Ein Haus im Wandel © Grafik rethmeierschlaich

Ein kleines Haus in Hürth ist über die Jahrzehnte gewachsen

Die Biografie des von rethmeierschlaich architekten aus Köln umgebauten und erweiterten Wohnhauses ist interessant. Erbaut wurde es als sogenanntes Holzbehelfsheim Anfang der 1950er Jahre auf nur 40 Quadratmetern Fläche und mit nur einem Geschoss. Dies war insofern keine ungewöhnliche Größe, als jener Bautyp ursprünglich unter den Nationalsozialisten als behelfsmäßiger Wohnraum für ausgebombte Deutsche eingeführt worden war. Anfang der 1980er Jahre wurde das kleine Haus erstmals erweitert.

Hürther Nachbarschaft © rethmeierschlaich

 

Nun hat es seit 2013 eine weitere Wandlung vollzogen. Um das Einfamilienhaus in Hürth bei Köln an die Bedürfnisse des heutigen Besitzers anzupassen – es musste Raum für den Familienzuwachs sowie für die eigene Berufstätigkeit geschaffen werden – haben die Architekten das Grundstück in zwei Phasen nachverdichtet.

Dass es junge Familien in die Vorstädte zieht, um für das Leben mit Kindern den passenden Raum zu finden, mag nicht neu sein. Darüber hinaus weisen die Architekten in Bezug auf ihr Projekt auf ein weiteres Phänomen hin: Der Wohnraumbestand, den diese Familien heute in den Vorstädten vorfinden, genügt ihren Bedürfnissen nicht mehr, da sie Wohnen mit Arbeiten verbinden wollen und gleichzeitig ein Wohnumfeld suchen, das nicht der „uninspirierten Beziehung typischer vorstädtischer Einfamilienhäuser“ entspricht.

 

Blick in den Innenhof © rethmeierschlaich

 

Im Rahmen der ersten Umbauphase 2013/14 wurde das Gebäude daher zum Garten hin um eine Küche mit Essbereich erweitert. Außerdem wurde der Keller umgebaut, hier ist ein professionelles Tonstudio untergebracht. Durch die Erdgeschosserweiterung entstand ein Innenhof, der über eine Rampe mit dem Garten verbunden ist. Der Anbau wurde als verputzter Holzrahmenbau gefertigt, die hier verwendeten, mit Kratzputz versehenen HWL-Platten haben eine geringe Wandstärke von 26 Zentimeter, was unter anderem aufgrund des Platzmangels von Vorteil war. Der Keller wurde abgegraben, ist nun gut belichtet und hat eine Raumhöhe von drei Metern. Die Dächer, von den höher gelegenen Räumen aus sichtbar, wurden extensiv begrünt.

In einer zweiten Phase 2017/18 wurde das Haupthaus aufgestockt und die Hülle um neue Gauben, Fensteröffnungen und einen Balkon erweitert. Auch die Grundrisse wurden neu strukturiert. Im ersten Obergeschoss schufen die Architekten nutzungsoffene Räume, in denen die Bauherrin freiberuflichen Tätigkeiten nachgeht.

 

Raum nach oben mit einem neuen Stahltragwerk © rethmeierschlaich

 

Das farbige Stahltragwerk und die groben Sperrholzplatten haben tatsächlich nichts mehr mit den Interieurs klassischer Einfamilienhäuser gemein. Im neu geschaffenen Dachgeschoss befindet sich nun ein Elternschlafzimmer, und im Erdgeschoss haben die Kinderschlafzimmer Platz.

Kristina Herresthal

 

Dieser Beitrag erscheint mit freundlicher Empfehlung vom BauNetz, wo er zuerst veröffentlicht wurde.

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