„Eine Ausstellung voller Herz“

‚Generation Reißbrett‘ im AIT ArchitekturSalon Köln

„Eine Super-Idee! So viele Originale, eine irre Sammlung! …. und eine tolle Party war´s! Danke!“ postete Corinna Kretschmar-Joehnk von JOY-DESIGN gleich am Tag nach der Vernissage bei facebook über die Ausstellungseröffnung mit dem Titel „Generation Reißbrett: Die Ü40-Architekten – was sie werden wollten und was Sie wurden“ im AIT ArchitekturSalon. Über 150 Besucher kamen an diesem Abend ins ehemalige 4711-Gelände, dem heutigen Barthonia-Forum. Mit einem Salongespräch, bei dem u.a. Kaspar Kraemer oder Eike Becker auf dem Podium saßen, leiteten die Veranstalter den Abend und die Ausstellung ein, die noch bis Ende Oktober zu sehen sein wird.

Die Ausstellung: ein „Büdchen Buntes“

Alles begann 2009 in Hamburg. Haben Sie noch Ihr Diplommodel und die dazu-gehörigen Tuschezeichnungen? fragte damals der AIT ArchitekturSalon zahlreiche renommierte Architekten und Innenarchitekten. Das Resultat? Obwohl manche der angefragten Architekten glaubhaft versicherten, das Modell schon vor Jahren zerstört zu haben, oder andere obskure Sturmfluten und Feuersbrünste für den tragischen Verlust des tatsächlich hoch ambitionierten Werkes verantwortlich machten, erhielt der Salon von vielen die Zusage, das zumeist schon leicht lädierte Werk zu Ausstellungszwecken zur Verfügung zu stellen. So konnten in Hamburg ca. 20 Arbeiten gezeigt werden. Und es wurde weiter gesammelt: In München kamen weitere 40 hinzu, Köln zeigt nun über 90 Diplomarbeiten der heutigen Ü40-Generation.

Zu sehen ist ein „Büdchen Buntes“, so könnte man sagen: Tuschezeichnungen, Collagen, Comics, erste Computeranimationen, Modelle aus Finnpappe, Plexiglas, Holz oder Beton. Das Spektrum ist riesig. So hängt hier die Diplomarbeit von Marcus Hille (Hille Architekten, Mainz), neben der von Jan Kleihues (Kleihues & Kleihues Gesellschaft von Architekten mbH, Berlin) oder dem Skizzenbuch von Daniel Libeskind (Architekt Daniel Libeskind AG, New York/Zürich). Besonders hervorzuheben – wobei dies Geschmackssache ist und bleibt – die Diplomarbeit von Andreas Marth (AllesWirdGut Architektur ZT GmbH, Wien). Er schickte dem AIT ArchitekturSalon sein riesiges 2×3 m Diplommodell sowie äußerst originelle Comics. Thema der Arbeit: Ein Parkhauskonzept. Oder aber die Abschlussarbeit von Gus Wüstemann aus Zürich. Sein Diplom gibt es nicht mehr, nur noch ein Video, welches das brennende Modell zeigt … Man könnte endlos weiter machen. Jede Arbeit ist einzigartig, sehenswert und ein Teil ihrer Zeit.

Das Ausstellungskonzept: Back to the 80ies!

Da es damals natürlich keine DVD-Player oder Beamer gab, mussten andere Präsentationsmöglichkeiten gefunden werden. So fühlt sich der Besucher beim Anblick eines alten Sony-Röhrenfernsehers oder eines Kodak-Diacarousel gleich wieder an seine eigene Studienzeit erinnert. Am Eröffnungsabend kam die Musik übrigens nicht von IPod & Co, sondern – wie sollte es auch anders sein – vom Kassettendeck!

90 unterschiedliche Arbeiten – sieht das nicht wild und chaotisch aus? Wird sich manch einer fragen. Um dies zu vermeiden und einen roten Faden zu spannen, ließ der AIT ArchitekturSalon Holzkisten für die Präsentation der Modelle anfertigen. So hat jedes seinen eigenen Sockel, der aber von der Materialität den anderen gleicht. Damit beim späteren Transport – die Ausstellung wandert weiter nach Rotterdam, Stuttgart und Berlin – die Modelle nicht beschädigt werden, ist die Kiste zudem noch für den Transport geeignet.

