Ansicht des geplanten Erweiterungsbaus für das Wallraf-Richartz-Museum. Wettbewerbsentwurf von Christ & Gantenbein, November 2013 © Christ & Gantenbein, Basel

Die Stadt sucht Investoren für eine Architekturikone mit hohem Nutzwert

Am Mittwoch, dem 13. April 2016, hat die Stadt Köln den Investorenwettbewerb für den Erweiterungsbau des Wallraf-Richartz-Museums & Fondation Corboud auf dem Grundstück des ehemaligen Kaufhaus Kutz in Kombination mit zusätzlichen Büro-, Geschäfts-, Wohnflächen offiziell ausgeschrieben. Auf dem Nachbargrundstück  des Musuems zwischen Martin- und Steinstraße.
Der nun europaweit ausgelobte Wettbewerb endet am 6. Juni 2016, um 10 Uhr. Interessierte können sich die Ausschreibungsunterlagen auf dem Vergabemarktplatz der Stadt Köln herunterladen.

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Mit großem Verbesserungspotential: Bestandsituation 2014 als das Grundstück des Kaufhaus Kutz temporär von der KVB genutzt wurde. @ Uta Winterhager

 

Der Rat der Stadt Köln hat im Dezember 2014 beschlossen, das Museumsgebäude von einem Investor bauen zu lassen und es anschließend von diesem im Teileigentum zu erwerben.Grundlage für die Bebauung ist der Entwurf des Basler Büros Christ & Gantenbein, das im November 2013 den Architektenwettbewerb gewonnen hatte. Der Juryvorsitzende Bernhard Wiking aus Hamburg begründete die Entscheidung unter anderem damit, dass die Erweiterung den Geist des Museums fortführen werde und dem Vergleich mit dem Ungersbau standhalte ohne ihn zu imitieren. Dies jedoch auf ganz andere Weise als erwartet und im beschränkt ausgelobten Realisierungswettbewerb gefordert, denn sehr selbstbewusst hatten sich Christ & Gantenbein über die Auslobung hinweg gesetzt: Mit einem prägnanten dreigeschossigen Museumskopfbau und einer deutlich davon abgesetzten Stadtbebauung im hinteren Bereich des Grundstücks umgingen sie die zentrale Forderung nach einem 1.000 qm großen Ausstellungssaal im Untergeschoss des Neubaus, die zu einer horizontalen Staffelung der Funktionen geführt hätte. Innerhalb des backsteinernen Gefüges bleiben die einzelnen Stadtbausteine erkennbar, die jeweilige Funktion bestimmt den Grad der Fassadenöffnung.

 

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Ansicht Obenmarspforten des geplanten Erweiterungsbaus für das Wallraf-Richartz-Museum. Wettbewerbsentwurf von Christ & Gantenbein, November 2013 © Christ & Gantenbein, Basel

 

Städtebaulich erinnert diese Figur an den benachbarten Gürzenich. Zum Marsplatz präsentiert sich die Museumserweiterung mit einer geschlossenen Backsteinwand, die über der Attika sichtbaren Oberlichter erscheinen wie Zinnen einer wehrhaften Festung. Doch die Architekten spielen mit der Kleinteiligkeit des Mauerwerks und erzeugen durch unterschiedliche Formate und Färbungen der Steine eine dezente horizontale Schichtung, mit der sie auf die Geschichte des Ortes verweisen möchten. Und noch ein Bild findet in der Fassade Verwendung, dort, wo der aufgebrochene Sockelbereich den schweren Bau aus der Erde zu stemmen scheint, werden in den Stützen und Streben die Namen der Museumsstifter sichtbar. Nicht auf den ersten Blick und nicht aus jeder Position, aber die Geste ist da – auch wenn sie, wie Christ selbst feststellen musste, vielleicht ein wenig pathetisch wirkt.

Er habe den Ungersbau neu schätzen gelernt, sagte Christ damals. Verständlich also, dass er das Foyer wieder in den ursprünglichen Zustand zurückführen möchte. Nicht ganz uneigennützig, denn nur in der freigeräumten Eingangshalle kann die lange Treppe ins Untergeschoss eingesetzt werden. Dass diese Treppe, über die der Erweiterungsbau erschlossen wird, schräg in Ungers dogmatischem Raster sitze sei keine Willkür und kein Affront, erklärte Christ, sie folge der Flucht, die das „Haus zur Roten Tür“, eine im Untergeschoss des Museums integrierte Ausgrabungsstätte, vorgebe. Über eine Verbindungshalle unter der Martinstraße werden die Besucher in den unteren der drei Ausstellungsräume des Erweiterungsbaus gelangen. Zwei Treppenhäuser verbinden die übereinander liegenden Ausstellungsräume und erschließen Cafe und Museumspädagogik sowie die technischen Nebenräume. Als klassisch und flexibel charakterisieren die Architekten die Ausstellungsräume, die erst in der Addition der Flächen auf die gewünschten 1.000 qm kommen. So wird das Museum noch einmal neu denken müssen, wie die Ausstellungen in Zukunft gezeigt werden. Doch der Direktor des Museums, Marcus Dekiert, zeigte sich glücklich mit der Entscheidung und verwies auf die hohe Kompetenz von Christ & Gantenbein im Museumsbau, die sie derzeit in Basel und Zürich unter Beweis stellen.

 

Uta Winterhager

 

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