Stadt[ge]schichten

38 neue Ideen für den öffentlichen Raum – 1 davon für Köln

38 Städte und Gemeinden in Nordrhein-Westfalen haben sich am zweiten Kommunalwettbewerb für Platzgestaltung mit Entwürfen für den öffentlichen Raum beteiligt. Unter dem Titel „Stadt macht Platz – NRW macht Plätze“ wurden die sieben besten Konzepte vom Landesministerium für Städtebau und Wohnen ausgezeichnet.

Auch die Stadt Köln ist unter den Preisträgern. Beim ersten Teil des Landeswettbewerbes, 2002, hatte die Bewerbung mit dem städtischen Konzept „Auf die Plätze“ eine „Belobigung“ erhalten. Schwerpunkt des Konzeptes waren die 13 Plätze der „via culturalis“, die in einem musealen und urbanen Kulturraum miteinander vernetzt, zugänglich und erlebbar gemacht werden sollen. Die Platzfolge wurde bereits in den 50ziger Jahren von Rudolf Schwarz definiert und 2000 von O.M. Ungers aufgegriffen, der auch den Namen prägte.

Vorstellungen entwickeln

Ideen sammeln


2003, im zweiten Teil des Landeswettbewerbes präsentierte nun die Stadt Köln die Vertiefung des Beitrags aus dem Jahr 2002, nunmehr mit der Durchführung eines dreitägigen interdisziplinären Workshops zum Thema „via culturalis“.

Um die öffentliche Diskussion über die Kölner Plätze auf eine breite Basis zu stellen und verschiedene Institutionen und Interessengruppen einzubinden, soll der dreitägige Workshop vom Kölner Stadtplanungsamt Anfang 2004 organisiert und durchgeführt werden. Erwartet werden Fachleute aus unterschiedlichen Disziplinen, die klären sollen, wie und mit welchen gestalterischen und medialen Mitteln die 2000-jährige Archäologischen Zone im zentralen Bereich Kölns, an der Oberfläche sichtbar werden könnte.

Architekten, Stadtplanern, Lichtplanern, Archäologen, Designer, Künstler sowie Kommunikationsdesigner und Museumsdidaktiker werden, so hoffen die Initiatoren, Antworten auf folgende Fragen finden und formulieren:

  • Mit welchen Mitteln können historische Schichten des Ortes mit der lebendigen Wirklichkeit von heute und möglichen Veränderungen der Zukunft in Gestalt und Geist verbunden werden?
  • Wie können die vertikalen Überlagerungen von Stadtgeschichte und die horizontal wahrnehmbare Abfolge von Stadträumen, Stadtbildern und Architekturen als Information und Erlebnis dargestellt werden?
  • Welche Kombination von materieller Dokumentation und virtueller Information kann Interesse wecken?
  • Wie kann der archäologische Fundus von Stadt- und Kulturgeschichte mit dem jetztzeitigen und zukünftigen „Alltagsgebrauch“ auch dieses Stadtquartiers und seiner besonderen Angebote miteinander verbunden werden?

Zeitschichten und Informationstransport

Der Workshop wird sich auf das Beispiel des Rathausplatzes beziehen. Hier können die Schichtungen der letzten 2000 Jahre und die Idee des Projektes veranschaulicht werden.

Vorhanden sind beispielsweise tatsächlich noch das Praetorium der Römer unter dem Spanischen Bau des Rathauses, die Mikwe, das jüdische Kultbad, unter dem Rathausplatz und Reste der ehemaligen Synagoge und der späteren Ratskapelle neben der Mikwe.

Die archäologische Bodendenkmalpflege hat in den letzten Jahren den im Boden liegenden Befund katalogisiert und in dreidimensionaler Darstellung dokumentiert. So ist es möglich, für diesen Bereich die übereinanderliegenden Schichten der Stadtepochen darzustellen. Beginnend bei der untersten Schicht, die die römischen Relikte darstellt, über die darüber liegende Schicht des Mittelalters bis in die Schicht des 19. Jahrhunderts lässt sich die Geschichte der Stadt in den “Minus-Ebenen” dokumentieren. Diese Geschichte soll auf der Plus-Minus-Null-Ebene, auf der sich der Bürger und Tourist bewegt, erlebbar gemacht und veranschaulicht werden. Dazu ist es möglich, in einer Plus-1- Ebene Objekte, Schautafeln, Infostelen, bauliche Anlagen oder ähnliches zu installieren, um mit diesen Mitteln die Schichten im übertragenen Sinne zu durchstoßen, die Befunde “ans Licht zu holen” und damit die Geschichte des Ortes bildlich darzustellen.

Mit der Preisverleihung ist die Zusage verbunden, den vorgesehenen Workshop von geschätzten 96.500 € zu fördern.

Durch dieses Landesprojekt möchte das Land 50 Plätze in NRW fördern. Der auf drei Jahre angelegte Wettbewerb „Stadt macht Platz – NRW macht Plätze“ ist ein Leitprojekt der Landesinitiative StadtBauKultur, einer Initiative des Ministerium für Städtebau und Wohnen, Kultur und Sport in Kooperation mit der Architektenkammer NW, der Ingenieurkammer Bau, der Arbeitsgemeinschaft der Kommunalen Spitzenverbände, der Vereinigung der Industrie- und Handelskammern, den Verbänden der Bau- und Wohnungswirtschaft und Künstlerverbänden in Nordrhein-Westfalen.

Die diesjährige international besetzte Jury unter Vorsitz des Architekten Prof. Boris Podrecca (Stuttgart-Wien-Venedig) hat folgende sieben Projekte zur Förderung empfohlen:

– das Innenstadt-Platzkonzept der Stadt Ahaus,

– die Neugestaltung des Concordienplatzes aus den 60er Jahren in Kempen,

– den neuen Rheinbraun-Platz in einem bisher unzugänglichen Industrieareal in Wesseling,

– die temporäre Gestaltung der Brachfläche Werler Straße/Mendener Straße in Arnsberg,

– die Anlage eines neuen Platzes (Museumsplatz) in Herford,

– die Umgestaltung des Otto-Wels-Platzes in der Innenstadt Hertens,

– den interdisziplinären Workshop „Via Culturalis“ der Stadt Köln.

Die mit der Auslobung intendierten Impulse sollen auf zwei Ebenen wirksam werden. Zum einen wird über Zukunftsfragen der Stadtgesellschaft zum öffentlichen Raum ein Diskussionsforum angeboten, zum anderen werden die prämierten Projekte als Vorbild für eine kreative Gestaltung und Nutzung des öffentlichen Raumes wirken und Kraft ihres guten Beispiels für mehr Stadtbaukultur werben.

Barbara Schlei
Redaktion

via culturalis schichten

[Ge]schichten der Stadtepochen

Grafik: Stadtplanungsamt Köln

via culturalis plätze

Die 13 Plätze der via culturalis: Ein Weg, der das archäologische Rückgrat der Stadt bilden könnte.

Grafik: Stadtplanungsamt Köln

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