„Anything goes“ - Die neue Lust am Material in der Architektur“ Eine Ausstellung des MA:I in Gelsenkirchen

Gestalt und Konstruktion eines Bauwerks werden bestimmt durch das Material. Entwürfe, seien sie nun auf Papier skizziert, in Modellen geformt oder in fast real anmutenden Computerbildern generiert, finden erst in ihrer Materialisierung zu ihrer endgültigen Aussage.

Jahrhundertelang bauten Architekten mit den Materialien, die sie in ihrer Umgebung vorfanden: Lehm, Holz, Textilien, Kalk- oder Sandstein. Es wurden aber auch neue Werkstoffe erfunden: Glas und Beton. Die Industrialisierung brachte eine Fülle von neuen Baustoffen hervor: Stahl, Stahlbeton, Kunststoffe ebenso wie die Fertigkeit, große, plane Glasscheiben herzustellen. Damit veränderte sich das Erscheinungsbild der Architektur grundlegend. Dann, Ende des 20. Jahrhunderts revolutionierte zudem der Computer nicht nur die Entwurfspraxis. Sondern mit Computern wird heute der gesamte „Workflow“ vom Entwurf bis zur Fertigung gesteuert. Welche Auswirkungen hat dies auf den Einsatz von Baustoffen?

Noch nie in der Geschichte der Baukunst hat es eine solche Fülle von Werkstoffen gegeben: ultraleichte Baustoffe, Betone, die lichtdurchlässig sind, textilbewehrte Materialien, Membrane als schützende Außenwände und Stoffe, die selbsttätig auf Umwelteinflüsse reagieren.

Zudem eröffnen computergestützte Planungs- und Produktionsverfahren auch bei altbewährten Materialien wie Glas, Holz, Metall ungeahnte Perspektiven. All das bietet neue Möglichkeiten der Konstruktion, der Formfindung und der ästhetischen Qualität von Gebäuden: Ein neuer konstruktiver Horizont, verbunden mit einer neuen Lust am Material tut sich auf!

Und es geht um noch mehr: Noch nie standen Fragen der Nachhaltigkeit, des gesamten ökologischen Fußabdruck eines Werkstoffes – von der Herstellung bis zu seiner Wiederverwertung so im Focus der Betrachtung, sowohl bei der Entwicklung von neuen Baustoffen, als auch bei deren Einsatz im Bauwerk.

Die Ausstellung zeigt an 30 internationalen Beispielen den Einsatz neuester Materialien. Eine Vielzahl von Materialproben macht die Innovationen nachvollziehbar. Vielleicht ist es erstmals in der Architekturgeschichte möglich, dass Baukörper, tragendes Skelett und Oberfläche keiner Einschränkung mehr durch das Material unterliegen – Anything goes!?!

Zur Eröffnung, am 6. November um 19:00 Uhr, spricht unter anderen Andreas Denk, Chefredakteur von „der architekt“, über „Die molekulare Wunderkammer. Der Wert des Materials in der Architektur“. Ursula Kleefisch-Jobst, Generalkuratorin des MA:I und schon seit langem mit dem Thema befasst, gibt eine Einführung in die Ausstellung.

 

Anything goes! Die neue Lust am Material in der Architektur

7. November bis 15. Deszember 2013
Donnerstag bis Sonntag von 10 bis 18 Uhr
stadtbauraum
Boniverstr. 30
45883 Gelsenkirchen

Weiterführende Informationen auf der Internetseite des >>M:AI

 

Redaktion
koelnarchitektur.de

 

 

Wand aus Hochleistungsbeton. Cocoon Club Frankfurt

Foto: M:AI

Institut für Textiltechnik, ITA RWTH Aachen

Foto: LUCEM / M:AI

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