Der Karl-Küpper-Platz ist momentan sicher einer der traurigsten Orte in Köln. Soll er bleiben, verlegt oder ein Kinderspielplatz werden - im Verfahren gab es unterschiedliche Ansichten dazu © Uta Winterhager

Noch keine Entscheidung im städtebaulichen Verfahren für das Laurenz-Carré

Seit März beobachten wir das städtebauliche Verfahren für das Laurenz-Carré. Damals stellten die sechs von der Stadt Köln und dem Investor, der Düsseldorfer Gerch-Group, augewählten Architekturbüros ihre Entwürfe für die Entwicklung dieses wichtigen Areals zur Diskussion.

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Am 8. Mai wurden nun im Gürzenich-Foyer die überarbeiteten Entwürfe präsentiert. Während die Jury hinter verschlossenen Türen im Sentats-Hotel tagte, stellten die Architekten ihre Entwürfe der Presse und der Öffentlichkeit vor, anschließende Kojengespräche machten ein Angebot zur Klärung individueller Fragen.

Und noch einmal muss an dieser Stelle betont werden, dass es sich hier um ein städtebauliches Verfahren handelt, auch wenn sechs Architekten nach Lösungen suchen, auch wenn Fassaden gezeichnet wurden, um Räume zu illustrieren. Wir haben uns an dieser Stelle bewusst entschieden, die Visualisierungen nicht zu zeigen, damit die Diskussion um den städtischen Raum nicht wieder in einer fruchtlosen Fssadendiskussion endet.

Im Fokus des Verfahrens steht weiterhin die Gestaltung eines städtebaulich tragfähigen Gerüsts in Form von Durchwegungen, Vernetzungen und Platzabfolgen. Weiterentwickelt und dieskutiert wurde auch die Maßstäblichkeit der Baukörper sowie ihre Höhenentwicklung, die funktionsfähige Verteilung der geforderten Wohnen, Einzelhandel, Hotel, Büro und Verwaltung und die Integration des denkmalgeschützten Senats-Hotels. Während Stadt und Investor gleichermaßen interessiert sind an der qualitativen Aufwertung Planungsgebietes, legt die Stadt großen Wert auf die Sichtbarmachung der Via Culturalis, während die Gerch-Group naturgemäß eher an der marktgerechten und Umsetzung und der zukünftigen Rendite der geforderten 33.000 Quadratmeter BGF auf dem 9.000 Quadratmeter großen Grundstück interessiert ist. Kaum etwas drang aus der Jury-Sitzung nach außen, aber es scheint so, als ob es die Höhen gewesen sind, die keine Einigung zuließen. Nun haben vier der sechs Büros noch einmal die Möglichkeit nachzuarbeiten, ksg kister scheithauer gross (Köln), Schilling Architekten (Köln), Architekt Krischanitz (Wien) und Henning Larsen (Kopenhagen) sind noch im Rennen, während ingenhoven architects (Düsseldorf) und baumschlager eberle (Lustenau, A) nach dieser Runde ausgeschieden sind.

Mit Ergebnissen der dritten Phase wird noch vor der Sommerpause gerechnet.

ksg kister scheithauer gross

Lageplan Laurenz-Carré 2. Phase @ ksg

 

