Foto: Ragnhild Klußmann

Startschuss für die Parkstadt Süd und das Beteiligungsverfahren

Städtebauliche Planungen benötigen viel Zeit und Geduld. So wird es auch bei der Entwicklung für die Parkstadt Süd sein. Nicht nur, dass hier eine Idee weitergeführt wird, die mit der Grüngürtelplanung in den 1920er Jahren unter Konrad Adenauer vom Stadtplaner Fritz Schumacher begonnen wurde und immer noch oder gerade jetzt im Kölner Süden aktuell wird. Damals wurde die Planung von Güterverkehrstrassen, Großmarkt und großen Gewerbeflächen südlich der Luxemburger Straße unterbrochen. Nun scheint die Zeit gekommen zu sein, in der die Entwurf des Grüngürtels endlich weitergeführt werden kann. Auf einer Fläche von 115 Hektar rund um das Gleisdreieck, den Großmarkt und dem Südstadion bis zum Friedenspark am Rhein wird nun neben der Parklandschaft ein ganz neues Stadtquartier entstehen. Die Entwicklung der Parkstadt Süd mitten in der Stadt muss sich mit so ziemlich allen Themenbereichen der aktuellen Stadtentwicklung auseinandersetzen. Viel Zeit wird es also kosten und viel Geduld, bis aus den nun begonnenen Plänen Realität werden kann.

01 Einführung Hoeing

Franz-Josef Höing erläutert vor circa 350 Bürgern das Planungsverfahren zur Parkstadt Süd auf der Auftaktveranstaltung am 18. April in der Uni-Mensa. Foto: Ragnhild Klußmann

 

Ehrgeiziger Planungsprozess

Auch wenn die Verlegung des Großmarktes bereits vom Rat beschlossen wurde, bleiben im Rahmen dieser komplexen Aufgaben unzählige Fragen zu bewältigen: welche Nutzungen und Gebäude können integriert werden, was also bleibt erhalten und was muss der neuen Entwicklung weichen? Wie kann an den bestehenden Grüngürtel bei all den Verkehrsachsen angeschlossen werden? Und wie sieht überhaupt ein zeitgemäßes gleichermaßen urbanes, ökologisches und sozial gemischtes Stadtquartier aus? All diese Fragen haben nicht nur die fünf ausgewählten Planungsteams aus Stadt- Landschafts- und Verkehrsplanern zu beantworten. Auch die Bürger sind in einem breit angelegten Beteiligungsverfahren aufgerufen, sich für diesen Planungsprozess zu engagieren.

04 Gegensätze im Gebiet

Vielgestaltig zeigt sich der Kölner Süden aktuell. Ein ehrgeiziger Planungsprozess soll hier ein urbanes, ökologisches und sozial gemischtes Stadtquartier entstehen lassen. Foto: Ragnhild Klußmann

 

Bürgerbeteiligung- (wie) geht das?

Unter dem Baudezernenten Franz-Josef Höing soll die Parkstadt Süd ein innovatives Stadtquartier werden. Und das beginnt zunächst mit einem ehrgeizigen Planungsprozess. In seiner Einführung zum „Kooperativen Planungsverfahren“ stellt Höing in der Unimensa am 18. April die ersten Schritte in diesem langen Entwicklungsprozess vor und warnt alle interessierten Bürger „Nehmen Sie sich in den nächsten Jahren nicht zu viel anderes vor.“ Denn das Beteiligungsverfahren wird für alle aufwendig werden. Nur so kann es auch Ergebnisse von Gehalt für eine Planung generieren. Denn in einem so großen „Stück Stadt“ gibt es viele unterschiedliche Interessen: Akteure, Vereine und Bürgerinitiativen, Politiker, Fachleute und vor allem Menschen, die dort leben oder arbeiten sind dem Aufruf gefolgt, an dem Planungsverfahren teilzunehmen. Die Vielzahl an Kritik, Ideen und Vorschlägen zu formulieren und mit den Planungsideen der Teams zusammen zu führen, dafür braucht es ein eigenes Konzept. Die Stadt Köln hat sich dafür professionelle Hilfe geholt. Klaus Overmeyer vom Berliner Büro Urban Catalysts ist auf Bürgerbeteiligungsverfahren spezialisiert und moderiert gemeinsam mit Neubig Hubacher aus Köln den gesamten Planungsprozess. Es sind zahlreiche öffentliche Veranstaltungen bis November geplant, die die Wettbewerbsphase der Planungsteams begleiten und bereichern sollen. Dann werden die Wettbewerbsergebnisse zur Rahmenplanung vorgestellt. Auch die Fachplaner nehmen an den Veranstaltungen teil und können Kritik und Anregungen aus der Bürgerschaft in ihre Vorschläge für die Parkstadt Süd einbeziehen. Auf diese Weise kann es auch immer wieder einen direkten Austausch zwischen Planern und Bürgern geben, der für eine wirkliche Kooperation im Planungsprozess unumgänglich ist.

