Das Einzige, das senkrecht aufragte auf der MiQua-Baustelle, war bisher der Bauzaun. Aber jetzt wachsen die Wände in die Höhe. © koelnarchitektur.de

Am MiQua wird das Rautentragwerk der Eingangsebene gebaut

 

Pressetermine auf der Baustelle sind ja nicht unbedingt actiongeladen, aber diesmal war richtig was los: Ein Tieflader lieferte das über 13 Meter lange Stahlstück für das Tragwerk. Gelassen-routiniert montierten die beiden Kranführer ihre Seile, und langsam hoben sich die über 15 Tonnen schweren Rauten und schwebten über die Baustelle, um in den Köchern der „Sporn“-Betonage zu landen.

Ein Applaus wäre fällig gewesen! Die Generalprobe mit dem ersten Stück hatte schon am frühen Morgen stattgefunden. Insgesamt werden 21 Elemente verbaut. Noch einen Blick auf die schwebenden Rauten zu erhaschen, dürfte allerdings schwierig werden: Die Montage am Vormittag war eine freundliche Geste an die Presse, die weiteren Elemente werden nachts angeliefert. Tagsüber finden weitere Arbeiten parallel dazu statt: Derzeit werden die den Stahlbau umgebenden Deckenfelder betoniert. Unterirdisch läuft die Sandabsaugung im Bereich zwischen dem Historischen Rathaus und dem Spanischen Bau weiter.

Blick in Ebene 00:  ©Ronald Larmann

 

Endlich kommt das Erdgeschoss!

Der Name deutet es schon an: “MiQua. LVR-Jüdisches Museum im Archäologischen Quartier Köln.” Klingt kompliziert und ist es auch. Wandel Lorch Architekten aus Saarbrücken haben oberirdisch einen hallenartigen Schutzbau über dem archäologischen Grabungsfeld entworfen. Die Bodenfunde selbst werden Teil der Ausstellung. Um diese so wenig wie möglich zu belasten, wurden 393 Bohrpfähle in das Erdreich getrieben und darauf ein Ringbalken, das betonierte Haupttragwerk, angelegt.

Das Rautentragwerk aus Stahl ermöglicht, dass das Gebäude auf wenigen Stützen an den Gebäudeaußenkanten und auf einem vertikalen Erschließungskern lagern kann. Die Fassade in Ebene 01 (das ist das Erdgeschoss) bilden 14 dieser Elemente. Für die innere Erschließung sind sieben Rautenelemente vorgesehen, die in Ebene 02 – im ersten oberirdischen Geschoss – für die Lastabtragung sorgen. Die Ebenen 02 und 03 bestehen außen aus zweigeschossigen Fachwerkträgern. Zusammen mit dem Rautentragwerk bilden sie das auf dem Ringbalken lagernde Randtragwerk.

 

Anlieferung, „Schwebephase“ und Landung des über 13 m langen Tragwerkelements © koelnarchitektur.de

 

Die einzelnen Tragwerkselemente sind zwischen fünf und 15 Meter lang und wiegen zwischen neun und 22 Tonnen. Sie bieten ungefüllt einen reizvollen Anblick, werden aber mit durchsichtigen und durchscheinenden Glaspaneelen und Bruchsteinen aus den Grabungen, sogenannten Spolien, geschlossen, so dass man im fertigen Gebäude kaum etwas von ihnen sehen wird.

Auf Bohrpfählen und einer „Sporn“-Betonage ruhen die drei aufsteigenden Ebenen des Museums, die Eingangsebene (01), Kasse und Wechselausstellungen (02) und die Technikebene (Ebene 03). @ Stadt Köln

 

Freude am Bauen

Alles andere als eine 08/15 Baustelle wird da also von der Stadt Köln betrieben; der Blick durch die Gucklöcher im Bauzaun oder gar aus den Fenstern des Wallraff-Richartz Museums lohnt sich. Das Museum wird 77 Millionen Euro kosten, und in gut zwei Jahren – 13 Jahre nach dem Wettbewerb –wird man, wenn alles rund läuft, hinter diesen Elementen stehen und den Blick über die Ausgrabungslandschaft schweifen lassen können. Freude am guten Gelingen und Vorfreude auf das fertige Gebäude – das war an diesem sonnigen Vormittag bei allen Beteiligten sehr spürbar.

 

Ira Scheibe

 

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