Nachtansicht des Großen Offenbachplatzes © Förder Landschaftsarchitekten, Essen + UKW Innenarchitekten, Krefeld, Sanierung Bühnen Köln

Wettbewerb zur Möblierung der Offenbachplätze entschieden

Das Team Förder Landschaftsarchitekten aus Essen und UKW Innenarchitekten aus Krefeld ist Sieger des Gutachterverfahrens zur Möblierung des Offenbachplatzes. Damit setzten sie sich gegen fünf Wettbewerber durch und werden die Realisierung des Entwurfs leiten. Die Entwürfe der eingeladenen Teilnehmer wurden nach persönlicher Präsentation durch die Büros von einer fünfzehnköpfigen Beurteilungskommission unter Vorsitz von Gert Aufmkolk (Nürnberg) bewertet.

 

Lageplan des Wettbewerbssiegers © Förder Landschaftsarchitekten, Essen + UKW Innenarchitekten, Krefeld, Sanierung Bühnen Köln

 

Auch nach der Sanierung der Bühnen Köln werden der Kleine wie auch der Große Offenbachplatz städtebaulich und architektonisch von den Gebäuden Wilhelm Riphahns und den Platzanlagen von Jürgen Hans Grümmer definiert. Doch sollen sie in Zukunft als öffentlicher Raum für die Öffentlichkeit besser nutzbar und lesbar gemacht werden. Mit ihrem Entwurf für die Möblierung der Plätze möchten die Preisträger des Wettbewerbs Förder Landschaftsarchitekten, Essen + UKW Innenarchitekten, Krefeld  auf die vorhandenen Formen des denkmalgeschützten Bestandes reagieren und die Maßstäblichkeit der Umgebung aufnehmen. In diesem Sinne vervielfältigen sie den Ring als Grundfigur des Brunnes und legen ihn an vier Stellen der Plätze als ringförmige, große Sitzskulpturen um die vorhandenen Bäume sowie an eine Ecke der Außengastronomie auf dem Kleinen Offenbachplatz.

Ansicht des Großen Offenbachplatzes bei Tag © Förder Landschaftsarchitekten, Essen + UKW Innenarchitekten, Krefeld, Sanierung Bühnen Köln

Bühnenringe

Die strenge geometrische Ordnung  der Platzgestaltung korrespondiert mit der Scharfkantigkeit und den dynamischen Winkeln der Gebäudekanten. Der aus der Form des Brunnens abgeleitete Ring, fügt sich selbstverständlich in das Gesamtgefüge ein. Die pointiert gesetzten Bäume geben den Ort der Ringe vor und siehe da – die Orte der Bäume werden durch die Hinzufügung der Ringe sogar noch gesteigert. Die steigenden Durchmesser der Ringe ergeben zusammen mit dem Brunnen eine geordnete Systematik.

Die Formgebung der unendlichen Sitzbank nimmt sich der dynamischen Formensprache der Gebäude an. Das Profil der Bank wird an den Durchgängen sichtbar. Nach außen ist die Formgebung und Profilierung der Bänke so gewählt, dass eine Leichtigkeit, ein schwebender Charakter entsteht, die dem denkmalgeschützten Umfeld Respekt zollt. Die abgeschrägten Flächen verleihen der Bank eine gewisse Eleganz und Eigenständigkeit. Die Abschrägung auch an der Innenseite hat zudem einen ergonomischen Nutzen. Die beiden möglichen Sitzpositionen verlangen vom Nutzer eine bewusste Entscheidung – in den Stadtraum gerichtet oder zum Baum als Zentrum des Ringes. Die Lichtlinie ist an der Innenseite in einer Schattenfuge versteckt, um den direkten Lichtaustritt unsichtbar und blendfrei zu gestalten. Die Form der Ringe wird so auch nachts sichtbar und markiert die Bäume als helle Sitzinseln im Stadtraum, als besonders atmosphärische Orte. Sie erzeugen als Kreisform eine gewisse Geborgenheit. Es entsteht eine neue Maßstäblichkeit, die in Kontrast zu den weitläufigen Platzformaten steht. Die Bäume dienen gleichzeitig als willkommener Schattenspender.

