Bürostandort zwischen Moderne und Louis-Seize

Wettbewerb „Palais Oppenheim Areal“ entschieden

Wirklich festliche Orte sind in Köln rar. Einer davon ist die Villa Oppenheim am Gustav-Heinmann-Ufer. Mit unverbautem Rheinblick steht sie wie ein französisches Lustschlösschen in einer historischen Parkanlage auf einem 12.350 qm großen Grundstück zwischen Alteburger Straße und Rheinufer. Der Bankier Dr. Emil Freiherr von Oppenheim ließ das Palais 1906 von den Architekten Alfons Bischoff und Charles Mewès bauen. Die sparten weder an der Fassade noch bei der Gestaltung der Innenräume mit üppiger Dekoration und schufen ein in Köln einzigartiges Beispiel des „Louis-Seize“-Stils.

Bewegte Vergangenheit

Im Krieg diente das Palais als NSDAP-Kreishaus und überstand die Bombardierungen der Stadt so relativ unbeschadet. Nach dem Krieg gab es verschiedene Interimsnutzer. Zunächst bezog die Rheinische Musikhochschule das Gebäude, dann der ADAC, der das Palais ab 1956 als Clubhaus nutzte bis es 1982 Sitz des Deutschen Studieninstitutes wurde.

Und immer wieder waren die Säle der Beletage eine prächtige Kulisse für Hochzeiten und Bälle. Trotz dieser unterschiedlichen Nutzer ist das Palais in einem durchaus denkmalwürdigen Zustand, nur das Dach wurde nach den Kriegszerstörungen in vereinfachter Form ohne die Kuppel auf dem Mittelrisalit wieder aufgebaut. Die rheinabgewandte Seite des Parks wurden jedoch in den 60er und 70er Jahren mit zwei uninspirierten Bürobauten besetzt, die den Blick auf die Villa von der Alteburger Straße aus verstellen.

Ein angemessene Rahmen

Der Düsseldorfer Investor „die developer“ hat das Grundstück mit dem Baubestand erworben, um es zu einem attraktiven Bürostandort zu entwickeln. Zu einem städtebaulichen Realisierungswettbewerb mit hochbaulichem Vertiefungsteil wurden fünf Büros, darunter nur ein Kölner Büro: Kister Scheithauer Gross Architekten, eingeladen. Wettbewerbsaufgabe war es, eine trotz der angestrebten hohen Dichte städtebaulich und denkmalpflegerisch verträgliche Lösung für das Areal zu finden auf deren Grundlage der Bebauungsplan erstellt werden soll. Das Palais und sein prominenter Name sollen wieder in einen angemessenen Fokus gerückt werden indem die beiden Bürogebäude aus den 60er und 70er Jahren durch sensibel platzierte und angemessen proportionierte Neubauten ersetzt werden.

Nach einer ersten Phase bat die Jury unter Vorsitz von Thomas Bieling die Büros RENNER HAINKE WIRTH Architekten aus Hamburg und Barkow Leibinger Architekten aus Berlin um eine Überarbeitung ihrer Entwürfe. Nach der Überarbeitung entschied man sich für den Entwurf RENNER HAINKE WIRTH.

1. Preis

Der Entwurf von RENNER HAINKE WIRTH schafft mit zwei winkelförmigen Baukörpern eine wirkungsvoll inszenierte Geschäftsadresse und die von den Auslobern gewünschte hohe BGF auf dem Grundstück. Von der Alteburger Straße aus erschlossen liegt das denkmalgeschützte Palais in einer standesgemäßen Mittelachse. Zwischen den beiden Neubauten öffnet sich ein leicht erhöhter trichterförmig erweiterter Platz über den alle Gebäude erschlossen werden.

Der Sandstein, den die Architekten für den Platz, und die Treppen wählten ist farblich mit der Altbaufassade abgestimmt. Die Fassade der Büroneubauten ist eine umlaufende Bandstruktur aus Metallprofilen, setzt sich dagegen deutlich vom Bestand ab. Das neue Mansarddach des Palais soll der ursprünglichen Kubatur entsprechend zweigeschossig, mit Kuppel und einer umlaufenden Dachterrasse aufgebaut werden. Dies gebe dem Gebäude, so die Architekten, seine herrschaftliche Repräsentanz zurück und ermögliche eine wirtschaftliche Flächenausnutzung als Hotel und Tagungszentrum.

2. Preis

Der von Barkow Leibinger Architekten aus Berlin geplante z-förmig mäandrierende Neubau bildet entlang der Alteburgerstraße eine städtebaulich klare Kante aus. Der Park, in diesem Fall schon fast ein Blockinnenraum, wirkt dadurch stark eingefasst und das Palais vom Neubau dominiert. Die begrünte Fassade des Mäanders kann zwar als Hinweis auf den dahinter liegenden Park gelesen werden, doch der ist von der Straße aus nur über eine zweigeschossige Passage und einen tiefer liegenden Hof erschlossen, so dass auch der Blick auf das Palais im Vergleich mit dem Siegerentwurf nicht so wirkungsvoll inszeniert ist.

Das Kölner Büro Kister Scheithauer Gross Architekten und Stadtplaner bekamen den 3. Preis.

Schön für die Kölner ist, dass die Entwickler planen, das Grundstück offen zu lassen und so jedem, der seine Schwellenangst überwindet, den Zugang zum letzten großbürgerlichen Fleckchen der Stadt ermöglichen.

Uta Winterhager

Die leicht gedrehte Stellung der Neubauten lenkt den Blick aus Richtung der Alteburger Straße auf das Palais Oppenheim.

Lageplan: RENNER HAINKE WIRTH Architekten

Perspektive von der Alteburger Straße

RENNER HAINKE WIRTH Architekten

Perspektive vom Rheinufer

RENNER HAINKE WIRTH Architekt

Barkow Leibinger Architekten aus Berlin planten einen z-förmig mäandrierenden Neubau, der nach Ansicht der Jury das Palais zu stark dominiert.

Lageplan: Barkow Leibinger Architekten

Im Park zwischen Villa und Neubauten entwarfen Barkow Leibinger Architekten blühende Gärten.

Perspektive: Barkow Leibinger Architekten

Historische Ansicht: Gustav-Heinemann-Ufer

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