Das Salongespräch: „Diese Ausstellung ist so voller Herz“

Als Auftakt der Kölner Ausstellung wurden „typische Architekten“ der Ü40-Generation auf das Podium gebeten: Unter der Moderation von Jan Störmer (Störmer Murphy & Partners, Hamburg) und Eike Becker (Eike Becker_Architekten, Berlin) unterhielten sich Prof. Anne-Julchen Bernhardt (BeL• Sozietät für Architektur BDA, Köln), Kaspar Kraemer (Kaspar Kraemer Architekten BDA, Köln), Christian Schaller (Schaller/Theodor Architekten BDA, Köln), Stefan Schmitz (stefan schmitz bda , Köln) und Andreas Treusch, (TREUSCH architecture ZT GMBH, Wien) über Altes, Be-wahrtes, verloren Gegangenes oder Architektonisches gereiftes. Vor allem die Gegenüberstellung von gestern und heute war ein wichtiges Thema. „Früher dachte ich, man muss es nur gut machen. Aber so funktioniert es nicht. Heute weiß ich: Man muss überzeugen können und es sollte immer diskutiert werden“, so Stefan Schmitz. Und auch Prof. Anne-Julchen Bernhardt bestätigt: „Ja, es geht heute nicht nur mehr ums Schön machen. Diese Ausstellung ist so voll davon. Sie ist voller Herz!“ Es gehe heute um mehr, als nur im Blitzlichtgewitter zu stehen, so Kaspar Kraemer, „ich sehe meine Aufgabe als Dienstleister.“ Aber trotzdem war diese Zeit damals wundervoll, sie war einfacher, aber „es hat schon etwas Schönes gehabt, sich in sich gekehrt über sein Reißbrett zu beugen …“ schließt Andreas Treusch ab.

Die Ausstellung über die Welt von Rapidographen, authentischen Ideen und eine Welt, als alles noch etwas einfacher war … ist noch bis Ende Oktober im AIT ArchitekturSalon Köln zu sehen.

Natalie Bräuninger

AIT ArchitekturSalon Köln

Vogelsanger Strasse 70

Barthonia Forum | ehemalige 4711 Fabrik

50823 Köln

Öffnungszeiten

Di + Mi: 11:00 Uhr bis 17:00 Uhr

Do + Fr: 11:00 Uhr bis 20:00 Uhr

Sa: 13:00 Uhr bis 17:00 Uhr

Salongespräch 01

Beim Salongespräch ging es um Wünsche und Ideen und was aus diesen wurde. Mit dabei (v.l.n.r.): Stefan Schmitz (stefan schmitz bda , Köln), Prof. Anne-Julchen Bernhardt (BeL• Sozietät für Architektur BDA, Köln), Christian Schaller (Schaller/Theodor Architekten BDA, Köln), Eike Becker (Eike Becker_Architekten, Berlin, Jan Störmer (Störmer Murphy & Partners, Hamburg), Kaspar Kraemer (Kaspar Kraemer Architekten BDA, Köln) und Andreas Treusch (TREUSCH architecture ZT GMBH, Wien)

Salongespräch 02

Kristina Bacht, stellvertretende Verlagsleitung AIT und Kuratorin der AIT ArchitekturSalons, begrüßte die rund 150 anwesenden Besucher.

Salongespräch 03

Der Blick ins Auditorium. Auch einige der Aussteller waren an diesem Abend anwesend – u.a. Phillip Kamps, Prof. Helge Bofinger, Corinna Kretschmar-Joehnk oder Alexander Minx.

Salongespräch 04

In Material und Form gleiche Sockel verbinden optisch eine Vielzahl von Ideen. Die Präsentation im Hintergrund zeigt alle Aussteller im Porträt – früher und heute – sowie bereits realisierte Projekte der Architekten.

Schreibe einen Kommentar