Ein Himmelszelt für Köln. Foto: Robert Winterhager

Frei Ottos Sternwellenzelt über dem Tanzbrunnen

Nach eigener Aussage hat Frei Otto viele Luftschlösser ersonnen. Eines davon ist das Sternwellenzelt über dem Tanzbrunnen am südlichen Ende des Rheinparks. Als anlässlich der Pressa 1928 der von dem neu gebauten Staatenhaus gebildete Platz umgestaltet wurde, entstand in dessen Mitte das Große Rondell, ein kreisrunder Brunnen mit 55m Durchmesser und einem begehbaren Plateau. Zur Feier des 1900jährigen Jubiläums der Stadt Köln wurde Josef Op Gen Oorth mit der Modernisierung des Großen Rondells beauftragt. Und schon bald konnten bis zu 250 Paare auf der Betonscheibe rund 2m über der Wasseroberfläche tanzen, was den Tanzbrunnen mit seinen Licht- und Wasserspielen zu einer der schönsten Vergnügungen im kriegsgebeutelten Köln gemacht hat.

Tanzbrunnen

Der Tanzbrunnen im Januar 2014. Foto: Uta Winterhager

 

Als Köln 1957 die Bundesgartenschau ausrichtete, überdachte Frei Otto den Tanzbrunnen mit einem sechszackigen Sternwellenzelt, mit dessen neuartiger Konstruktion und markanter Erscheinung sich das neue Köln gerne präsentierte. Wie ein überdimensionaler Kronleuchter schwebte die fragile Konstruktion, die in ihrer Mitte ein kreisrundes Loch für die Fontäne des Brunnens besaß, über der Tanzfläche. Dabei war die Leichtigkeit nur scheinbar, denn das wellenförmig auf-und absteigende Segel aus Baumwollschwergewebe wog fast 2,5t. Die Materialien dieser neuartigen Architektur eigneten sich nur für die Sommermonate und mussten in jedem Herbst demontiert werden. Für die Bundesgartenschau, die 1971 wieder im Rheinpark stattfand, wurde der Tanzbrunnen restauriert, das Sternwellenzelt wurde dunkelgrün und die Anlage mit fünf ebenfalls von Frei Otto entworfenen Faltschirmen auch im Zuschauerbereich wetterfest gemacht.

Fast acht Jahre war der Tanzbrunnen ein trauriger Anblick, der denkmalgeschützte Brunnen lag trocken und das baufällige Zelt war abgebauten worden, bis die gesamte Anlage 2000/2001 nach einer vollständigen Sanierung so schön wie bei der Bundesgartenschau 1957 wieder eröffnet werden konnte. Damit das Zeltdach ganzjährig aufgespannt bleiben kann, wurde die Baumwolle durch eine Kunststoffmembran ersetzt.

 

Uta Winterhager / Ira Scheibe

 

Dieser Text ist ein Auszug des Kölner Architekturführers, der im April 2015 von Barbara Schlei, Uta Winterhager und Tobias Groß herausgegeben wird und im Verlag Walther König erscheint.

 

Der Architekt, der mit Seifenblasen spielte“ zum Tod und Pritzkerpreis von Frei Otto

 

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