Sockel, Mittelbau und Krone. Die klassische Gliederung und die angmessene Höhe des auf den Roncalliplatz blickenden Kopfbaus von ksg fand die Zustimmung der Jury. © ksg

Mit aufgeräumter Kleinteiligkeit überzeugte ksg im städtebaulichen Verfahren für das Laurenz-Carré

Nachdem das von der Düsseldorfer GERCHGROUP ausgelobte städtebauliche Verfahren für das Laurenz-Carré in eine dritte – zunächst nicht geplante – Runde gegangen war, fiel am 16. Oktober die Entscheidung unter den vier im Rennen verbliebenen Teilnehmern. Erneut stellten die Vertreter von kister scheithauer groß architekten und stadtplaner (Köln), Schilling Architekten (Köln), Henning Larsen (Kopenhagen) und Architekt Krischanitz (Wien/Zürich) ihre überarbeiteten Entwürfe persönlich (in einem Fall über Skype) vor. Nach überlangen Jurysitzungen in den ersten beiden Runden, vergab die Jury unter Vorsitz von Jörg Aldinger die Preise nun einstimmig und nach einer vergleichsweise kurzen Beratungszeit.

  • Rang kister scheithauer groß architekten und stadtplaner
  • Rang Architekt Krischanitz ZT
  • den 3. Rang teilen sich Henning Larsen und Schilling Architekten

Es hatte sich in den vergangenen Runden des Verfahrens abgezeichnet, dass Stadt und GERCHGROUP durchaus unterschiedliche Auffassungen darüber hatten, wo die Grenzen des Verträglichen liegen. Im Fokus des Verfahrens stand also auch in der dritten Runde die Gestaltung eines städtebaulich tragfähigen Gerüsts in Form von Durchwegungen, Vernetzungen und Platzabfolgen. Weiterentwickelt und diskutiert wurde unter diesem Gesichtspunkt auch die Maßstäblichkeit der Baukörper sowie ihre Höhenentwicklung, die funktionsfähige Verteilung von Wohnungen, Einzelhandel, Hotel, Büro und Bezirksamt, sowie die Integration des denkmalgeschützten Senats-Hotels. Während Stadt und Investor gleichermaßen eine qualitativen Aufwertung des Planungsgebietes suchen, legt die Stadt großen Wert auf die Sichtbarmachung der Via Culturalis. Die GERCHGROUP war dagegen eher an der marktgerechten Umsetzung und der zukünftigen Rendite der geforderten 33.000 Quadratmeter BGF auf dem 9.000 Quadratmeter großen Grundstück interessiert.

Vor ihrer finalen Entscheidung besichtigte die Jury ein Lattengerüst, das der Veranschaulichung der Höhe des Kopfgebäudes Am Hof dienen sollte und an der Ecke Unter Goldschmied / Große Budengasse aufgebaut wurde. Hierzu wurde die Höhe des Kopfgebäudes mittels eines Aluminiumgerüstes auf das Dach des Eckgebäudes projiziert.

 

 

Erster Rang kister scheithauer groß architekten und stadtplaner

 

Die Nutzung und Erschließung der Erdgeschosszonen zeigt trotz ihrer Kleinteiligkeit eine Betonung auf den Achsen Große Budengasse und Unter Goldschmied. © ksg

 

Deutlich unterscheidet sich der Entwurf der Preisträger von den drei Konkurrenten durch die im Altstadtcharakter angelegten Baukörper und die ausgeprägte Dichte im Quartier, die sich insofern positiv auf das Gesamtbild auswirkten, als dass sich die Masse deutlich weniger in den Höhen abzeichnet. Die Jury lobte die kleinteilig parzellierte städtebauliche Konzeption, die ihrer Einschätzung nach sensibel auf den Straßenraum und das Gegenüber reagiere. An Stelle neuer Plätze bieten ksg allein mit Aufweitungen in der Großen Budengasse Aufenthaltsqualitäten in der wichtigen Ost-West-Wegeachse zwischen Altstadt und Neustadt. So wird auch die Sporergasse, die hier wie im Entwurf von Schilling bis zur Großen Budengasse durchgeführt wird, als „Domblickgasse“ von ihrem Schicksal als ewige Rückseite befreit und in das neue Quartier integriert.