Jeweils zwei Zugänge gewähren die barrierefreie Zugänglichkeit. In der Schnittdarstellung sind Aufstehhilfen/Armlehnen dargestellt, deren Anzahl und Position im weiteren Planungsverlauf zu klären wäre. Die Bänke sollen aus Beton erstellt werden und werden somit das ganze Jahr über ohne zu große Temperaturschwankungen benutzbar, ohne größeren Pflegeaufwand. Somit entsteht auch morphologisch ein zusammenhängendes Bild. Auf dem kleinen Offenbachplatz verschränkt sich der größte der vier Ringe mit der  Sommermöblierung der Außengastronomie und macht sie zum Teil des Ganzen. Zwei Pollerreihen schirmenden zu schützenden Bereich unauffällig ab. Bei einer abgewickelten Länge aller vier Ringe von 170 Metern und angenommener Sitzfläche von 70 cm je Nutzer, ergäben sich insgesamt eine stattliche Anzahl von 242 Sitzplätzen.

 

Oberflächenqualitäten

Bei den Sitzelementen handelt sich um eine Konstruktion aus faserarmiertem Beton mit einer Bewehrung aus Glas- oder Carbonfasern, einem mineralisches Material, das eine Herstellung in maximaler Elementgröße erlaubt. Die Formgebung ist möglichst materialsparend entwickelt. Die Oberflächengüte des Textilbetons entspräche der für Betonoberflächen mit besonders hoher gestalterischer Bedeutung für repräsentative Bauteile im Hochbau. Instandhaltungs- und Folgekosten wären hiermit weitegehend ausgeschlossen. Textilbeton gilt als sehr nachhaltig, ideal für derartige öffentliche Bauaufgaben. Inwieweit eine Elementierung lösbar konstruiert wird und gegebenenfalls Transportöffnungen vorgesehen werden, ist im Verlauf des Projektes zu klären. Die Farbgebung der Textilbetonelemente orientert sich an den historischen Oberflächen des Brunnens und der Fassade des Opernhauses. Die Armlehnen sollen aus vorpatinierter Bronze hergestellt werden.

 

Ansicht des Kleinen Offenbachplaztes, Verschränkung von Außengastronomie und Platzmöblierung © Förder Landschaftsarchitekten + UKW Innenarchitekten, Sanierung Bühnen Köln

Denkmalschutz und Alltagstauglichkeit

„Aus Sicht der Jury war entscheidend, dass der Entwurf von Förder Landschaftsarchitekten einen neuen gestalterischen Akzent auf dem Offenbachplatz setzt und sich dabei zugleich einfühlsam in die von Jürgen Hans Grümmer und Wilhelm Riphahn geprägte, denkmalgeschütze Umgebung des Platzes einfügt. Die prägenden vier Ringe führen die Brunnenform in den Sitzelementen weiter, es entsteht somit eine produktive Spannung zur strengen Geometrie des Riphahn-Baus. Aus den Skizzen von Förder Landschaftsarchitekten konnten wir insgesamt ein belebendes Maß zeitgemäßer Urbanität herauslesen, das sehr gut in die kreative Metropole Köln passt“, so Aufmkolk. Neben der gestalterischen Qualität waren der Alltagsnutzen und ein hinreichendes Maß an Robustheit wichtige Bewertungskriterien. „Förder Landschaftsarchitekten hat in seiner Präsentation eindrucksvoll demonstriert, dass die Möbel für den Außeneinsatz nachhaltig konstruiert sind. Das bedeutet nicht nur eine entsprechende Witterungsbeständigkeit, sondern auch die bestmögliche Imprägnierung gegen Vandalismus“, führt Aufmkolk aus. „Es war für alle Beteiligten ein zentrales Anliegen, nicht nur eine gestalterisch hochwertige, sondern auch eine im besten Sinne alltagstaugliche, komfortable, langlebige Lösung zu finden, die für die Stadt wirtschaftlich instand zu halten ist“, resümiert der Jury-Vorsitzende.

Mit den notwendigen Ausschreibungen soll so rechtzeitig begonnen werden, dass die Möblierung zum Abschluss der Sanierung der Bühnen Ende 2022 aufgestellt ist. Für die Möblierung des Offenbachplatzes hat der Rat der Stadt Köln ein Budget von 470.000 Euro zur Verfügung gestellt.

 

uw | Förder Landschaftsarchitekten, Essen + UKW Innenarchitekten, Krefeld

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