Norman Foster und das menschliche Maß der Architektur

Die Ausstellung ‚Norman Foster: Architecture is About People‘ im Museum für Angewandte Kunst eröffnet.

Am 24. Oktober hat das Museum für Angewandte Kunst in Partnerschaft mit dem Gerling-Konzern die Ausstellung Norman Foster: Architecture is About People eröffnet. In der Tradition zahlreicher Architekturschauen und in gewohnt unkonventioneller Weise bespielt der thematische Rundgang durch das Schaffen Norman Fosters das Haus von Rudolf Schwarz.

Vor dem Museum begrüßt die BesucherInnen eine seiner ersten Arbeiten, „Retreat“, von Studenten des Fachbereichs Architektur der Fachhochschule Köln für die Ausstellung nachgebaut. Als Grundstein der Architekturphilosophie Norman Fosters symbolisiert es das „mensch-liche Maß“, das auch als roter Faden durch die Schau führen soll.

In den Arbeitsräumen Bibliothek und Kabinett wird „Architecture and the Art of Making“ ebenso sichtbar in den Skizzenbüchern Fosters, die das Entwerfen auf ganz einfache Handarbeit mit Bleistift und Papier zurückführen, wie in der eigens für das Büro Foster and Partners entworfenen Software, in Arbeitsmodellen und Zeichnungen. Statistiken über die Anzahl der täglich versandten Mails, konsumierten Heißgetränke und Abendessen aus dem über 600 MitarbeiterInnen großen internationalen Büro verdeutlichen aber auch dessen menschliches Ausmaß.

In der großen Halle ist eine Modellandschaft entstanden, die realisierte wie nicht gebaute Projekte auf thematischen Schollen präsentiert: „Connecting People – Public Spaces“, „Social Ends – Technical Means“ und „Mobility and Communication“ verorten sie im Spannungsverhältnis von Mensch und Technik. Auf ökologische und ökonomische, soziale und kommunikative Herausforderungen werden innovative technologische Antworten gesucht. Ebenso läßt sich die Frage nach zukünftigen Möglichkeiten des Bauens von privaten und öffentlichen Räume des verdichteten Lebens diskutieren. Entlang der Galerie können die Besucher die von Foster bevorzugte Vogelperspektive erleben und durch Fernrohre das anthropologische Postulat an den Modellen überprüfen.

Das menschliche Maß ist auch Thema der Videoarbeit von Beat Streuli mit Slow Motion Ausschnitten des Straßenlebens in Birmingham, die im Kinosaal zu sehen ist. Das Ausstellungsdesign mit einfachen Konstruktionen soll eine Bedeutungsverschiebung der gezeigten Objekte ins Museale, ins Auratische verhindern und den Arbeitsprozess in den Vordergrund stellen. Mit der Integration des neu eröffneten Gerling Ring-Karees am Friesenplatz durch Veranstaltungen vor Ort wird die Präsentation in die Stadt hinein erweitert und die Möglichkeit der Erfahrung eines Gebäudes und seiner städtebaulichen Integration im Original gegeben.

Die Ausstellung ist bis zum 30. Dezember 2001 zu sehen. Neben dem ausführlichen Ausstellungsführer wird auch ein Katalog mit Beiträgen von Susanne Anna, Tony Fitzpatrick, Graw Böckler, Oliver Hamm, Joachim Krausse, Jeremy Millar, Jochen Siegemund und Volker M. Welter erscheinen.

Simone Mergen

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