Prof. Pablo Molestina von Molestina Architekten Köln, Andrea Wallrath, Vorstand des BDA und Markus Greitemann, Baudezernent Kölns im Gespräch © Nathalie Gozdziak

Kölns neuer Baudezernent stellt sich beim BDA Montagsgespräch vor

200 Tage ist nun Kölns neuer Baudezernent im Amt. Was sind seine Visionen, seine Leitbilder? Ist er Visionär oder Pragmatiker? Den zahlreichen Fragen seitens Andrea Wallrath, Vorstand des BDA und Prof. Pablo Molestina von Molestina Architekten Köln vor vollem Publikum im Domforum stellte er sich jedenfalls souverän.

Wer sogar pünktlich erschien, musste leider dennoch stehen. Kein einziger Sitzplatz blieb frei, denn das angekündigte BDA-Montagsgespräch zog zahlreiche Architekten, aber auch interessierte Bürger an. Wer schwingende Reden, Appelle am Stehpult, geballte Fäuste und gehobene Stimmlagen erwartete, wurde enttäuscht: die Veranstalter entwarfen ein assoziatives Gesprächsformat, bei dem anhand von Fotos und Stichwörtern der Gast seine Leitbilder, Wurzeln, aber auch seine Persönlichkeit vorstellen sollte. Markus Greitemann tat dies ohne zu Zögern und fast hatte man den Eindruck, dass man drei Menschen bei einem gemütlichen Gespräch vor dem Kamin lauschte. 

Was dann folgte waren persönliche Einblick in die Welt von Markus Greitemann. Geboren im Sauerland, orientierte er sich an seinem Vater, der Architekt und für ihn eine Art Mentor war. Nach dem Architekturstudium an der Uni Dortmund lernte er in 14 Jahren als Leiter des Gebäudemanagements für die Firma VIEGA neben Personalmanagement und Grundstücksentwicklung, dass der Lebenszyklus eines Gebäudes und seine Nutzung entscheidend für die Nachhaltigkeit ist. “Wir versäumen häufig nachhaltig in einem Zeitraum von 40, 50 Jahren zu denken – wie wird das Gebäude dann aussehen?” Diese Zeit wird ihn in den acht nun folgenden Jahren als Dezernent des Gebäude- und Liegenschaftsmanagement der Universität Köln prägen. 

Skifahren, Currywurst und New York

Bis zu seinem 30. Lebensjahr war Greitemann passionierter und ambitionierter Skifahrer. Er mag keine prestigeträchtigen Dinge und würde eine Currywurst Pommes stets einem Hummer oder Kaviar vorziehen – die Zeit im Ruhrgebiet habe ihn positiv geprägt. Das moderne New York ist für ihn die perfekte Kombination aus hochverdichteter Metropole und Lebensqualität. Die Betonung einer guten Zusammenarbeit, sogar die Abhängigkeit von guten Mitarbeitern, ohne die nichts gehen würde, macht ihn sehr sympathisch. 

Die Moderatoren des Abends: Prof. Pablo Molestina von Molestina Architekten Köln und Andrea Wallrath, Vorstand des BDA © Elke Beccard

„Ich bin manchmal traurig, wie schlecht die Kölner ihre Stadt machen.“

Nach dieser doch provokativen Aussage erntet er spontan Beifall. Er könne es nicht ertragen, dass die Bürger ständig ihre eigene Stadt kritisieren wo doch so viel Potenzial in ihr schlummere. Überbordender Patriotismus muss jedoch seiner Ansicht nach auch nicht sein. “Ich weiß nicht, ob man eine Stadt lieben muss, um sie gut zu gestalten.” Ein Appell, den er nach 200 Tagen an die Stadt aussprechen möchte: Dass man zu Entscheidungen, die gefällt wurden, auch stehen solle. Dieses Zweifeln im Nachgang bremse die Stadt nur aus. Es sind die zielorientierten Lösungen, der Pragmatismus und eine stets vernünftige Analyse in Zahlen, Daten und Fakten, die Greitemann bevorzugt, bevor voreilige Schlüsse in blindem Aktionismus gezogen werden.

