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Gernot Schulz und Thomas van den Valentyn gewinnen den Wettbewerb für das Clemens-Sels-Museum in Neuss

Die vorhandenen Gebäude der Sammlung Clemens Sels – im weitesten Sinne das stadthistorische Gedächtnis – waren den gewachsenen Ansprüchen des Museums nicht mehr gewachsen.

Der folgende Wettbewerb brachte die Projektpartnerschaft Gernot Schulz und Thomas van den Valentyn als Sieger hervor.

Der Komplex des Museums besteht im wesentlichen aus einem mittelalterlichen Stadttor und einem solitären Klinkerbau des Architekten Harald Deilmann. Eingebettet in das Grün des Stadtwalds mit seinem alten Baumbestand, soll die Ausstellungsfläche des Museums durch den Neubau um 3.200 qm vergrößert werden.

Der Ansatzpunkt der Architekten liegt sowohl in der Lage als auch in der durch den Neubau vervierfachten Ausstellungsfläche. Das geforderte Raumprogramm (im wesentlichen: Ausstellung, Wechselausstellung und Verwaltung) konnte nach Meinung der Architekten nicht in einem Baukörper untergebracht werden, ohne den Bestand wie ein „Anhängsel“ erscheinen zu lassen. Zudem mochten die Architekten die empfindliche Umgebung des Stadtgartens nicht durch ein Großvolumen dominieren.

Herausgekommen ist ein sensibles Ensemble aus drei Körpern: dem bestehenden Klinkerbau, einem flachen Eingangs- und Verwaltungsgebäude sowie einem zweigeschossigen Ausstellungsbau.

Der bestechende Kunstgriff zur Verbindung der Gebäude ist die raumaufspannende Gruppierung um eine Wasserfläche, unter der sich die Wechselausstellung in elf Meter Tiefe befindet. Eine umlaufende Sitzbank bildet mit der Wasserfläche das Zentrum der drei Gebäude, die auf eine rechteckige Platzfläche gestellt werden.

Der flache, quadratische Körper nimmt Foyer und Verwaltung auf, im höheren rechteckigen Bau werden die Sammlungsräume untergebracht.

Die Wechselausstellung fungiert als Verbindung zwischen Bestand und den neuen Bauten. Über einen umlaufenden Galeriegang – der die Kuratoren bei ihren Ausstellungskonzepten vor neue Herausforderungen stellen wird – können die Besucher die verschiedenen Museumsteile erreichen.

Die Wechselausstellung bezieht ihr Licht von oben; die Wasserfläche fungiert also als Oberlicht – eine Variation der für viele Museen typischen Belichtung.

Auch die beiden Baukörper schotten sich nicht zur Umgebung ab; städtebaulich markant gesetzt, bieten sie mit Fenstern und Schlitzen Sichtbeziehungen zur Umgebung. Im Zusammenhang mit einem vom klassischen Rundgang abweichen Erschließungskonzept hat der Besucher Möglichkeiten zum Verweilen und findet den Bezug zur Umgebung.

Die Fassaden der Neubauten weisen ein Gitternetz aus Fugen auf, das ununterbrochen über die bündig gesetzten Materialien Sichtbeton, Glas (bedruckt) und Metall läuft.

Mit dieser Fassadengestaltung folgen die Architekten „dem assoziativen Bild zerbrochener und wieder zusammengesetzter Körper“. Durch diese Fraktionierung sollen die Gebäude trotz ihrer Volumen zerbrechlich erscheinen.

Die Entscheidung über Baubeginn und Anzahl der Bauabschnitte soll in unmittelbarer Zukunft erfolgen.

Die Entscheidung der Jury:

  • 1. Preis (22.000 Euro): Thomas van den Valentyn mit Gernot Schulz, Köln

  • 2. Preis (16.000 Euro): Dirk Lüderwald / Wolfgang Raderschall (Köln) mit Anita Schepp

  • 3. Preis (10.000 Euro): Jauss & Gaupp (Friedrichshafen) mit Jochen Friedrichs und Jürgen Kneer

  • 4. Preis ( 6.000 Euro): ASP Schweger Assoziierte (Hamburg) mit Jens-Peter Frahm und Christine Neuhoff

Gregor Steiniger

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Eingangssituation

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Garten, Platzfläche und die beiden neuen Baukörper

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Blick in die Ausstellungshalle

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Grundriss EG

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Längsschnitt

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Längsschnitt

Fotos und Pläne: van den Valentyn, Gernot Schulz

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