Das moderne Gesicht von Amsterdam

architour, unser Niederländischer Netzwerkpartner von guiding architects, organisiert Architekturführungen in der Grachtenstadt

Amsterdam – das mag in Kölner Ohren nach keinem allzu originellen Reiseziel klingen. Wer in Köln oder Umgebung wohnt, war schon mal in Amsterdam. Beim ersten Mal wegen der liberalen holländischen Partymentalität, beim zweiten Mal zum Shoppen und vielleicht auch für ein paar Museumsbesuche, später wegen der lauschigen Atmosphäre im Grachtenring. Amsterdam kennt man.

Oder vielleicht doch nicht? Es gibt nämlich auch eine ganz andere Seite von Amsterdam, die die meisten Besucher nicht zu sehen bekommen. Sie liegt außerhalb des historischen Zentrums und erstreckt sich jenseits des Autobahnrings, aber auch am Ufer des Flusses IJ entlang. In diesem modernen Teil von Amsterdam spielen sich die meisten Architekturführungen unseres Netzwerkpartners architour ab.

Wiederentdeckung der Uferzonen

architour wurde 2004 von der deutschen Architekturjournalistin Anneke Bokern gegründet. Nach ihrem Kunstgeschichtestudium in Berlin verschlug es sie 2000 nach Amsterdam, wo sie als freie Journalistin für deutsche Fachzeitschriften über Architektur und Design aus den Niederlanden zu schreiben begann. „Die Nachfrage war groß, denn es herrschte gerade der SuperDutch-Hype“, sagt sie. Ein paar Jahre später beschloss sie, der manchmal etwas einsamen Schreiberei eine Nebentätigkeit mit viel frischer Luft und direktem Feedback entgegenzusetzen und begann, unter dem Namen architour Architekturführungen anzubieten. Seither organisiert sie Führungen für architekturinteressierte Gruppen – und zwar nicht nur in Amsterdam, sondern im gesamten Ballungsraum Randstad, also auch in Rotterdam, Utrecht oder Almere. Was als Nebenbeschäftigung anfing, hat sich – auch aufgrund der Popularität der zeitgenössischen niederländischen Architektur – als sehr erfolgreich erwiesen. Inzwischen sind acht Architekten als „guides“ für architour im Einsatz.

Dass es in Rotterdam eine Menge moderner Architektur zu sehen gibt, steht außer Frage. Aber auch in Amsterdam hat sich in den letzten Jahren einiges getan. „Natürlich nicht im historischen Zentrum, denn das ist UNESCO Weltkulturerbe“, sagt Bokern. „Da darf man nicht einmal eine neue Dachterrasse anlegen.“ Dafür hat Amsterdam, wie so viele Städte, in den letzten Jahrzehnten seine Uferzone und die alten Hafengebiete wiederentdeckt. Vom Holzhafen im Westen bis zu den ehemaligen Hafeninseln im Osten erstreckt sich am Südufer des IJ ein mit unkonventioneller Architektur gespicktes Gebiet. „Am Wasser zu wohnen und dabei ein Gefühl von Weite zu haben, ist in den letzten Jahren enorm beliebt geworden. Die Niederländer nennen es das ‚Durchpustgefühl'“. Die bislang größte Erfolgsgeschichte unter den neuen Entwicklungen ist die Konversion der Östlichen Hafeninseln in ein Wohnviertel, geprägt von einem dichten Teppich aus Reihenhäusern mit Patios und Dachterrassen. „Wer hier vor zehn Jahren ein Reihenhaus auf dem Papier gekauft hat, hat inzwischen sein Kapital verfünffacht“, berichtet Bokern. „Vor allem bei jungen, besserverdienenden Familien ist die Gegend sehr beliebt“.

Filmmuseum und Archipelstadtteil

Während die Bebauung des südlichen IJ-Ufers inzwischen beinahe fertiggestellt ist, hat die Neuentwicklung des Nordufers gerade erst begonnen. Am 5. April wird dort mit dem Neubau des EYE Filminstitut von Delugan Meissl eine echte Architekturikone eröffnet. Das größte Bauprojekt am Wasser liegt jedoch zehn Kilometer weiter östlich: IJburg, ein neuer Stadtteil auf sieben künstlichen Inseln im IJmeer. Von den anvisierten 45.000 Einwohnern haben sich bereits etwa 15.000 auf den Inseln niedergelassen. „Mit der Anlage wurde 1999 begonnen“, erläutert Bokern. In ihrer Planmappe finden sich auch Fotos aus der Frühphase des Projekts. „Man kann es sich kaum noch vorstellen, aber vor sieben Jahren lag hier noch eine pfannkuchenflache, sandige Mondlandschaft.“ Heute bietet vor allem das Steigereiland mit seiner bunten Mischung aus Bürobauten, Wohnblöcken, Townhouses privater Bauherren und sogar schwimmenden Wohnhäusern viel fürs Architektenauge.

„Interessant für deutsche Besucher ist vor allem, mit welchen Maßnahmen die Niederländer innerhalb solch großmaßstäblicher Projekte für eine hohe architektonische Qualität sorgen“, sagt Bokern. „Viele finden es aber auch einfach unterhaltsam, zu sehen, was hier alles möglich ist und wieviel Mut zum Experiment die Niederländer haben.“

Haben Sie Lust auf eine Architekturführung in Amsterdam bekommen?

Am Samstag, den 23. Juni 2012, bietet architour eine Führung durch den neuen Archipelstadtteil IJburg an.

Beginn: 11.30 Uhr am Hauptbahnhof Amsterdam

(entsprechend Ankunftszeit von ICE 226 aus Köln)

Fahrt mit der Straßenbahn nach IJburg.

Spaziergang über die Inseln mit Erläuterungen zur Geschichte des Projekts, Anlage der Inseln, Städtebau und Architektur

zwischendurch: Mittagessen im Café

Ende: 16.30 Uhr am Hauptbahnhof

(entsprechend Abfahrtszeit von ICE 129 nach Köln)

Preis: 40 Euro p.P.

Die Tour findet statt, wenn eine Mindestteilnehmerzahl von 10 Personen erreicht wird.

Redaktion

koelnarchitektur.de

Anmeldung und weitere Informationen: info[at]architour.nl

Zur Internetseite von architour

Der Neubau des EYE Film Institute, entworfen von Delugan Meissl, thront am Nordufer des IJ, direkt hinter dem Hauptbahnhof.

Foto: Anneke Bokern

Auf dem Steigereiland in IJburg durften private Bauherren Townhouses nach Wunsch errichten. Dabei ist eine bunte Mischung herausgekommen, deren Architektursprache erstaunlich modern ist.

Foto: Anneke Bokern

Ebenfalls auf dem Steigereiland hat die Architektin Marlies Rohmer ein Viertel aus schwimmenden Wohnhäusern an Stegen geplant.

Foto: Anneke Bokern

Zum attraktiven Wohnort macht IJburg natürlich vor allem die Wassernähe. Der Wohnungsbau Block 64 von Loos Architects steht am östlichsten Ende des Inselreichs.

Foto: Miguel Loos

Wie aus einem Film von Jacques Tati: Villen von Bosch Architects auf dem Rieteiland.

Foto: Allard van der Hoek

1 Kommentar

Beispielhaft für Köln. Was hier 25 Jahre dauert (Rheinauhafen), wird im modernen Teil Amsterdams oder Rotterdams innerhalh von 5 Jahren umgesetzt. Beide Städte sind bez. Größe (Einwohner) mit Köln vergleichbar, aber auf Grund der Dynamic wirtschaftlich erheblich stärker!? Woher kommt das nur?

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