Im Rechten viel Neues!

Aktueller Planungsstand Rheinboulevard

Es ist viel los auf der rechten Rheinseite: Messe-City, ehemaliges Lufthansa-Gebäude, Bahnhof-Deutz und – last but not least – das Rheinufer. Bei weitem nicht so präsent in der Presse und umstritten wie die erstgenannten Projekte, so war und ist doch der Rheinboulevard ein wichtiges Stück Stadt Köln. In Zukunft soll er zur Flaniermeile für die Kölner Bürger werden, immer den Kölner Dom im Blickfeld. Aber auch in der Vergangenheit gehörte das Rheinufer zu den Schauplätzen der Kölner Stadtgeschichte. So haben Ausgrabungen des Römisch-Germanischen Museums in den letzten Monaten Aufsehen erregende Funde ans Tageslicht gebracht. Auf dem Areal des ehemaligen Römerkastells des frühen 4. Jahrhunderts befinden sich 1700 Jahre Deutzer Geschichte. Es ist Keimzelle des rechtsrheinischen Köln, dieses Stadtteils und seiner Identität: Hier liegen die Grundmauern der ältesten Deutzer Pfarrkirche Alt St. Urban (9 Jh.) sowie auch der mittelalterliche Wehrturm der Grafen von Berg.

Divitia – Deutz

Das Römisch-Germanische Museum zeigt die Neufunde der jüngsten Ausgrabungen noch bis zum 24. Juli 2011 unter dem Titel „Divitia – Deutz“

Die richtige Form der Darstellung

Aber die Frage ist: Wie integriert man diese Funde in den Entwurf des Rheinboulevards von Planorama Landschaftsarchitektur? Und vor allem: Was passiert mit der großen Freitreppe?

koelnarchitektur fragte nach – und zwar bei Planorama und dem Grünflächenamt der Stadt Köln. „Wir haben der Stadt einen Vorschlag gemacht, wie die historischen Funde integriert werden können und warten nun auf eine Antwort. Es sind allerdings noch viele Varianten im Gespräch“, so Gerd Holzwarth, Projektleiter bei Planorama. „Wir prüfen auch, welche Art von Offenlagen beziehungsweise welche Anschlüsse es zu den Randbereichen geben kann. Wichtig ist uns: Wir wollen vermeiden, zu musealisieren.“

Und die Freitreppe? Diese bleibt laut Holzwarth natürlich bestehen. Denn deren Entwurf ist Resultat des Wettbewerbs und damit Teil der Landesfördermittel der Regionale 2010. Das heißt, wenn sie weg fallen würde, dann gäbe es auch keine Fördermittel mehr.

Von Preußen und Römern

Die Funde am Rheinufer reichen von der preußischen bis hin in die römische Zeit. Das Gute an den preußischen Elementen wie der ehemaligen Bahn-Drehscheibe ist allerdings, dass sie sich gut in den Entwurf von PLanorama integrieren lassen. Sie stehen nämlich aus dem Gelände heraus. Problematischer sind da die römischen Funde, da diese unter der aktuellen Planungsebene liegen. Wie weit kann man also in die Tiefe gehen, um alles dreidimensional zu zeigen? Wie stellt man etwas dar, was unter der Erde liegt? Das nächste Problem ist dann auch wieder der Hochwasserschutz …

Denkmalschutz vs. Bürgerinitiative?

Nun hat sich eine Bürgerinitiative gegründet, die eine viel weitgehendere Vorstellung der Darstellung hat. Denn laut Dr. Joachim Bauer, Amt für Landschaftspflege und Grünflächen, steht diese sehr im Gegensatz zu den Gedanken von Planorama und auch denen des Denkmalschutzes. „Die Bürger im Rechtsrheinischen freuen sich, mit den historischen Funden auf gleicher Augenhöhe mit dem Linksrheinischen zu stehen – und wollen dies natürlich auch zeigen. Das heißt, die Bürgerinitiative will mehr als nur erhalten. Sie will viel eher darstellen und rekonstruieren.“ Bauer spricht hier u.a. vom mittelalterlichen Wehrturm. Dieser liegt wohl genau in dem Bereich, wo der Rheinboulevard eigentlich einen Höhenunterschied ausgleichen sollte. Doch wie geht man nun mit dieser neuen Situation um? Wie stellt man Geschichte dar?

Moderierte Schlichtungsgespräche

Um die Diskussionen zu schlichten und Lösungen zu finden sollen nun Gespräche zwischen allen Parteien stattfinden – moderiert vom Haus der Architektur. Die erste öffentliche Veranstaltung wird am 7. Juli um 19 Uhr im Domforum stattfinden. Beide Positionen sollen dann definiert werden und erste Gespräche die Situation entspannen. So lange muss Planorama dann wohl noch mindestens warten.

Natalie Bräuninger

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Zur Ausstellung im Römisch-Germanischen Museum Divitia – Deutz

Rheinboulevard_Grabungen

Blick über die Ausgrabungsfläche 2010 am Kennedy-Ufer in Köln-Deutz.

Rheinboulevard_Entwurf_01

Die Perspektive zeigt die ehemalige Bahn-Drehschiebe aus der preußischen Zeit. Diese wird als dreidimensionales Denkmal aus dem Gelände herausstehen.

Rheinboulevard_Entwurf_02

Auch über das Reiterdenkmal wurde diskutiert. Setzt man es weiter runter oder lässt man es auf dieser Höhe? Planorama entschied sich für Letzteres und stellt den Originalsockel wieder frei.

Rheinboulevard_Entwurf_03

Die Seitenmauern des ehemaligen Bahndammes werden geschickt in die Hochwasserschutzmauer integriert.

Rheinboulevard_Entwurf_04

Hier sieht man den neuen Treppenaufgang zum ehemaligen Lufthansa-Gebäude. Die Mauer wird genutzt, um in einem Plan die Funde zu verorten.

(Alle Perspektiven: Planorama Landschaftsarchitektur, Berlin)

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