 

Der Kopfbau ist deulich in Sockel, Mittelteil und Krone gegliedert, was seiner Lesbarkeit und Eindordnung zugute kommt. © ksg

 

Die Jury empfand die von ksg entwickelten Höhen, die sich an der Traufe des Senatshotels orientieren als moderat und erwartet eine dementsprechend gute Einfügung der Gesamtkonfiguration in den Bestand. Die Ausbildung von Traufen und zurückversetzten Flachdächern wird als angemessene Antwort insbesondere auch Am Hof gewürdigt. Die Haltung, den Kopfbau als Teil einer sich zurücknehmenden Platzfassung zu sehen, konnte die Jury nachvollziehen, ebenso wie die Entscheidung, den Erdgeschosssockel an der prominenten Stelle Am Hof über zwei Geschosse zu führen, mit der die Verfasser erreichen möchten, dass die Stirnseite des Gebäudes gegenüber der höher gelegenen Fläche des Roncalliplatzes nicht optisch „versinkt“. Der grüne Innenhof des Wohnblocks überzeugte die Jury in seiner Proportion. Das Bezirksrathaus findet als Bestand, wie auch als möglicher Neubau eine gute Integration in den Entwurf.

Die Höhe des Senatshotels wird ohne Aufstockung zum Maßstab des Quartiers, das dadurch einen 5-geschossigen Horizont ausbildet. Im Sinne von Dächern werden den Neubauten ein bis zwei mögliche Staffelgeschosse aufgesetzt, die eine Silhouette bilden. Nur Am Hof (Maßstab Dom-Hotel) und am Bezirksrathaus wird die Bebauung 7-geschossig. © ksg

 

Die Jury lobte den Entwurf von kister scheithauer groß als „sinnvolle städtebaulichen Konzeption, die mit den Notwendigkeiten einer nachhaltigen Projektentwicklung in sehr gute Übereinstimmung gebracht worden“ sei und empfahl dem Auslober einstimmig, ihn zur Grundlage für die weiteren Wettbewerbe zu machen.

 

2. Rang Krischanitz Architekt

Die Jury begrüßte auch hier die kleinteilige Parzellierung der städtebaulichen Figur, die zugleich eine Ablesbarkeit der unterschiedlichen Nutzungen und unabhängige Bausteine ermöglicht. Allerdings fehlte ihr hier die Weiterentwicklung des Ist-Zustands, der die gewünschte Aufwertung der Sporergasse bewirkt hätte.

Trotz kleinteiliger Parzellierung wenig Gewinn für den öffentlichen Raum, einzig die Aufweitung der Großen Budengasse zeigt einen Ansatz © Krischanitz Architekt

 

Die heterogene Höherentwicklung  und die Ausbildung von deutlichen Traufen mit zurückgesetzten Flachdächern nahm die Jury positiv auf. Während die Auskragung des Wohnblocks an der Marspfortengasse ausdrücklich begrüßt wurde, wurde der Unterschnitt der Fassade Am Hof kritisch betrachtet, da die Auskragung über dem eingeschossigen Erdgeschoss den Eindruck verstärke, dass die Erdgeschosszone im Hinblick auf den höherliegenden Platz zu niedrig sei. Auch der zweigeschossige zurückgesetzte Dachaufbau dieser Fassade konnte die Kommission nicht mehrheitlich überzeugen, da durch den als zu gering empfundene Rücksprung die gesamte Gebäudehöhe wahrgenommen werde, die an diesem besonderen Standort gegenüber dem Dom und im Ensemble mit dem neuen Kurienhaus zu hoch sei. Auch werden die Proportionen der Fassade insgesamt als nicht ausgewogen erachtet.

 

Der Rücksprung der Staffelgeschosse reicht nicht aus, um als solcher wahrgenommen zu werden. Sicher hätte hier auch eine Variation der dominanten Gliederung geholfen © Krischanitz Architekt

 

Die Grundrisse versprechen wirtschaftliche und gut nutzbare Einheiten bei hoher Funktionalität. Insbesondere die Qualität des Wohnungsbaus und der Hotels wurde herausgestellt. Trotz seiner für die gestellte Aufgabe guten Lösungsansätze, bewertete die Jury den Entwurf von Krischanitz als ein etwas zu starr gefasstes Korsett für die weitere Entwicklung des Laurenz-Carrés.

