Von der Donau an den Rhein

Ein Interview mit Anne Luise Müller, der neuen Leiterin des Kölner Stadtplanungsamtes.

Seit dem 15. November 2001 hat das Kölner Stadtplanungsamt eine neue Amtsleiterin. Die Architektin Anne Luise Müller war zuvor acht Jahre Leiterin des Stadtplanungsamtes in Ingolstadt. Im koelnarchitektur.de-Interview sprach sie über Strukturen der Stadtplanung, kurze und lange Wege und den bayerischen Himmel.

Acht Jahre leiteten Sie das Stadtplanungsamt in Ingolstadt. Von der Kleinstadt Ingolstadt in die Großstadt, was reizt Sie an Köln?

alm:1989 wurde Ingolstadt die jüngste Großstadt in Bayern, wenn auch eine Kleine, denn die Gemeindeordnung definiert eine Großstadt ab 100 000 Einwohnern. Seit 15 Jahren wächst die Stadt kontinuierlich an. Deshalb gab es in den letzten Jahren auch ein starkes Interesse an Baulandausweisungsprogrammen und Wohnungsbauförderungen.

An Köln reizen mich die Urbanität und die völlig anderen Stadtstrukturen, die sehr spannend und vielfältig sind, allerdings auch, was die Probleme angeht.

Welche Potenziale sehen Sie in der Stadt und welche Projekte interessieren Sie besonders? Wo würden Sie gerne in Ihrer Arbeit ansetzen?

alm: Die Frage kommt momentan noch etwas verfrüht. Aber eine große Herausforderung stellt der Teil der Stadt dar, der in den letzten Jahren stark befördert wurde weil viele große Projekte durch qualifizierte Planung initiiert wurden. Diese Ergebnisse gilt es nun weiter zu betreiben und umzusetzen. Ich bin eine Verfechterin von Wettbewerbsverfahren, Plangutachten oder Workshops. Damit wir in den Stadtplanungsämtern eine Entscheidungsgrundlage haben, halte ich es für wichtig, dass alternative Ergebnisse aus solchen Verfahren gewonnen werden.

Die Wettbewerbskultur wird in Ingolstadt besonders hochgehalten. Sowohl von städtischer Seite als auch von der Diözese gibt es ein besonderes Klima um Architekturqualität zu fördern.

alm: Zum einen gibt es in Ingolstadt eine sehr alte und lange Tradition. Sowohl der Oberbürgermeister als auch der Stadtrat haben verstanden, Architektur zu fördern und sind auch bereit, dies finanziell zu unterstützen.

Eine weitere Komponente ist die Unterstützung des Freistaates, der immer wieder Fördergelder und Planungsmittel zur Verfügung gestellt und die Kommunen aufgefordert hat z.B. experimentellen Wohnungsbau zu initiieren. Das sind alles Erleichterungen, die die Entscheidungsprozesse vereinfachen und dem Stadtplanungsamt Freiheiten einräumen. Der erste Baustein der später folgenden Wettbewerbe war in den 60er Jahren das Stadttheater von Hardt-Waltherr Hämer.

Lässt sich dieses Bewusstsein, diese Haltung zu Architektur, von Ingolstadt nach Köln transformieren?

alm: Das besondere Ingolstädter Klima, auch die Beziehung zum Freistaat, wird sich nicht so ohne weiteres auf Köln übertragen lassen. Soweit ich das momentan überblicken kann, ist die Stadt Köln in ein äußerst enges finanzielles Korsett eingeschnürt, das wenig Spielraum zulässt.

Um Planungskultur zu befördern, scheint es mir wichtig, für zu entwickelnde Flächen exakte Aufgabenstellungen zu formulieren und sehr genau, auch mit externen Planern und Experten zu diskutieren, um aussagekräftige Grundlagen für spätere Wettbewerbe oder Planfeststellungsverfahren zu erhalten.

Größere Projekte lassen sich ohne Investoren heute nicht mehr realisieren, deshalb muss man sie gewinnen. Allerdings müssen von städtischer Seite dafür Ziele definiert und mit Investoren und Bauwerbern im Konsens festgelegt werden.

Welche Bedeutung haben Kommunikationsprozesse im städtebaulichen Kontext und inwieweit lässt sich der öffentliche Diskurs als Motor für Projekte einsetzen?

alm: Dialoge herbeizuführen, um Konzepte zu kommunizieren ist absolut notwendig. Da sollte sich öffentliche Diskussion auch nicht nur auf die einschlägigen Zirkel und Fachkreise beschränken. Anstrengungen, die die Erläuterung von Architektur und Stadtplanung fördern und ins Bewusstsein rücken, muss man intensivieren.

In kleineren Strukturen wie Ingolstadt ist Kommunikation direkter, eine physische Begegnung, um im persönlichen Austausch Projekte zu besprechen wahrscheinlicher. Die Wege zum Ministerium, aber auch im Hause, waren kürzer.

Städte haben ihren eigenen Rhythmus. Die physische Größe und die Ausdehnung von Köln bedingen auch andere Planungsstrukturen. Köln ist die Stadt der langen Wege. Das bedeutet, dass Planung und die Vorgehensweise bei Planungsprozessen auch anders gedacht und kommuniziert werden müssen. Daran zu arbeiten und dies umzusetzen, finde ich sehr spannend und darauf freue ich mich.

Gibt es etwas, was Sie in Köln vermissen?

alm: Am meisten vermisse ich das Licht und den bayerischen Himmel, dieser weiß-blaue Himmel. Die Lichtqualität, die Farbgebung und die Wolkenbildung das ist immer wie von Tiepolo in den Himmelsgewölben der Würzburger Residenz gemalt. Der Kölner Himmel ist immer sehr gleich, auch wenn es so ein strahlend kühler Tag wie heute ist.

Mit Anne Luise Müller sprach Barbara Schlei

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