Das Kölner Büro ksg hatte sich in der Überarbeitung von der Idee verabschiedet, das denkmalgeschützte Senatshotel durch eine Markthalle zu ersetzen. Die städtebauliche Konfiguration blieb mit zwei deutlich ausgebildeten Achsen ähnlich grobkörnig, wurde jedoch noch weiter ausgearbeitet. Entscheidend gewonnen hat der Entwurf durch die Verlegung des Karl-Küpper-Platzes von seiner jetzigen unglücklichen Position an Marspfortengasse in die Ost-West-Achse der hier für den Durchgangsverkehr gesprerrten Budengassen. Schilling Architekten haben diese Idee bereits in der ersten Phase des Verfahrens präsentiert, doch der von ksg ausgebildete Platz ist deutlich kleiner und intimer gestaltet. Einen starken Gebäudekopf (bzw. eine „Adresse“) erhält der Nordblock, der mit sieben Bürogeschossen auf den Roncalliplatz blickt. Entlang der Via Culturalis, die hier Unter Goldschmied aufgenommen wird, versuchen die Architketen jedoch, die Höhe schnell mit Staffelgeschossen auf die als angemessen betrachteten fünf zu reduzieren. Den Nordblock teilt nun eine schmale Gasse, im östlichen Bereich schließt sich ein Hotel an, dessen Eingang mit dem des erweiterten Senatshotels nun an der Budengassen-Achse liegt. In dem kleineren westlichen Block, der noch zwei unverkäufliche „Fremdgrundstücke“ enthält, planen ksg Büros.

Der südliche Block schließt sich weiterhin zu einer großen Figur. Das neu gebaute Bezirksrathaus und ein Wohntrakt schließen sich um einen quadratischen Hof, eine begrünte, nicht öffentliche „Oase“. Die Höhen entwickeln sich von fünf (den Maßstab legte das Senatshotel fest) mit Staffelgeschossen von 5+1 bis 5+2.

Die Zufahrt zu den Tiefgaragen der beiden Blocks erfolgt über die Sporergasse. Unter Goldschmied bleibt zur Betonung der kulturellen Bedeutung der Via Culturalis frei von Haltebuchen. Urbane Qualitäten schreib Johannes Kister seinem Entwurf zu. Positiv zu bewerten ist hier die Eindeutigkeit des öffentlichen und halböffentlichen Raumes, eine sinnhafte Betonung der relevanten Achsen und damit eine eindeutige Orientierung.

Schilling Architekten

Lageplan Laurenz-Carré 2. Phase @ Schilling Architekten

 

Der Entwurf von Schilling Architekten betont ein starkes Achsenkreuz. Die Nord-Süd-Achse bildet die Straße Unter Goldschmied, die als Via Culturalis eine besondere Betonung erfährt. Die Ost-West-Achse entsteht in der Budengasse, die durch den an die Kreuzung mit der Marspfortengasse verlegten Karl-Küpper-Platz, eine deutlich einladende Geste vollführt und die Lage der angrenzen Gebäude deutlich aufwertet. Schilling schaffen so eine Aufteilung des Grundstück in vier Baublöcke. Die großen, mit und ohne Staffelgeschosse sieben Geschosse hohen Volumina werden mit kleinen Innenhöfen geöffnet, die langen Fassadenabwicklungen sollen durch ihre Länge eine maximale stadträumliche Wirkung entfalten können. Das Senats-Hotel soll an drei Seiten, nicht jedoch in der Höhe, ergänzt werden, um allseitig repräsentative Ansichten zu bieten. Davon losgelöst, abgetrennt mit einer bis zum Dom durchgeführten schmalen Gasse, wird der Neubau für das Bezirksamt platziert. Einige Aspekte, so zum Beispiel die durchgehende Pflasterung in Grauwacke oder die Schließung der Arkaden des Senats-Hotels zu Schaufenstern. Allerdings setzen sie bei der Verteilung der Nutzungen auf die einzelnen Gebäude noch auf Flexibelität.

