Der verborgene Schatz der Kölner Geschichte

Wie es mit dem Kölner Stadtmuseum weitergeht, darum drehte sich das BDA-Montagsgespräch am 15.04.2013.

Die 2.000 jährige Kölner Stadtgeschichte ist mit rund 300.000 Exponaten im Kölnischen Stadtmuseum beheimatet, aber nur ein Bruchteil kann in der beengten Raumsituation ausgestellt werden. Vor fünf Jahren sind die Erweiterungspläne gescheitert, aber nun stehen die Vorzeichen für einen Planungsneustart gut.

Seit zwei Jahren hat das Museum mit Dr. Mario Kramp einen neuen Leiter. Nach Köln kam er mit eigenen Ideen für ein neues Ausstellungskonzept und mit dem Ziel, das Kölnische Museum wieder zu einer ersten Adresse für Besucherinnen und Besucher der Domstadt zu machen. Sein Ausstellungskonzept sieht ein „Museum der verschiedenen Geschwindigkeiten“ vor: die chronologische Achse bildet den roten Faden der Ausstellung und reicht von der Römerzeit bis zur Gegenwart. Daran sind epochenübergreifende Themenräume und Kabinette angeschlossen und zwei „Foren“, die Raum für Präsentationen aktueller Debatten und Ausstellungen von Gastkuratoren bieten. Der Bezug zum nahe gelegenen Dom darf natürlich auch nicht fehlen und so wird der Ausblick der stirnseitigen Fenster genutzt, um die Geschichte des Doms mit der so genannten „Zeitmaschine“ aufzuarbeiten. Dieses Ausstellungskonzept bietet „ideale Voraussetzungen“, um inhaltlich auf weitere städtische Museen zu verweisen, wie der Kulturdezernent der Stadt Köln Prof. Georg Quander erläutert. Verweise auf das Römisch-Germanische Museum oder die Archäologische Zone könnten thematisch anknüpfen und in dem jeweiligen Museum inhaltlich vertieft werden. So entstünde aus der städtebaulichen Insellage ein musealer Mittelpunkt, der in die „ganze Kölner Museumslandschaft strahlt“.

Soweit die Vision.

In der Realität sind die Gebäude des Kölnischen Stadtmuseums in einem sanierungsbedürftigen Zustand, platzen aus allen Nähten und sind nur ungenügend den technischen Anforderungen eines Museums gewachsen. Ein eventueller Erweiterungsbau und die Sanierung machen hohe Investition notwendig. Dabei würde die Sanierung den größten Posten ausmachen; sie müsste wichtige technische Maßnahmen umfassen, wie beispielsweise den Einbau einer Klimaanalage. Ohne diese Maßnahme bleiben hochkarätige Leihgaben unmöglich und auch empfindliche Exponate der eigenen Sammlung können nicht präsentiert werden. Hinzu kämen weitere Maßnahmen, wie beispielsweise Wärmedämmung, Sanierung der Sanitärraume, barrierefreie Zugänge und vieles mehr.

Der räumlichen Enge aber, muss mit einer Erweiterung begegnet werden, denn derzeit können von den rund 300.000 Exponaten nur etwa 5.000 Ausstellungsstücke präsentiert werden. Auf Grund der städtebaulich beengten Lage werden die Architekten vor eine anspruchsvolle Herausforderung gestellt: An zwei Seiten wird das Museum von teils viel befahrenen Straßen flankiert und nur eine der beiden Stirnseiten würde eine Erweiterung zulassen. Hierfür müsste der angrenzende Parkplatz weichen.

Geschenk mit Hindernissen

Vor etwa fünf Jahren gab es bereits einen Versuch, die Erweiterung anzugehen. Ein Stifterpaar wollte den Anbau finanzieren und hatte einen Kölner Architekten damit beauftragt, einen Entwurf auszuarbeiten. Problematisch an dieser an sich gut gemeinten Idee war zum einen, dass die Sanierung des bestehenden Zeughauses nicht berücksichtigt worden war und, dass es sich trotz einer privaten Stiftung um eine städtische Bauaufgabe handelt, bei der ein öffentlicher Wettbewerb zwingend vorgeschrieben ist. Prof. Andreas Fritzen, Vorstandsvorsitzender des BDA Köln erinnerte daran, dass im Nachgang ein Wettbewerb ausgelobt wurde, um den Prozess doch noch in die richtigen Wege zu leiten. Ein Berliner Büro gewann mit seinem Beitrag das Verfahren, es kam aber nicht zur Beauftragung. Es gab zwei Entwürfe – und am Ende wurde keiner der beiden umgesetzt.

In dieser Woche wird nun das Verfahren erneut ausgeschrieben, so Engelbert Rummel, Geschäftsführender Betriebsleiter der Gebäudewirtschaft Köln. Es wird ein begrenzter Wettbewerb mit 30 Teilnehmern ausgelobt, von denen die Hälfte gesetzt ist – darunter auch beide Architekten, die bereits vor fünf Jahren bereits einen Entwurf erarbeitet hatten. Ende des Jahres soll der Preisträger feststehen und 2019 soll das Kölnische Stadtmuseum fertig sein. Welches Potenzial in einem solchen Um- und Anbau stecken kann, zeigte der Leiter des Historischen Museums Frankfurt, Dr. Jan Gerchow. Das hessische Pendant hat das Potenzial des Anbaus und der Sanierung genutzt und sich mit neuen Ausstellungskonzepten „neu erfunden“, was von den Besuchern sehr gut angenommen wird.

Im Rahmen dieses Montagsgespräches konnte deutlich herausgestellt werden, welches versteckte Potenzial in diesem Museum liegt. Es wurde aber auch klar, welche Bemühungen notwendig sind, um die Kölner Schätze wieder in einem adäquaten Rahmen zeigen zu können. Mit der Perspektive eines Neubaus kann es Köln gelingen, sein Stadtmuseum wieder seiner Bedeutung entsprechend einen würdigen Platz zu schaffen und als „Visitenkarte“ zu etablieren. Bleibt zu hoffen, dass es gelingt die Planungen für eine Sanierung und die Erweiterung bis 2019 zu realisieren.

Martina Schulz

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