 

Die konsequente Umsetzung der angehobenen Innenhöfe überzeugte die Jury durch flexible Erdgeschossnutzungen sowie hohe Nutzungs- und Belichtungsqualitäten. © Krischanitz Architekt

 

Ein 3. Rang Schilling Architekten

Als einzige Teilnehmer wagten Schilling Architekten einen großen städtebaulichen Eingriff und verlegten den Karl-Küpper-Platz von seiner derzeitigen (unglücklichen) Lage in die Große Budengasse. Diese wichtige Ost-West-Achse erfährt damit eine erhebliche Aufwertung, die durch die Verlängerung der Sporergasse zusätzlich an Qualität gewinnt. Insbesondere in Bezug auf die Via Culturalis wurde der Durchgang zwischen Große Budengasse und Roncalliplatz von der Jury als großer Gewinn betrachtet.

Durch die Verlegung des Karl-Küpper-Platzes wird zur Marspfortengasse hin ein größeres Grundstück für einen Neubau des Bezirksrathauses frei. © Schilling Architekten

 

Dennoch konnte der überarbeitete Entwurf die Jury insgesamt nicht recht überzeugen. Die Zwänge, die sich durch die Verlagerung des Karl-Küpper-Platzes an die Große Budengasse für die Höhenentwicklung und die städtebauliche Figur des südlichen Baufeldes ergeben, können die Vorteile der großzügigen neuen Platzfläche nicht aufwiegen. Zudem wurde der Gastronomiestandort angesichts der Nordausrichtung des Platzes kontrovers diskutiert. Auch die Bedeutung der Platanen am derzeitigen Karl-Küpper-Platz wird herausgestellt, die durch eine Überbauung des Platzes entfallen müssten. Insgesamt erschien der Jury der Aufwand, den die Verlegung des Platzes und der damit einhergehende Grundstückstausch bedeuten würden, zu groß gegenüber dem Nutzen, der sich daraus ergeben würde.

 

Städtebaulich sicher ein Gewinn: Blick von neuen Karl-Küpper-Platz an der Großen Budengasse durch die verlängerte Sporergasse auf den Dom. Doch sind die sieben Geschosse hier verträglich? © Schilling Architekten

 

Durch die Großzügigkeit im öffentlichen Raum weist die Arbeit die größten Gebäudehöhen und mit teilweise 8 Geschossen die größte Geschossigkeit auf. Diese Höhen bewertete die Jury als nicht mehr verträglich. Dies gilt auch für den Kopfbau Am Hof, dessen Traufe noch über der des Domhotels liegt.

 

Höhendiskussion im Schatten des Domes. Liegt die Traufe des Kopfbaus wirklich über der des Dom-Hotels wie die Jury es sah? © Schilling Architekten

 

Die Grundrisse der Büronutzung im südlichen Baufeld werden angesichts der Gebäudetiefe kritisch gesehen. Die Aufstockung des denkmalgeschützten Senatshotels mit einem zurück gesetzten Dachgeschoss lässt das statische System des Altbaus außer Acht, das eine Erweiterung nur auf den Außenwänden zulässt.

Auch Schilling Architekten sichern mit der doppelten Höhe des Erdgeschosses den Kopfbau gegen das Versinken hinter dem Horizont des Roncalliplatzes ab. © Schilling Architekten

 

Die Jury erkannte in der Arbeit von Schilling Architekten zwar ein solides städtebauliche Gerüst, sah aber im Detail zu viele Schwächen für eine Weiterführung des konzeptionellen Gedankens.

 

 

Ein 3. Rang Henning Larsen

Die Arbeit von Henning Larsen überzeugte die Jury durch die intensive Durcharbeitung und eigene Charakteristik des neuen Domquartiers. Die einer formalen Gebäudetypologie geschuldete Parzellierung ermöglicht gut nutzbare Einheiten, wirkt jedoch insbesondere im nördlichen Baufeld leicht additiv und starr. Die beiden aufgeschnittenen Höfe an der Sporergasse wurden kritisch betrachtet. Was für die innere Grundrissorganisation für gut befunden wird, konnte in Bezug auf die Charakteristik des öffentlichen Raumes nicht in Gänze zu überzeugen. Denn es bleiben Bedenken, dass der Hinterhofcharakter so nicht ausgeräumt werde, obwohl der zweigeschossige Dom-Passage zur Große Budengasse einen guter Ansatz dafür geboten hätte.