 

Henning Larsen

Lageplan Laurenz-Carré 2. Phase @ Henning Larsen

 

Interessant an der vorstellung des Entwurfs von Henning Larsen, war, dass er mit einem Geständnis eingeleitet wurde, denn normalerweise würden sie mit der Architektur beginnen und den Städtebau dann in den Zwischenräumen entstehen lassen, hier sei aber das umgekehrte Vorgehen gefordert…

Das dänische Büro zeigte von allen Teilnehmern die gröbste Körnung der Bebauung. Zwei deutliche Baukörper formen sie aus, den nördlichen L-förmig mit einem sechsgeschossigen , dem Dom zugewandten Kopf als durchlässiges Carré, den südlichen als ein Konglomerat von vier Elementen, die mit drei kleineren Höfen in Verbindung miteinander treten. Die beiden Plätze belassen sie an ihrer Position, wollsen sie jedoch duch eine bessere Vernetzung stärken. Die rückwärtige Erschließung über die Marspforten- und Sporergasse entlastet die als shared space gestaltete Via Culturalis vom Durchgangsverkehr. Denn dort, Unter Goldschmied und an der Großen Budengasse befinden sich die Hauptzugänge in die Gebäude. Hier soll die Erlebnisdichte des neuen Quartiers am höchsten sein. Den laurenzplatz definieren Henning Larsen als Plattform für Veranstaltungen und Dienstleistungen. Um die Via Culturalis zu stärken, betonen sie die Achse mit klaren Gebäudekanten Unter Goldschmied.

Das Quartier soll durch die Nutzungsmischung eine Belebung erfahren. Daher sind hier in den Erdgeschossen Ladenlokale für hochwertigen Einzelhandel geplant, während die Etagen darüber für Hotel, Büros oder Wohnungen genutzt werden sollen.

Was man auf diesem Plan nicht sieht, ist dass Henning Larsen den Neubau der Historischen Mitte ignorieren und den Blick vom Roncalliplatz links mit dem Kurienhaus fassen.

Architekt Krischanitz

Lageplan Laurenz-Carré 2. Phase © Architekt Krischanitz

 

Krischanitz verfolgten weiter ihren Entwurf aus der ersten Runde, der auf dem historischen Reinhardtplan von 1751 basierte. Daraus abgeleitet ist die Blockrandbabauung mit den inzwischen fünf innenliegenden Gartenhöfen. Krischanitz wertete den nördlichen Block durch seine Nähe zum Dom und zur geplanten Historischen Mitte  deutlich höher und verordnete ihm einen entsprechenden gestalterischen Auftritt, der ein hohes Wahrnehmungspotetial entfalten müssen.

Trotz der großen Volumina suchte Krischanitz differenzierte Einzelhauslösungen, die sich in der Fassadenhöhe und in der Fassadenausbildung abzeichnen sollen und damit auch den Nutzungsmix auf repräsentative Weise widerspiegeln. Verbunden sind die Blöcke jedoch durch die Parkhäuser im Untergeschoss und die durchgehend als Gewerbeflächen gestalteten Erdgeschosse. Die gärtnerisch gestalteten Höfe, die in dieser Phase etwas größer geworden sind, werden damit ins erste oder sogar ins zweite Obergeschoss angehoben.

Die Plätze bleiben an ihren derzeitigen Positionen, für den Karl-Küpper-Platz ist ein Kinderspielplatz angedacht.

 

baumschlager eberle architekten

Lageplan Laurenz-Carré 2. Phase © baumschlager eberle architekten

 

Das östereichische Büro ist mit dem Konzept des „Dom Deltas“ nach dieser Phase ausgeschieden. Zu viele Wege führen duch die Blockinnenräume, die Achsen und Plätze verlieren sich in dieser zergliederten Struktur, die eine Orientierung und Ausrichtung von WEgen und Blicken kaum zulässt.

 

 

ingenhoven architects

Lageplan Laurenz-Carré 2. Phase © ingenhoven architects

 

Ein Faktor für das Ausscheiden des Düsseldorfer Büros war möglicherweise das als Turm ausgebildete Bürgerzentrum – so weit hoch, hatte sich in Domnähe kein weiteres Büro gewagt. Auch haben sich ingenhoven architects als einzige dafür entschieden, das Areal mit sechs solitären Baublöcken zu besetzen, die alle allseitig Adressen ausbilden und mit Tagslicht belichtet werden können.

 

Uta Winterhager

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