Pressemitteilung des BDA Köln zur Diskussion um die Archäologische Zone und das Jüdische Museum

Der Bund Deutscher Architekten (BDA) tritt dafür ein, Qualität und Unabhängigkeit der Planung von Bauvorhaben und insbesondere des Wettbewerbswesens zu verbessern. Wettbewerbe sollen auf breiter Grundlage ausgeschrieben, mit größtmöglicher Fairness und Transparenz durchgeführt und von unabhängigen fachlichen Jurys entschieden werden. Der gewinnende Entwurf soll nach Möglichkeit umgesetzt werden. Damit soll verhindert werden, dass sich örtliche und persönliche Partikularinteressen bei Bauvorhaben gegen architektonische Qualität durchsetzen.

Der Wettbewerb zur Archäologischen Zone zwischen Rathaus und Wallraf-Richartz-Museum war aus Sicht des BDA ein regelkonformer Wettbewerb. In der Ausschreibung war bereits formuliert, dass der Neubau ein „archäologisch-historisches Museum als Erweiterung der bisherigen unterirdischen Ausstellung zum Praetorium zu schaffen und einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen“ habe. Dem Schutzbau für die in Europa einzigartige Ausgrabung mittelalterlich-jüdischer Funde wurde Vorrang vor dem Erhalt des Freiraums eingeräumt, der Ende des zweiten Weltkriegs vor dem Rathaus entstanden ist, eine Zone, die immer eng bebaut war. Gewonnen hat mit der ungewöhnlichen Stimmenmehrheit der Juroren von 21 zu 1 der Entwurf von Wandel Hoefer Lorch & Hirsch aus Saarbrücken, der „am sensibelsten“ mit der baulichen Situation umgegangen ist.

In der damals anschließenden öffentlichen Diskussion sind bis heute die eindeutigen Qualitäten des Gewinner-Entwurfes in den Hintergrund getreten, genauso wie der schon in der Ausschreibung des Wettbewerbs formulierte Wunsch, die einzigartige Ausgrabungszone als Teil des unterirdischen Köln begehbar zu machen und daran ein „Haus und Museum der jüdischen Kultur“ anzuschließen. Diskutiert wurde vor allem die Finanzierbarkeit des Projekts, die Wuchtigkeit des Gewinnerentwurfs und der Wunsch vieler Bürger den Freiraum vor dem Rathaus zu erhalten. Solche Bedenken muss man ernst nehmen.

Nicht akzeptabel ist die Rolle, die dabei der Kollege Peter Busmann spielt. Das Büro Busmann + Haberer war als Teilnehmer am Bewerbungsverfahren mit der Wettbewerbsausschreibung vertraut und mit den Wettbewerbsbedingungen einverstanden. Gleichwohl äußert sich Busmann seit Wochen – zuletzt in einer umfangreichen Pressemitteilung vom 23.10. – zu dem Vorhaben, als hätte es nie einen verbindlichen Jury-Entscheid gegeben und setzt sich auch über Grundsätze der Ausschreibung großzügig hinweg. In äußerst unkollegialer Weise erhebt er sich dabei nicht bloß über die Unterstützer eines jüdischen Begegnungszentrums und die Initiatoren der Ausschreibung, sondern auch über die am Verfahren beteiligten Architekten, inklusive Jury und Gewinner und präsentiert fortlaufend neue eigene Entwürfe, die auf Kosten der Ausgrabungen und der Idee eines jüdischen Begegnungszentrums die Freifläche vor dem Rathaus um jeden Preis erhalten wollen und archäologische Zone und Museum in eine Art Tiefgarage verlegen, als hätte jüdische Geschichte kein Recht, oberhalb des Platzniveaus stattzufinden.

Unabhängig davon, ob dieser Entwurf in einem Wettbewerb qualitativ Bestand gehabt hätte, möchten wir den Kollegen Peter Busmann daran erinnern, dass sein unkollegiales Verhalten eine Berufspflichtverletzung darstellt, weil er mit medialer Unterstützung versucht, einen gewinnenden Wettbewerbsentwurf zugunsten eigener Ideen zu kippen. Er tut dies zwar mit dem Gestus des Bürgers, der ganz persönlich seine Meinung äußert und sich der Unterstützung anderer Bürger sicher weiß. Für ein Mitglied der Architektenkammer ist diese Haltung jedoch nicht zulässig. Als Architekt nimmt Busmann bewusst Rufschädigung von Kollegen und fachlichen Institutionen durch seine Äußerungen in Kauf.

Der BDA hat Verständnis dafür, dass im Zuge des Planungsprozesses die Wünsche der Nutzer, des Bauherrn und der engagierten Kölner Bürgerschaft diskutiert werden und in den Entwurf einfließen. Das ist der normale Gang solcher Projekte! Der Versuch eines Kollegen, die eindeutige Entscheidung eines unabhängigen Preisgerichts und den Gewinnerentwurf in seiner offensichtlichen Qualität in Frage zu stellen, ist nicht hinzunehmen.