Wohnungsmangel in Köln

Es ist mittlerweile in aller Munde: der Stadt Köln fehlen Wohnungen, nach neuesten Schätzungen 100.000 Wohneinheiten. Als Schwarzpläne von Architekturstudenten mit Lösungsvorschlägen zur Nachverdichtung mit 100.000 Wohneinheiten an die Wand geworfen werden, fragt Greitemann lachend, ob er die Entwürfe haben könne, um danach in einem ernsteren Tonfall zu relativieren. In den kommenden 5 bis 6 Jahren sind immerhin ca. 25.000 Wohneinheiten geplant, aber wo die 4-fache Menge untergebracht werden soll und mit welchen Mitteln sei ihm unklar. Eine klare rote Linie für ihn in Bezug auf Nachverdichtung: die Einwohnerzahl soll 1,3 Millionen Menschen auf keinen Fall überschreiten. Sein zukünftiges Kernprojekt Köln-Kreuzfeld im Norden nahe Chorweiler, das 2020 starten wird, soll den Wohnmarkt entschärfen, auch wenn es Widerstand gegen das Bauen auf der grünen Wiese gibt. Ein aus seiner Sicht zentraler Aspekt: die Grundstücke in Kreuzfeld sollen so lange wie möglich Eigentum der Stadt Köln bleiben, um dem unkontrollierten Preisanstieg entgegen zu wirken.

effizient, prozessorientiert, methodisch

Greitemann liegt die Modernisierung des Baugenehmigungsverfahrens sehr am Herzen. Die Digitalisierung der Bauanträge ist geplant, aber vor allem soll das Verfahren in Form eines Dialogs stattfinden. Der Umstieg auf ein BIM-Software könne zwar helfen, sei aber nicht das Allheilmittel. Es fehle insgesamt an Personal, denn “zu Wenige müssen Zuviel machen.” Das Aussprechen der Baugenehmigungen soll standardisiert werden und Entscheidungen sollen maximal transparent dargelegt werden, um die zeitfressenden Nachlieferungen einzudämmen. Die Werkstattverfahren, die sich seit einigen Jahren im Zuge der Planungen von Großprojekten etabliert haben, begrüßt er trotz Kritik von einigen Seiten, die sich eine beschleunigte Umsetzung wünschen. Seiner Ansicht nach führen gut geleitete Werkstattverfahren zu besserer Qualität und sind somit auch langfristig wirtschaftlicher. Eine weitere Änderung in Zukunft ist das Hinzuziehen externer Mitglieder in den Gestaltungsbeirat.

Die Zukunft der Stadt Köln gestalten: keine leichte Aufgabe

Das Amt ist kein Leichtes, das dürfte Greitemann auch an diesem Abend deutlich geworden sein. Die Stadt leidet wie viele Großstädte in Europa unter Wohnungsmangel und gleichzeitig gewinnt die Stimme des Bürgers zunehmend an Bedeutung. Der Klimawandel macht ein Leben im urbanen Raum nicht leichter angesichts der Dürren, Stürme, Hochwasserstände und Hitzeperioden. Was auch deutlich geworden ist: Greitemann ist kein breitspurig auftretender Politiker mit lautem Organ. Er betrachtet Probleme mit Bedacht und zieht keine voreiligen Schlüsse. Was manch einem zu zaghaft erscheinen mag, kann manch anderem als angenehmer Gegenentwurf zum Populismus erscheinen. Für acht Jahre ist nun Markus Greitemann vom Stadtrat für sein Amt des Baudezernent gewählt worden. Was in seiner Amtszeit geschehen wird, wird die Zukunft und das kommende Jahr 2019 zeigen.

Nathalie Gozdziak

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