Das Centro Botín über der Uferpromenade von Santander. Copyright: Stéphane Aboudaram ï WE ARE CONTENT(S)
Das Centro Botín über der Uferpromenade von Santander. Copyright: Stéphane Aboudaram ï WE ARE CONTENT(S)

Renzo Piano und sein Projekt Centro Botín im Dokumentarfilm "Architekt des Lichts".

„Das Gebäude müsste fliegen.“ So der Wunsch von Emilio Botín an den Architekten Renzo Piano. Bei dem Gebäude handelt es sich um das Centro Botín, ein Kulturzentrum an der Uferpromenade der nordspanischen Stadt Santander. Damit es dann wirklich fliegen kann, muss eine Straße unter die Erde verlegt und der Baukörper aufgeständert werden. Dadurch ist der Weg von der Stadt zum Meer frei, der Blick geht unter den zwei mit weißen Fliesen verkleideten Flügeln hindurch, direkt aufs Wasser.

Der Architekt Renzo Piano. Copyright: mindjazz pictures
Der Architekt Renzo Piano. Copyright: mindjazz pictures

Regisseur Carlos Saura begleitet in „Renzo Piano – Architekt des Lichts“ das Bauprojekt von Anfang an, nimmt den Zuschauer mit zu einem ersten Treffen in Renzo Pianos Atelier, das offenbar traumhaft über der Stadt Genua liegt, bis zur Eröffnung mit Feuerwerk im Jahr 2017. Der Einblick in Baubesprechungen und Prozesse wird wahrscheinlich all diejenigen beruhigen, die selbst in der Baubranche tätig sind: Auch bei Stararchitekten mit Riesenprojekten läuft es nicht anders. Immer passiert etwas Unerwartetes, irgendwie klappt es mit der Kommunikation nicht und am Ende steht sogar das Gebäude an einer anderen Stelle, als geplant. Und selbst die enthusiastische Stifterfamilie, einst Gründer und heute Leiter der Banco Santander, drängt irgendwann auf die Einhaltung des Zeit- und Kostenplans.

Das Centro Botín von oben. Copyright: Stéphane Aboudaram ï WE ARE CONTENT(S)
Das Centro Botín von oben. Copyright: Stéphane Aboudaram ï WE ARE CONTENT(S)

Gedanken über Architektur

Über diesen sehr konkreten Gegebenheiten schwebt nicht nur das Kultur- und Bildungszentrum, auch sein Architekt scheint sich in anderen Sphären zu bewegen. Der unkommentierte Film lässt den Gedanken Renzo Pianos viel Raum, er spricht über Licht als Element des Bauens, über die Poesie, aber auch darüber, dass Architektur den Menschen dienen und die Welt besser machen sollte. Ein Überzeugungstäter, das wird klar, den auch Granatenfunde beim Tunnelbau und eine Bürgerinitiative nicht abhalten können.

Außenfassade des Centro Botín mit 270.000 Keramikfliesen. Copyright: mindjazz pictures
Außenfassade des Centro Botín mit 270.000 Keramikfliesen. Copyright: mindjazz pictures

Dabei setzt der Film viel voraus und erschließt sich denjenigen, die mit diesem Projekt nicht vertraut sind, nur langsam. In seiner engen Fokussierung wirkt er wie ein zum Bau produzierter Werbefilm, der nach 70 Minuten etwas abrupt endet, ohne Gedanken und Geschichten zu Ende zu erzählen und so das Potenzial, das eine Legende wie Renzo Piano bietet, voll auszuschöpfen.

Vera Lisakowski

Renzo Piano – Architekt des Lichts, ab 4. April im Kino
In Köln zu sehen im Odeon.

Ihr wollt den Film unbedingt selbstsehen, das können wir gut verstehen – und laden euch ein:

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