Erster Teil der Bestandsaufnahme: die nicht-klinischen Institute

Abgesehen vom Baustellenlärm hört man nicht viel davon, dass die Uni Köln derzeit ein gigantisches Umbauprojekt durchzieht. Über einen Zeitraum von zehn Jahren sind für Sanierungen und Neubauten 500 Millionen Euro eingeplant – die medizinischen Institute nicht mit berücksichtigt. Der erste Teil des Berichtes befasst sich mit der Umgebung der Universitätsstraße, der in Kürze folgende zweite Teil mit dem Klinikgelände in Lindenthal.

Prag, Wien, Heidelberg und – Köln!

Die Kölner Hochschule ist nach Hagen (Fernuniversität) und München die drittgrößte Deutschlands und war nach Prag, Wien und Heidelberg die viertälteste im Heiligen Römischen Reich. Baulich gesehen wurde sie diesem Status gelinde gesagt bisher nicht gerecht, nicht einmal zu einem durchgehenden ÖPNV-Anschluss zum Hauptbahnhof hat es ja gereicht.

Die Anfänge auf dem heutigen Gelände waren nicht spektakulär, aber solide: Die alte Universität am Römerpark ersetzte 1934 ein funktional schlichter Neubau am Inneren Grüngürtel in der Nähe der alten Krankenanstalten Lindenburg. Das heute unter Denkmalschutz stehende Hauptgebäude von Adolf Abel zeigt im Grundriss und in der Fassadenverkleidung aus Kerntuff und Basaltlava die strenge Axialität der Stuttgarter Schule und ihre Vorliebe für Naturmaterialien.

Wilhelm Riphahn baute in den späten 50ern die Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Fakultät, Hans Schumacher die Pädagogische Hochschule. Im Kernbereich an der Universitätsstraße ging es in den 60ern weiter mit der Universitätsbibliothek und dem Hörsaalgebäude von Rolf Gutbrod; 1974 folgte das Philosophikum, Architekt: „Staatshochbauamt.“

„Campus“ oder Betondeckel?

Die zwar ungefälligen, aber immerhin noch qualitativ guten Bauten Gutbrods gerieten damit in eine schlechte Nachbarschaft, und rund um den Betondeckel über der Universitätsstraße überwog das Bild kompromissloser Unwirtlichkeit. Wo das Bauen versagte, war auch das Latein am Ende: Beschwörungsformeln wie „Forum“ oder „Campus“ ließen die Malaise des Ortes nur noch deutlicher spüren. Auch auf segensreiche Patina durch den Zahn der Zeit war nicht zu hoffen, im Gegenteil, die Sichtbetonfelder verdüsterten zusehends. Nun immerhin steht die Sanierung und Modernisierung all dieser Gebäude an. Allein 34 Millionen Euro kosten die Arbeiten am Philosophikum. Die geplante Dachbegrünung wird die erdrückende Wirkung der Betonkaskaden zumindest mildern.

Aufwertung durch neue Nachbarn

Beton kann aber auch anders. Das neue Seminargebäude von Paul Böhm mit hellgelblicher, rauer Oberfläche wirkt sehr lebendig, das Material fast wie Naturstein. Beton und Glas, offene und geschlossene Flächen geben dem Gebäude eine kräftige, klare Struktur. Holz tritt an der Eingangstür als drittes Material hinzu und leitet über in die von diesem Werkstoff stark geprägten Innenräume.

Was den Fassadenaufbau betrifft, antwortet der Bau fast spiegelbildlich auf sein Gegenüber: zwei schräggestellte Seitentrakte rahmen einen glasdominierten Mitteltrakt, die Obergeschosse ruhen auf Pfeilern und die raumhoch verglasten Erdgeschosse treten aus der Gebäudeflucht zurück. So entsteht aus dem ehemaligen Korridor zwischen Philosophikum, Hörsaalgebäude und Bibliothek ein gerahmter Platz, der zum Verweilen einlädt. Die 11 Millionen Euro Baukosten wurden größtenteils aus Studiengebühren finanziert.

Studierenden Service Center SSC

Der homo studens, einst ein anspruchsloser, Wissen aufsaugender Schwamm, mutierte zum zahlenden Kunden: Ergo gebührt ihm ein anständiges Service Center! Das entsteht, finanziert durch das Land NRW, für rund 40 Millionen Euro auf dem ehemaligen Parkplatz an der Meister-Ekkehart-Straße. Schuster Architekten aus Düsseldorf gewannen den Wettbewerb 2004 und errichten nun ein Gebäude mit geschlossenen Kanten zu den Straßen und einer vielfachen Staffelung der Baumassen zum Grüngürtel hin. Zwischen diesem und der Universitätsstraße gibt es einen natürlichen Höhenunterschied, den das Gartengeschoss ausnutzt. Es erhält begehbare Dachflächen auf Höhe des Straßenniveaus, die eine neue Wegführung zum Park und zur Mensa herstellen und auf denen man auch zum zentralen Gebäudeeingang an der Gartenseite gelangt.

Zur Reparatur dieses zentralen Stücks des Unigeländes würde entscheidend beitragen, die Universitätsstraße auch auf der Höhe des SSC zu deckeln. Hier kämen dann auch die verwahrlosten „Steinwasserterrassen“ von Hansjürgen Grümmer zu neuen Ehren: ein Ensemble aus Wasserläufen und bildhauerischen Werken in der Grünanlage zwischen Bibliothek und Hörsaalgebäude. Auf das Grün, genauer gesagt das Feld bezieht sich ja die Bezeichnung „Campus“, die sich seit den 60er Jahren für angelsächsische Universitäten eingebürgert hat. Es klingt darin noch mehr mit als nur die Tatsache, dass Gebäude auf einem Gelände zusammengefasst sind: nämlich der Stolz auf die eigene Hochschule. Wenn also endlich alle Sweatshirts mit Uni-Logo tragen, waren die Umbauprojekte wohl erfolgreich.

Ira Scheibe

Rechts das Hörsaalgebäude von Rolf Gutbrod, links das Seminargebäude von Paul Böhm; im Hintergrund das Philosophikum Foto: Ira Scheibe

Offene und geschlossene Körper strukturieren die klare Gebäudeform. In den geschlossenen Bereichen befinden sich die Seminar- und Arbeitsbereiche, den offenen Zonen sind Erschließung, Wartebereich, Cafeteria, AStA und Lesebereiche zugeordnet.

Foto. Heiko Heinemann

Die fein austarierte Kombination von Holz, Beton und Metall bewirkt einen formellen und doch gleichzeitig behaglichen Charakter.

Foto: Heiko Heinemann

Schuster Architekten aus Düsseldorf bauen das neue Studierenden Service Center (SSC). Abbildung: Schuster Architekten

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