Nikolaus Bienefeld in der Rauminstallation „RAUM, FARBE, BILD UND MÖBEL“ © Foto Uta Winterhager

Nikolaus Bienefeld in der Bonner Gesellschaft für Kunst und Gestaltung

Eine schmale, grade Treppe führt direkt hinter der Eingangstür in den großen Ausstellungsraum der Bonner Gesellschaft für Kunst und Gestaltung. Grau ist der Boden, weiß geputzt die Wände. Zwei Fenster, eine Wandscheibe, eine Lichtdecke. Ein guter Ausstellungsraum wie viele. Und dennoch war Nikolaus Bienefeld (*1958) unzufrieden. Er wollte mehr, doch das musste er selbst erst schaffen. Eine Herausforderung war das, sagte er bei einem Treffen in der Rauminstallation, die, nun fertig, den Titel „RAUM, FARBE, BILD UND MÖBEL“ trägt. Grundsätzlich ist es genau das, was dort nun zu sehen ist. Denn Bienefeld, der Schreiner gelernt hat, Kunst studiert hat und durch das Machen zum Architekten wurde, kann all das und möchte auch all das. Die Einladung der gkg und ihr schwieriger einfacher Raum boten ihm nun die Möglichkeit, alle seine Fähigkeiten und Produkte zu einen. Ein Experiment auch für ihn, der sich mit allen seinen Werken, ob er nun malt oder baut, unweigerlich an der Schnittstelle von Kunst und Architektur bewegt.

RAUM, FARBE, BILD UND MÖBEL Installationsansicht © Foto Uta Winterhager

Acht Tage hat er vor Ort gearbeitet, um den Raum zu überarbeiten. Er spricht leise, wirkt in Anbetracht der Installation immer noch ein wenig erschöpft, zeigt sich aber durchaus bereit, das Wie zu erläutern. Er hat Farbe angerührt, mit Schiefermehl erzeugte er einen Ton, der dem changierenden Dunkelgrau des Linoleumbodens entspricht. Mit einem Flächenstreicher, einem gewaltigen Pinsel, der mit beiden Händen bewegt wird, trug er sie auf Teile der Wandflächen auf. Fünf oder sechs, durch ihre Transparenz ablesbare Schichten verdichten sich, laufen aus. Ihre Form ist entstanden, nicht entworfen. So fielen die zunächst sechs Stellen zu drei zusammen, schlossen an den Boden an, laufen hoch an der Decke aus. Die tiefe Fuge zwischen Wand und Fußleiste stopfte er mit Toilettenpapier aus, schloss sie in die flächige Malerei mit ein, damit an dieser Stelle kein Bruch entsteht. Wusste er wann er fertig war? Er zögert, aber ja, er hatte doch deutlich gemerkt, wann es zu viel zu werden drohte, wollte nichts Fertiges. Diesen manipulierten Raum, der nun bewegt erscheint und in der Bewegung plötzlich Tiefe erzeugt, möblierte er mit Stühlen, Hockern und Tischchen. Und dann ist da doch plötzlich Fertiges, Möbelstücke aus Holz oder Stahl, entworfen und gebaut in allen Dekaden seines Schaffens. Sie sind sorgsam positioniert, immer in Wandnähe, umso mehr erstaunt, wie unerwartet die Perspektiven, die sie den Sitzenden eröffnen, sind. Schräg blickt man durch den Raum, sieht, wie die geometrisch-abstrakten Malereien, die großen und kleinen, monochromen oder mehrfarbigen Serien Abstand zu der Wand halten, die sie trägt. Raum entsteht auch hier. Andreas Denk, seit 2015 Vorstand der gkg und wie Bienefeld Professor an der TH Köln, sieht Raum sogar zwischen den Farbschichten, Mikroräume nennt er das, der Künstler selbst widerspricht ihm nicht.

Andreas Denk und Nikolaus Bienefeld in der Rauminstallation © Foto Uta Winterhager

Was tut man nun mit und in einem Raum, der so viel anbietet. Sitzen und Schauen ist eine Möglichkeit, besser noch ist das Laufen und Schauen, spannend ist auch das Bild im Bild, das auf dem kleinen Bildschirm der Kamera plötzliche Tiefe erzeugt. Was man von dem Besuch mitnimmt sind sicher Gedanken über das Potential von Farbe und Farbigem, an Ruhe und Besonnenheit und die Freiheit des Betrachtens. Manchmal vergisst man das, aber Nikolaus Bienefeld hat hier mit leisen Tönen ganz stark daran erinnert.

Uta Winterhager

Gesellschaft für Kunst und Gestaltung, Bonn

Laufzeit: Samstag, 10. August bis Sonntag, 13. Oktober 2019
Öffnungszeiten: Mi-Fr 15–18 Uhr | Sa 14–17 Uhr | So 11–17 Uhr

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