Die Porzer Mitte Anfang 2019. Noch steht am Bildrand vorne das Dechant Scheben Haus, das die Kirche mit dem Nachbarhaus verbindet und eine unschöne, dunkle Passage bildet © Foto moderne stadt GmbH/ Moritz Gröne

Hertie war zu groß. Die Neue Mitte Porz sucht den menschlichen Maßstab

Porz als Nebenmitte hat es schwer, denn schon der ihr innewohnende Widerspruch der Positionen »neben« und »Mitte« zeigt, wie unmöglich ihre Existenz eigentlich ist. Dieser von Fritz Schumacher verwandte Begriff ist folglich inzwischen unüblich, heute spricht man von Bezirkszentren, wenn man die zweite Ebene der städtebaulichen Hierarchie meint. Dabei ist es genau dieser Widerspruch, an dem Porz sich seit Jahrzehnten abarbeitet. Rechtsrheinisch, etwa 15 Kilometer südlich der Kölner Innenstadt gelegen, gibt die ehemals selbständige Kleinstadt seit ihrer Eingemeindung 1975 dem Stadtbezirk seinen Namen. Meint man heute das alte Zentrum, heißt es außerhalb der Behörden Porzity.

Nach 40 Jahren in der Mitte kann auch der ungeliebte Hertie nicht einfach gehen. Er wurde vor dem Abbruch verabschiedet © moderne stadt GmbH / Dörthe Boxberg

Mit dem Handel wandelt sich das Bild der Stadt

Die in den 70er Jahren umgesetzte Neuordnung war, obschon modern gedacht, nur kurzlebig. Kleinteilige Substanz wurde abgerissen und mit einem monolithischen Warenhaus (damals Karstadt, zuletzt Hertie) plus überdimensioniertem Platz ersetzt. Nicht nur das Konzept, auch der Maßstabssprung wurden bald zum Problem. Der große, introvertierte Klotz verstellte Wege und Blicke, erzeugte Angsträume an seinen Rändern, der Handel litt und mit ihm das städtische Leben. Fünf Jahre stand das große Warenhaus leer, bis die Stadt Köln den Bau 2014 erwarb und ihre Entwicklungsgesellschaft moderne stadt mit einer Machbarkeitsstudie beauftragte, die diese mit JSWD Architekten durchgeführt hat. Zwei Alternativen (Umnutzung vs. Abriss und Neubau) wurden in mehreren Varianten untersucht, die schließlich favorisierte Löung in einer Planwerkstatt mit Bürgerbeteiligung diskutiert und bestätigt.

Nach der Entscheidung für die Variante „Abriss und Neubau mit drei Bauköpern“ entwickelten JSWD Architeken den städtebaulichen Rahmenplan für die Neue Mitte Porz © JSWD Architekten

Wege, Achsen und Plätze für eine Mitte

Ein wirkliches Zentrum, ein Markt solle nun im Herzen der städtebaulichen Neuordnung auf dem Friedrich-Ebert-Platz entstehen, das war der Wunsch von vielen. Möglich wird dies durch den Abriss des Warenhaus-Fremdkörpers sowie weiterer Bauten, die Wege und Sichtachsen verstellen. Die mit 25.000 Quadratmetern gewaltige Baugrube erscheint Anfang 2019 als tabula rasa, doch die Neue Mitte Porz soll die Fehler der Vergangenheit nicht wiederholen. Mit drei kleineren, vertikal gegliederten Baublöcken entwickelten JSWD mit dem städtebaulichen Planungskonzept eine neue, wesentlich schärfer gezeichnete Ordnung, die bestehende Wegebeziehungen und Sichtachsen zwischen Rathaus, Rhein und Citycenter schlüssig zusammenführt. Der neue Kirch- und Marktplatz ist deutlich kleiner dimensioniert als zuvor, was seiner Lesbarkeit und Atmosphäre sehr zugute kommen wird.

Blick über den Friedrich-Ebert-Platz als Markt- und Kirchplatz auf Haus 1, das an seiner süd-östlichen Ecke deutlich zurückspringt, um dem Platz mehr Raum zu geben © JSWD Architekten

Auch funktional wird die Stadt an dieser Stelle nicht neu, sondern weitergedacht. Der ruhende Verkehr findet Platz in drei zweigeschossigen miteinander verbundenen Tiefgaragen Platz. Einzelhandel, Gastronomie, ein Supermarkt sowie kirchliche, kulturelle und soziale Nutzungen werden die Erdgeschosse bespielen. In den Obergeschossen entstehen 130 Wohnungen unterschiedlicher Größe, von denen rund 30 Prozent öffentlich gefördert sind. Städtisches Leben – auch nach Ladenschluss und am Wochenende – soll die große Leere in Porz füllen und zur Neuen Mitte machen.

Eine Qualität der Porzer Mitte ist ihre Nähe zum Rhein. Nun ist diese Achse rechts von Haus 1 wieder sichtbar, während links der Chor von St. Josef Orientierung gibt. © JSWD Architekten

Die Neue Mitte nimmt Gestalt an

Drei „Häuser“ werden die Neue Mitte ausbilden, das Zusammenspiel der Gebäude als Ensemble soll durch eine korrespondierende Gestaltung der Fassaden gestärkt werden. Mit dem Ziel, ein im Detail vielfältiges Erscheinungsbild zu erzeugen, wurden für Haus 2 und 3 im Sommer 2018 Qualifizierungsverfahren durchgeführt. Jeweils fünf eingeladene Büros erarbeiteten auf Basis der vorliegenden Planungen von JSWD Vorschläge für die Fassadengestaltung und machten Grundsatzaussagen zum Umgang mit der Dachlandschaft. Lesen Sie dazu Archetypus Haus.

Über den derzeit laufenden freiraumplanerische Ideenwettbewerb mit Realisierungsteil Friedrich-Ebert-Platz, der neben der Fußgängerzone auch die Brückenkonstruktion an der Hauptstraße, das Rheinufer, den Rathausvorplatz und die Platz-bereiche Mühlenstraße und An der Sparkasse einbezieht, werden wir berichten, sobald es eine Entscheidung gegeben hat.

Mit der Weiterentwicklung der im Rahmenplan festgesetzten Gestaltungsparameter kann es gelingen, die Porzer in ihrer Mitte endlich heimisch werden zu lassen. Große Figuren schaffen eindeutige Räume, eine kleinteilige Gliederung einen menschlicheren Maßstab. Nun bleibt noch zu wünschen, dass Läden und Gastronomie ausreichend Gründe geben werden, zu Kommen und Bleiben.

Uta Winterhager

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