"Wettbewerbe sind für unser Büro sehr wichtig", sagt Stefan Behnisch, "denn fast alle unsere Aufträge werden durch Wettbewerbe generiert.“ In seinem Vortrag in der Fritz Thyssen Stiftung spricht er auch über unterschiedliche Wettbewerbssysteme, besonders beliebt im Büro Behnisch ist die angelsächsische Methode, die Interview-Wettbewerbe, die dort liebevoll auch Beauty-Contest genannt werden. ©JUNG / Fotograf: Markus Eichelmann

Das 13. JUNG Architekturgespräch in Köln diskutierte die Rolle von Wettbewerben

„Der Architekturwettbewerb sichert uns die Qualität der gebauten Umwelt“, heißt es so schön in den diversen Fachmedien und immer wieder im kontroversen Architekturdiskurs. Fakt ist jedoch, dass der Wettbewerb in den deutschsprachigen Ländern Deutschland, Österreich und der Schweiz mit einem Verfahrensmanagement einhergeht, das viele Büros vor große Hürden und selbst die großen, renommierten Büros oft vor Schwierigkeiten stellt, genug gebaute Referenzen für die Zulassung zum Wettbewerb vorzuweisen. Bei den 13. JUNG Architekturgesprächen am 7. Juni 2018 in Köln berichteten Stefan Behnisch von Behnisch Architekten (Stuttgart/München/Boston) und Werner Frosch von Henning Larsen (München/Kopenhagen) über ihre Strategien für einen erfolgreichen Wettbewerb. Dirk Bonnkirch, competitionline und Thomas Hoffmann-Kuhnt, wettbewerbe aktuell, diskutierten in der anschließenden Podiumsdiskussion, moderiert von Dr. Thomas Welter, Bundesgeschäftsführer des BDA, über die Chancen, die der Wettbewerb birgt und die Verantwortung einer guten Fachjury, die maßgeblich zur Qualität des später Realisierten beiträgt.

Ein Nachbericht:

Es zählt ein gutes Konzept

Stefan Behnisch stellte Wettbewerbsbeiträge über eine Zeitspanne von rund 40 Jahren vor, angefangen beim Entwurf für das Olympiaareal 1972 in München bis zu aktuellen Arbeiten, wie hier „adidas World of Sports“ von 2014 ©JUNG / Fotograf: Markus Eichelmann

 

 

Stefan Behnisch kritisierte in seinem Vortrag die wachsenden Anforderungen an die Abgabeleistung bei Wettbewerben im deutschsprachigen Raum: Es würde heutzutage eine Detailtiefe verlangt, die unnötig sei, um eine starke Idee zu präsentieren. Er zeigte Wettbewerbsskizzen des Entwurfes für das Olympiaareal 1972 in München. Die Pläne transportierten auf einfachste Art und Weise ein Konzept und ließen den nötigen Diskussionsspielraum bis zur Realisierung. Er kritisierte die Darstellungsform des fotorealistischen Renderings, bei dem die Entscheider sich oft nur auf ein Bild festlegen, die Entwurfsidee jedoch vernachlässigen würden. Anhand weiterer internationaler Projekte wie dem Genzyme Center, der adidas World of Sports oder dem MAHLE Future veranschaulichte er, wie bei Behnisch Architekten Wettbewerbe gewonnen werden.

MAHLE Future © Behnisch Architekten

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Der Wettbewerb dient der Gesellschaft

Werner Frosch stellte erfolgreich umgesetzte Wettbewebsgewinne vor, hier NORDEA Headquarters, und erzählte warum für ihn glückliche Nutzer wichtig sind. ©JUNG / Fotograf: Markus Eichelmann

 

Werner Frosch, Henning Larsen GmbH, München/Kopenhagen präsentierte die skandinavischen Intentionen des Architekturwettbewerbs. Die Zulassungsbeschränkungen in Dänemark beispielsweise sehen bei jedem Wettbewerb eine Wildcard für Newcomer vor, durch die auch junge Büros die Chance erhalten, an zulassungsbeschränkten Wettbewerben teilzunehmen, ohne die passenden Referenzen mitbringen zu müssen. Am Projekt SIEMENS Headquarters in München, das aus einem Wettbewerbsgewinn hervorging, demonstrierte er die Arbeitsweise des Büros Henning Larsen und wie Architektur eine gesamte Unternehmenskultur positiv beeinflussen kann. Er präsentierte weitere realisierte Projekte mit Wettbewerbshistorie und dem kontextuellen Ansatz des nachhaltigen Bauens.

Frankfurt School ©Henning Larsen / Foto: Hufton+Crow

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Transformation im ländlichen Raum

Maike Hunds präsentierte als Newcomerin ihren Masterplan der Akademie für Holz und Design in Weywertz – eine Neuinterpretation eines alten Sägewerks, bei dem Wohnen und Arbeiten integriert im ländlichen deutsch-belgischen Grenzgebiet funktionieren. Um den Menschen ein lukratives Umfeld auf dem Land bieten zu können, müsste eine Bindung und Identifikation an den Ort geschaffen und die Attraktivität auch für junge Menschen erhöht werden. Mit dem Projekt gewann die Absolventin der RWTH Aachen den 1. Preis des waAwards 2017.

 

Nicole Heptner

 

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