urban tools/stadtwerkzeuge – eine Diplomarbeit über Urbanistik und Zukunftsforschung.

Zwei Diplomanten des Fachbereich Design entwickelte ‚urbantools‘ – Buchstaben für eines zukünftiges Vokabulars der Stadt, und erhielt dafür den Lucky Strike Junior Design Award.

Zukunftsforscher, Stadtplaner, Ökonomen und Philosophen prognostizieren, dass sich mit der flächendeckenden Verbreitung und globalen Anwendung der neuen Kommunikationsmedien das Erscheinungsbild der Städte, ihre Strukturen, Beziehungen und Verflechtungen ähnlich umfassend verändern werden, wie dies vor fast 200 Jahren im Zuge der industriellen Revolution geschah.

Um diesen Herausforderungen gewachsen zu sein erforschten die beiden Designer Mark Kiessling und Tammo Claassen in ihrer Diplomarbeit an der Fachhochschule Köln, Fachbereich Design, urbane Texturen der Stadt und entwickelten Orientierungswerkzeuge und -strategien um sich im neu definierten städtischen Raum zu recht zu finden.

„Zum Verständnis der Vorgehensweise sei angemerkt, dass es uns nicht darum ging, eine städtische Gestaltungsidee in ein realisierbares Stadium zu bringen,“ so Mark Kiessling, der sich gerade nach erfolgreich bestandenem Diplom in Berlin selbstständig macht.

Ausgehend vom konventionellen Erscheinungsbild der Stadtpläne, die Strassen, Plätze und Gebäude darstellen und der kommunalen Selbstdarstellung auf Postkarten und Bildbänden entwickelten sie neue Darstellungsebenen in „fünf geistigen Abbildern“.

Stadtplan mit individueller Erinnerung

Vor dem Hintergrund der Wahrnehmung von fünf verschiedenen Personen aus fünf verschiedenen Lebensräumen wurden fünf „geistige Abbilder“ einer Stadt mit ihren spezifischen Koordinaten, Wegen, Eindrücken und Auffassungen gesammelt und zu einer neuen umfassenderen Einheit gefügt. In diesen „Abbildern“ spiegeln sich zur zweidimensionalen Planebene auch individuelle Erinnerungen und Bilder.

Die „rubberMap“ zum Beispiel macht die erfahrene Stadt sichtbar und die „pictureMap“ erforscht die Orientierung durch Erinnerung. „Stadt als Text“ und „cityText“ beschäftigen sich mit dem Halbtext der Stadt, also dem Text einer Stadt der durch die Überlagerung von Zeichen, Signalen und Bildern entsteht und gleicht somit eher einem Hyper-

text. Der „cityStretcher“, gibt die Stadt in ihrem Raum-Zeit-Verhältnis wieder, also der Eindruck der gebauten Raumes in Abhänigkeit zur eigenen Geschwindigkeit und des Tages-und Jahreszeit.

Die Jury des begehrten Designpreises, der nun schon zum vierten mal nach Köln ging befand: „Die Arbeit schafft neue Sichtweisen und ist unmittelbar nützlich“, denn auf die unbegrenzte Darstellungsmöglichkeit computergenerierter dreidimensionaler Bilder wurde weit gehend verzichtet, so sind die Ergebnisse auf allen Navigationsebenen konkret und nachvollziehbar.

Über die praktischen Anwendungen der Orientierungswerkzeuge hinaus, könnte das Vorstellungsbild der gebauten Umwelt um neue Ebenen erweitert werden. bs

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