„Koalitionsarithmethik“

Nach der Ratssitzung am 7. Oktober gibt es wieder mal Neues, aber leider nichts Konkretes vom Offenbachplatz

Das Anfang Juni ausgeschriebene VOF-Verfahren für die Kölner Bühnensanierung ist mittlerweile zu einem Abschluss gekommen – allerdings ohne dass die Öffentlichkeit bisher seitens der Stadt über die Entscheidung informiert wurde. Schon Mitte vergangener Woche erhielten die drei nach der Vorauswahl eingeladenen Teilnehmer schriftlich Bescheid über den Ausgang der Punktevergabe.

Maßgeschneidert

Das Büro Fiebig Schönwälder Zimmer aus Berlin steuerte das Verfahren für das Zentrale Vergabeamt der Stadt Köln. Für die drei Anbieter (HPP Architekten, JSWD Architekten und Ortner & Ortner) waren sehr hohe Anforderungen gesetzt worden, so etwa der Nachweis über drei bis fünf Referenzprojekte im Bereich Bauen im Bestand, die u.a. folgende Kriterien erfüllen mussten:

  • mind. ein Referenzprojekt mit Gesamtbaukosten größer / gleich 95.000 000 netto
  • mind. ein Referenzprojekt für öffentliche Auftraggeber
  • mind. ein Referenzprojekt mit der Zuordnung Instandsetzung und / oder Instandhaltung / Umbau / Modernisierung
  • mind. ein Referenzprojekt mit der Zuordnung Erweiterungsbauten (Ergänzung eines vorhandenen Objekts, d.h. gestalterische Kombination von Alt- und Neubausubstanz)
  • mind. ein Referenzprojekt im Bereich Bauen in denkmalgeschützter Substanz
  • mind. ein Referenzprojekt, das der Gebäudetypologie Kulturbauten (insb. Theater, Oper, Philharmonie, Konzertsaal u.ä.) zuzuordnen ist
  • Buchstäblich abgehackt werden konnten diese Vergabevorschriften z.B. von HPP, die bis November 2007 Sanierungsarbeiten am Schauspielhaus Leipzig ausführten, und die in einer Arbeitsgemeinschaft mit dem Theaterplaner Reinhold Daberto am Verfahren teilnahmen.

    Der Rat entscheidet, nicht zu entscheiden

    WER es macht steht zwar fest, auch wenn es noch keiner weiß, WAS eigentlich, ist aber immer noch offen. SPD und Grüne haben mit ihren Nicht-Entschlüssen in der Ratssitzung vom 7. Oktober 2010 dafür gesorgt, dass die unendliche Geschichte um den traurigen Opernplatz in die x-te Fortsetzung geht. Geplant werden soll, die auch vom „Runden Tisch“ favorisierte, Variante V6 der Machbarkeitsstudie inklusive der unterirdischen Neubauanteile unter dem kleinen Offenbachplatz inklusive Kinderoper und der Studiobühne in den Opernterrassen.

    Doch gemach, gemach, das heißt ja lange noch nicht, dass diese nun auch gebaut werden. Alternative Standortkonzepte für die Kinderoper und die Studiobühne sollen mit entwickelt werden, eine Auslagerung ist noch nicht vom Tisch. Im Beschlusstext heißt es dazu: „Zudem spricht der Rat sich für den Erhalt der Kinderoper aus und verlegt diese an einen anderen noch festzulegenden Ort (z.B. in das ehemalige Rautenstrauch-Joest-Museum am Ubierring oder in die Comedia Colonia in der Vondelstraße um dort das bereits bestehende Kinder- und Jugendtheater zu komplettieren).“ Wenn man an allen Ecken und Enden sparen muss, ist es wenig sinnvoll, immer wieder die Entscheidung zu verschieben, was man sich noch leisten kann. Nun entstehen immer weitere Mehrkosten für die Planvarianten.

    Auch die Bürgerinitiative Mut zu Kultur bedauert die Mutlosigkeit der Ratsmehrheit: „Warum jetzt noch einmal ohne Not Zeit und Kosten für neue Prüfaufträge vergeudet werden sollen, bleibt ein Rätsel und erklärt sich nur aus der Logik politischer Koalitionsarithmethik, die mit Sachentscheidungen nichts zu tun hat (aus der Presseerklärung von Mut zu Kultur vom 08.10.2010).“

    „Neues vom Offenbachplatz“ wird es an dieser Stelle also noch häufig heißen. Wer sich zur Abwechslung mal wieder mit der Kunst beschäftigen möchte, kann noch bis zum 17. Oktober im Kunsthaus Rhenania eine Ausstellung über den „Freiraumgestalter“ Jürgen Hans Grümmer besuchen, der den Brunnen vor der Oper gestaltete.

    Ira Scheibe

    Weitere Informationen

    >>>Variantenbetrachtung zu Oper und Schauspielhaus

    >>>Mitteilungen Stadt Köln

    >>>Kunsthaus Rhenania

    Foto: Katrin Wefers

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