 

In Großformen gedacht kann der Entwurf von Henning Larsen die gewünschte stärkere Vernetzung innerhalb des Quartiers nur schwer realisieren © Henning Larsen

 

Die differenzierte und moderate Höhenentwicklung wurde ausdrücklich gewürdigt, doch die Ausbildung der schrägen Dächer war Fragen hinsichtlich der Höhen-Wahrnehmung der Gebäude auf. Denn da die Traufen durch die steile Stellung der Dächer nicht deutlich ablesbar sind,  wird die gesamte Gebäudehöhe vom Straßenraum aus wahrgenommen.

 

Ist die Traufe hier eine erkennbare Linie? In den Augen der Jury fügt sich die Schräge nicht gut in die Architektur der Platzkante ein. © Henning Larsen

 

Angesichts des schrägen Dachs stellte sich die Jury die Frage, ob hiermit das richtige Stilmittel für das Gebäude Am Hof gefunden wurde. Die Begründung, dass das skulptural aufgefasste Gebäude zu einem Teil der Straße wird, konnte sie zwar nachvollziehen, aber sie überzeugte nicht, da die Jury den Kopfbau als Teil der Platzwand des Roncalliplatzes betrachtete, die von Kuben, nicht von Schrägen geprägt sei. Zusammenfassend bewertete die Jury die Arbeit von Henning Larsen als einen soliden Entwurf, der die Anforderungen an das städtebauliche Konzept zum größten Teil gut löst.

 

Und das war erst der Anfang

Mit dem Entwurf von kister scheithauer gross kann das Laurenz-Carré einen nächsten großen Schritt zur Aufwertung des näheren Domumfeldes gehen. Die derzeitige Situation lässt kaum vermuten, wie wichtig dieser kleine Bereich zwischen Rathaus und Roncalliplatz für die Kulturgeschichte der Stadt Köln ist. Bislang ist die via culturalis kaum mehr als eine zwar sorgsam ausgearbeitete, aber immer noch mehr gedachte als gemachte Linie, doch nun könnte mehr daraus werden. Mit einem deutlichen Achsenkreuz, das die Passanten leitet, Blickbeziehungen herstellt, aber keine Wege erzwingt. Mit Läden und Gastronomie, aber auch Wohnungen und Büros, die  Interesse und Publikumsverkehr generieren und eine wohltuende Alternative genau dort bieten, wo der öffentliche Raum lange kaum mehr war als der Hinterhof der Hohe Straße.

Nun wird es in den anschließenden Verfahren darauf ankommen, wie die Gebäude, für die in diesem städtebauliche Verfahren entscheidende Fragen grundsätzlich geklärt wurden, im Detail gestaltet werden. Wie viel Fingerspitzengefühl allein die Führung der Traufen und die Dachform erfordert, zeichnete sich ja bereits in dem gerade abgeschlossenen Verfahren ab. Dass das Portal zur Altstadt nun nicht von einer standardisierten Investorenarchitektur flankiert sein darf, müsste nach diesem aufwendigen Verfahren doch bei allen Beteiligten angekommen sein.

 

 

Die Ausstellung der Wettbewerbsarbeiten ist vom 19.11.2018 – 30.11.2018 in den Schaufenstern des Gebäudes neben dem Senatshotel zu sehen, Unter Goldschmied 9-17 / Ecke Große Budengasse. Die Pläne sind ganztägig durch die Schaufenster einsehbar und werden nachts beleuchtet.

 

Uta Winterhager

 

 

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Eine Reaktion auf “Dichte versus Höhe”

  1. Holger K.

    Erfreulich, dass kleinteilige Parzellierung in den Fokus rückt!
    Ob allerdings die zu erwartende Kopfbebauung in Richtung Roncalliplatz eine Verbesserung bringt, erscheint eher unwahrscheinlich. An den 50er-Charme, die zurückhaltende Gediegenheit und Eleganz der vorhandenen Fassade des ehemaligen WDR-Gebäudes reichen die Vorschläge wohl nicht heran.
    Hier sollte m. E. der Denkmalschutz offensiver werden! Wie überhaupt die Stadt Köln den Schatz nicht erkennt und bewahrt, den ihr die Wiederaufbauzeit, als bislang letzte architektonische Blütezeit, beschert hat – siehe Theater am Rudolfplatz.

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