken Paneele aus. Das rechteckige Format ohne Abrundungen oder geometrische Abweichungen trug erheblich zu Kosteneinsparungen bei.

Treppenhaus Innenansicht © Roland Halbe, Stuttgart

Übergabe im November

Bislang hat sich das Büro von Christian Knoche mit einer Publikation des Projekts noch zurück gehalten. Der Fotograf soll erst kommen, wenn sämtliche Einbauten fertig sind, dennoch wurden Teilbereiche bereits in Betrieb genommen. Die Resonanz ist für diese Bereiche sehr positiv und die Feuerwehr lobe die gemeinsam optimierten Abläufe der Funktionsbereiche sehr. „Das Gebäude ist in seiner Struktur und Konstruktion konventionell und trifft daher auf Sympathie bei den Feuerwehrleuten, die aufgrund ihres Berufsalltags ungern Experimente eingehen.“ fasst Christian Knoche das Feedback zusammen. Auch die Gestaltung ist bereits seitens der Stadt Köln sehr positiv wahrgenommen worden. Eine offizielle Eröffnungsfeier soll es nach der Übergabe im November ebenfalls geben, aber der Termin stehe noch nicht fest. Die schäl sick ist jedenfalls jetzt schon um einen besonderen technischen Bau mit Gestaltungsanspruch reicher worden und beweist, dass innovatives Bauen auch in stiefmütterlich gehandelten Gegenden auf fruchtbaren Boden stoßen kann.

 

Nathalie Brum

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