Der Vorstand des BDA Köln unterstützt uneingeschränkt die Umsetzung des Entwurfs von Wandel Hoefer Lorch & Hirsch.

Im Namen des Vorstands des BDA Köln

Prof. Dipl-Ing. Andreas Fritzen

Köln, den 19.12.2013

 

Isometrie des geplanten Jüdischen Museums mit Archäologischer Zone

Grafik: Wandel Hoefer Lorch

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7 Antworten auf “BDA Standpunkt”

  1. Unbekannt

    2008 wurde der Siegerentwurf von Wandel,Höfer, Lorch+Hirsch einhellig durch Fachwelt und Politik begrüßt,u.a.“weil der Neubau mehr als 70 Jahre nach Kriegsende endlich eine entstellende Wunde im Altstadtkern schliessen würde:Keiner Phase des Wiederaufbaus war es gelungen, den zertrümmerten Rathausplatz wieder zu fassen. Er blieb ein zerfleddertes Niemandsland…Der Museumsneubau wird dem Verlauf des jüdischen und des Goldschmiedeviertels folgen und dem Platz seine historische Kontur zurück geben“(FAZ 20.8.12, D.Bartetzko)
    Es wäre städtebaulich unverzeihlich, diesen überzeugenden Ansatz durch eine populistisch
    verbrämte Freifläche wieder in Frage zu stellen.
    Helmut Löhr,(helmut.loehr@gmx.net)
    1.Vorsitzender des AIV KölnBonn e.V.

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  2. Unbekannt

    Ich finde, das kann man ruhig auch etwas gelassener diskutieren. Peter Busmann hat sicher kein eigenes wirtschaftliches Interesse an der Sache. Das hat er bestimmt nicht nötig. PB latent eine antijüdische Haltung zu unterstellen wendet sich v.a. gegen den Autor selbst. Da muss man schon genauer hinsehen. Und Sätze wie: „Für ein Mitglied der Architektenkammer ist diese Haltung jedoch nicht zulässig“ haben für mich eine ganz unangenehmen Beigeschmack und sind für mich in einer Demokratie nicht zulässig.

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  3. Karl Jankowski

    ich schätze den Kollegen Busmann, doch er hat Unrecht und seine Position findet nicht meine Unterstützung, der 1. Preis muß realisiert werden. Wer die Architektur von Wandel, Hofer, Lorch und Hirsch kennt, wartet mit Spannung auf das Museum, als ein Gewinn für die Stadt…

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  4. Konrad

    Mir persönlich geht die Attacke gegen einen fachkundigen Bürger mit starker Meinung hier eindeutig zu weit. Meinungen, auch wenn sie unbequem sind, müssen in einer Demokratie geäußert werden dürfen und angehört werden. Mir fällt in dem Zusammenhang Stuttgart ein. Auch die unterschwelligen Unterstellungen überschreiten meiner Meinung nach die Grenzen des Zulässigen, insbesondere, weil sie ja nicht als Einzelmeinung daher kommen. Der Artikel gibt ja die Meinung des BDA wieder. Insbesondere in einer Stadt wie Köln, in der in der Vergangenheit nicht immer alles korrekt verlaufen ist, sollten die Bürger überzeugt und mitgenommen werden, statt mundtot.
    MfG KH

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  5. Unbekannt

    Stimme dem Standpuinkt des BDA uneingeschränkt zu.

    Herr Busmann hat sich schon einmal so unkollegial verhalten. Warum hat der BDA damals, als es um die Umsetzung des Siegerentwurfs für ein neue Schauspielhaus ging, nicht zu Wort gemeldet?

    Herrn Busmann und seine unseligen Mitstreitern haben wir es nun zu „verdanken“, daß Köln statt eines leuchtenden neuen Theaterbaus eine minderwertige Spielstätte behalten – sei sie nun von Riphan oder nicht.

    Im Fall der archäologischen Zone ist in jedem Fall der Siegerentwurf umzusetzen. Referenzobjekte finden sich in Dresden und München – und beide sind großartig.

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  6. Unbekannt

    wie busmann sich hier verhält ist unendschuldbar – er ist architekt, sein büro war am wettbewerb beteiligt. da gebietet es der anstand sich in einer solchen diskussion als im wettbewerg unterlegener zurückzuhalten. für mich ist die ganze diskussion um das museum ein weiteres beispiel dafür das immer mehr partikularinteressen vor das interesse der allgemeinheit gestellt werden und, demokratisch zustande gekommene entscheidungen, ständig wieder in frage gestellt werden. das erschwert planungen, kostet unnötig geld und führt oft zu schlechteren ergebnissen – alles unter dem denkmantel der angeblichen basisdemokratischen beteiligung

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