08 Stadtspaziergang

Auf den Stadtspaziergängen werden die Gegensätze im Quartier und die Schwierigkeiten der Aufgabe deutlich. Und jeder hat einen anderen Blick: es wurde heftig diskutiert- und schon viele Ideen entwickelt. Foto: Ragnhild Klußmann

 

Stadtspaziergänge, Themenabende und Diskussionsforen

Bereits zur Auftaktveranstaltung erschienen circa 350 Bürger und starteten auf sechs verschiedenen Stadtspaziergängen durch das Gebiet, um Talenträume und Problemstellen zu kartieren, zu diskutieren und bekannte Orte neu zu entdecken. In der anschließenden Präsentation der Ergebnisse wurden bereits viele wesentliche Punkte und Fragen angesprochen, die in den kommenden Monaten diskutiert und bearbeitet werden müssen: Wie kann jenseits von Planungsverordnungen eine urbane und vielseitige Mischung aus Wohnen und Arbeiten, aus Verkehr und Gewerbe, aus Park und Bebauung entstehen, die auf engen Raum zusammentrifft ohne sich gegenseitig zu stören? Wie ist es trotz aller wirtschaftlichen Interessen und Zwängungen möglich, ein wirklich sozial gemischtes Stadtquartier mit verschiedenen Wohnungsangeboten zu entwickeln, in denen auch geförderter Wohnungsbau eine ernst zu nehmende Rolle spielt? Und schließlich: wie schafft man es, trotz Abbruch und Neuplanung in ganz großem Stil auch ein wenig Freiheit für ungeplanten Orte zu erhalten?

Nach dem ersten Eindruck aus den Quartieren geht es im Mai nun mit den sogenannten Themenabenden weiter. Hier soll zu bestimmten Fragestellungen fokussierter debattiert werden. Ein guter Beteiligungsprozess kann nur mit vielen engagierten und interessierten Bürgern geführt werden. Die Kölner Bürger haben einen guten Auftakt gestaltet. Wir sind gespannt, wie es weitergeht.

 

Ragnhild Klußmann

 

Dies sind die beteiligten Planungsbüros:

ASTOC GmbH & Co. KG  Architekten und Planer, Köln, mit
GROSS.MAX.LTD  Landschaftsarchitekten Edinburgh/UK

AS&P, Albert Speer und Partner GmbH, Frankfurt/M mitKLA kiparlandschaftsarchitekten GmbH, Duisburg

KCAP Architekten und Planer, Rotterdam/NL mit
Atelier Dreiseitl  Landschaftsarchitekten, Überlingen,
office03 Waldmann&Jungblut PartG mbB i.G.  Architekten, Köln

RMP Stephan Lenzen, Landschaftsarchitekt, Bonn mit
O&O Baukunst Architekten und Planer, Köln
BSV Büro für Stadt- und Verkehrsplanung Dr. Reinhold Baier GmbH, Aachen
BCE Björnsen Beratende Ingenieure. Koblenz
West 8 urban design & landscape, Rotterdam/NL

 

Hier ein Überblick über die Themenbereiche und die öffentlichen Termine der nächsten Monate.

 

Lesen Sie auch zum Thema: Große Pläne, Startschuss für die Parkstadt Süd und die Verlängerung des Inneren Grüngürtels bis zum Rhein

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2 Antworten auf “Talenträume und Problemstellen”

  1. Jens Schellhase

    Ich fände es sehr wichtig, aus den Fehlern der „Charta von Athen“ mit ihrem ganzen aufgelockertem Käse und autogerechtem Wahnsinn zu lernen und zu versuchen ein „richtiges“ Stadtquartier zu schaffen. Vor etwas mehr als hundert Jahren (bevor die ganze europäische Kultur vierzig Jahre zu Klump geballert wurde) war man da schon etwas weiter.

    Wenn man sich Viertel wie Ehrenfeld, das Agnesviertel, die Südstadt oder das Belgische anschaut, oder einen Blick in andere altstädtische Quartiere anderer Städte wirft – und beobachtet, wie gerne diese bewohnt werden – wird klar, dass man die Utopien besser im Schrank lassen sollte und versuchen sollte, wieder eine verdichtete, individuelle und ästhetische Stadt zu errichten, keine verkopften Würfel die nur im Rendering gut aussehen und von der Straßenperspektive aus dann kalt, hässlich und abweisend.

    Ich empfehle den Umgang mit dieser Architektur-Bewegung: https://www.wikiwand.com/de/New_Urbanism

    Vielleicht schaffe ich es ja zu einem der Treffen. Wäre sicher spannend.

    Antworten
    • Matthias Unland

      Zunächst müsste mal geklärt werden, warum der Großmarkt nach Marsdorf umziehen soll ! Die Stadt Köln muss dort noch Grundstücke käuflich erwerben. Ohne diesen Ankauf geht es nicht. Dann muss die Infrastruktur (Neubau von Straßen, Schienen, Brücken etc.) geplant und finanziert werden. Über diese Probleme redet keiner. WARUM NICHT ????

      Antworten

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