Blick vom Kurt-Hackenberg-Platz in die Zukunft - Die Historische Mitte ©Staab Architekten

Eine Diskussion des BDA Köln über die Museen von morgen

Was benötigen die Museen von morgen, um in den kommenden Jahren dem öffentlichen Druck und einer gesellschaftlichen Teilhabe gerecht zu werden? Wie sieht eine Gratwanderung zwischen musealer Intention und stadtgesellschaftlicher Entwicklung aus? Diesen Fragen wurde beim vergangenen Montagsgespräch des BDA Köln am 28. Oktober in den Räumen der Karl Rahner Akademie und unter der Leitung von BDA-Vorstand Ingo Plato nachgegangen. 

Elitäre Elfenbeintürme der Hochkultur, No-Go-Area für die bildungsschwache Bevölkerung, Ort der Verbote, Steuergeldverschleuderer… – die Liste der Vorurteile und mal leisen mal lauten Vorwürfe seitens der breiten Bevölkerung gegen die Museumslandschaft in Deutschland ist ergiebig. Klar ist, dass sich die Museen von morgen neuen Herausforderungen stellen müssen und in einer Stadt wie Köln, in der Museen gebaut, saniert und neu organisiert werden drängen sich diese Fragen zunehmend auf. 

 Von links nach rechts: Fidel Peugeot, Nanette Jacomijn Snoep, Ingo Plato, Prof. Dr. Christian Haak, Susanne Laugwitz-Aulbach ©Nathalie Brum

 

Der dritte Raum

Der berühmte ‚Bilbao-Effekt‘ benannt nach dem Guggenheim-Museum im spanischen Bilbao und dessen Eröffnung der Region einen enormen wirtschaftlichen Aufschwung geboten hat ist noch heute stark in den Köpfen der Stadtplaner und Regierenden vorhanden. Es ist eine zunehmende Eventisierung der Museumsangebote zu verzeichnen, doch gemäß den Gästen Prof. Dr. Christian Haak, stv. Generaldirektorin der Staatlichen Museen zu Berlin und Nanette Jacomijn Snoep, Direktorin des Kölner Ratuenstrauch-Joest-Museums ist vor allem die Teilhabe und Partizipation bei der Mitgestaltung der Museen ein besonders wichtiger Aspekt bei der Planung zukünftiger Museen. Das Museum ist der dritte Raum – gerne an dem Abend auch als third space tituliert – und bietet neben dem Wohnraum und dem Arbeitsplatz einen öffentlichen Raum, der für alle zugänglich ist, anregt, verbindet, bildet und den Horizont erweitert. Referent Fidel Peugeot vom Walking Chair Design Studio in Wien plädiert für die Verantwortung der Museen die Aussenräume und Plätze so zu gestalten, dass diese Offenheit und Demokratisierung sich deutlich manifestiert.

Lageplan Historische Mitte ©Staab Architekten

 

 

Teilhabe und Partizipation

Die Kulturdezernentin der Stadt Köln Susanne Laugwitz-Aulbach hat es bei der Mitgestaltung der Kulturlandschaft in Köln nicht leicht. Einerseits müsse sie die Fahne der Stadt als Tourismusmagnet hochhalten und die Museen für Touristen von außerhalb attraktiv machen, andererseits sei es ebenso für sie wichtig den Kölner Bürger*innen einen niedrigschwelligen Zugang zu den eigenen Kulturhäusern zu bieten. Möglichkeiten wie freier Eintritt immer und für jeden seien bereits diskutiert, aber wieder verworfen worden. Neue Besucher*innen müssen durch interessante Angebote angezogen werden. Moderator Ingo Plato betonte zudem, dass er davon überzeugt sei, dass das Einbinden von Schulklassen sehr wichtig bei der Vermittlung von Kultur sei und Platz in den Konzepten der Stadt Köln finden müsse. Museumdirektorin Snoep berichtet von Ausstellungskonzepten, bei denen die Besucher Teil der Exponate seien und durch den aktiven Austausch mit einer pluralisierten Gesellschaft aus unterschiedlichen Kulturen eine gelungene Einbindung ermöglicht wurde. 

Blick auf das MiQua-Museum (Wallraf-Richartz-Museum rechts im Bild) ©Wandel Lorch Architekten

 

 

Offensichtlich sind die Antworten an dem Abend auf das Museum von morgen sozialer Art, wo doch unweit des Geschehens ganz aktuell die Baustelle des LVR-Jüdischen Museums im Archäologischen Quartier Köln voranschreiten. Der Umbau des Römisch-Germanischen Museums und auch die Historische Mitte am Dom wurden lediglich angeschnitten, dabei wäre es spannend gewesen zu erfahren inwiefern bei diesen Planungen Aspekte wie Teilhabe, Öffnung und Transparenz vor allem städtebaulich und architektonisch formuliert wurden. 

Baustelle des MiQua-Museums Köln ©koelnarchitektur.de

 

Kulturelles Schattendasein der Kölner Vorstädte

Und was ist eigentlich aus dem Projekt der Halle 76 in Kalk geworden? Sollte in der denkmalgeschützten und leider baulich verfallenden Halle nicht ein weiterer Standort des Museums Ludwig in Köln implementiert werden? Wo sind die Brücken zwischen den weniger attraktiven Vororten von Köln und dem prestigeträchtigen Zentrum? Berechtigte Fragen aus dem Publikum, die leider an dem Abend nicht mehr genug Zeit und Raum gefunden haben. Die Interimsstätten des Kölner Stadtmuseums im Kaufhaus Franz Sauer und das Interim des Römisch-Germanischen Museums im Belgischen Haus in der Cäcilienstraße befinden sich offensichtlich immer noch innerstädtisch, um den Anschluss an das Publikum nicht zu verlieren. Ob sich die kommenden Kulturbauprojekte der zunehmend digitalisierten und pluralisierten Gesellschaft öffnen werden oder nicht bleibt abzuwarten und benötigt gemäß Ingo Plato noch weitere, tiefer in das (städte)bauliche Detail gehende Diskussionsabende.

Nathalie Brum

 

 

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