Kulturquartier am Neumarkt eröffnet am 22. Oktober

An dem dann folgenden Wochenende (23./24.10.2010) laden das Rautenstrauch-Joest-Museum, das Schnütgen-Museum und das Junior Museum zum Kennenlernen ein – bei freiem Eintritt.

Das Privileg, vor spannenden Ausstellungen stundenlang Schlange zu stehen, endlich kann man es vielleicht auch in Köln erleben, wenn im Oktober nach über achtjähriger Bauzeit das Kulturquartier am Neumarkt eröffnet.

Die Braunschweiger Architekten Schneider + Sendelbach hatten 1996 den Wettbewerb für das Projekt gewonnen, seither viel Geduld geübt und Vertrauen bewiesen. „Nur zu Zeiten des Kölner Lochs haben wir einen Tag lang geglaubt, das Projekt sei gestorben“, sagte Heiner Sendelbach auf der Pressekonferenz zur Bekanntgabe des Eröffnungstermins letzte Woche.

Es fehlt noch ein neuer Gehüberweg auf Höhe des Belgischen Hauses, der den Kölnern den Weg ebnen soll in das Foyer des neuen Kulturzentrums. Schon das lohnt sich. Fensterlose, nach außen wirkende Baukörper, die die Ausstellungsräume umhüllen und selbst ganz zurückhaltend sind, waren gewollt, um die Exponate in den Vordergrund treten zu lassen. Großflächige, gerade Backsteinwände erfüllen diese Aufgabe und entkommen doch der Langeweile, da dank des Brennverfahrens jeder einzelne Stein eine andere Farbe und Maserung aufweist und die Wände lebendig wirken. Und damit man sich nicht eingemauert fühlt, ist der Bau von gebäudehohen Glastrakten durchwachsen.

Rautenstrauch-Jost-Museum

Die attraktiven Ausstellungen des RJM in der einstigen Josef-Haubrich-Kunsthalle haben die Erwartungen hoch gehängt. Mit Spannung erwartet wird daher die neue Ausstellung, deren Konzept von Direktor Klaus Schneider und seiner Stellvertreterin Jutta Engelhard als „in Europa einmalig“ bezeichnet wird. Von der klassischen Strukturierung nach Epochen und Herkunftsländern hat man sich mutig freigemacht und präsentiert die Exponate nun nach Kapiteln unter der Überschrift „Der Mensch in seinen Welten.“

Der Parcours wird 12 Themen umfassen, die jeweils mit einem europäischen Einstieg beginnen. Zu einem Saal öffneten sich schon die Türen, und es war ein bisschen wie kurz vor Weihnachten durchs Schlüsselloch zu gucken: Möbel, verpackte Pakete, irgendwo buntes Gefunkel, Wandgemälde. Die übliche Präsentation mit Vitrine, Spot und Texttafel ist also nicht zu erwarten. Wenn die Inszenierung gelingt, werden hoffentlich viele Kölner eine Leidenschaft für die Völkerkunde entdecken – bzw. für die Kulturen der Welt, so sagt man heute. Und nicht nur die Kölner, das neue RJM will in Zukunft mindestens in der Europaliga spielen.

Schnütgen-Museum

Im Schnütgen-Museum ticken die Uhren anders. „Wir haben die Geste der Architekten aufgenommen und die Kunst in Ruhe gelassen“, sagt Dr. Dagmar Täube, kommissarische Direktorin des Schnütgen-Museums. Der direkt an das neue Foyer anschließende Raum wird Kunstwerke zeigen, die aus Kreuzgängen stammen – recht passend, da diese ja auch verbindende Funktion unter den Baugliedern hatten.

Der Hauptraum der Erweiterung ist den Glasfenstern gewidmet. Nicht in künstlich hinterleuchteten Boxen werden diese hier präsentiert, sondern als reale Fenster in der Außenwand. Diese ist dreischalig angelegt: den alten Glasfenstern ist die eigentliche, verglaste Gebäudehülle nach außen vorgesetzt. Eingehüllt ist diese wiederrum von einer Milchglasfassade, die einerseits einen ruhigen Hintergrund für die Glasgemälde bildet und das städtische Draußen ausblendet, andererseits im Winter, wenn der Trakt von innen beleuchtet wird, die mittelalterlichen Glasfenster schemenhaft nach außen abbildet.

Die zusätzlichen 1000 qm neue Ausstellungsfläche umfassen den neuen Verbindungsbau, den sanierten Anbau von Karl Band und als Außenbereich die Caeciliengärten, die mit Pflanzen bestückt werden sollen, die auf mittelalterlichen Kunstwerken zu sehen sind. Statt wie bisher 10% der Sammlung können nun immerhin 20 % gezeigt werden.

Weitere Nutzer des neuen Quartiers sind das Junior Museum und die VHS, die im Erdgeschoß einen Veranstaltungssaal erhalten hat. Außerdem ist eine große Sonderausstellungsfläche im Erdgeschoss entstanden. Die Bausumme belief sich auf 61,3 Mio. Euro.

Ira Scheibe

Lesen Sie auch zum Thema:

>>>Alles unter einem Dach

>>>Der Stand des Wettbewerbs Juli 2002

>>>Der Blick von unten, das Kölner L ch

Bauhistorie im Schnelldurchlauf

1995 EU-weiter Architektenwettbewerb

1996 Entscheidung für den Entwurf der Architekten

Schneider + Sendelbach, Braunschweig

1997 Beginn Entwurfsplanung

2001 Fertigstellung Entwurfsplanung

2002 Abbrucharbeiten der Kunsthalle

2003 Baustopp aufgrund der desolaten Finanzsituation der Stadt 2005 Wiederaufnahme der Arbeiten und Grundsteinlegung

2006 Baubeginn der oberirdischen Gebäudeteile

2007 Richtfest

2010 Eröffnung

Blick aus Richtung Cäcilienstraße

Foto: Rheinisches Bildarchiv/Michael Albers

Blick auf Neue Ausstellungshalle Museum Schnütgen und Westfassade St. Cäcilien

Foto: Rheinisches Bildarchiv/W.F. Meier

Foyer mit verhülltem Reisspeicher

Foto: Rheinisches Bildarchiv/Michael Albers

Kleine Lichtfugen zwischen den Ausstellungsbereichen RJM

Foto: Rheinisches Bildarchiv/W.F. Meier

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Eine Reaktion auf “Ein Loch gefüllt”

  1. Johannes

    Das hört sich ja fast nach einem versöhnlichen Ende an, auch wenn ich mich immer noch nicht richtig mit dem Projekt anfreunden kann.

    Als besonders störend habe ich bei meinem letzten Kölnbesuch die „exponierte Lage“ der Tiefgarageneinfahrt an der Cäcilienstraße empfunden, die m.E. der angestrebten stadträumlichen Aufwertung erheblich zuwiderläuft.

    Schön hätte ich zudem gefunden, wenn man das Projekt zum Anlass genommen hätte, St. Peter und St. Cäcilien durch eine Neuorganisation ihres direkten Umfelds zu mehr Geltung im Stadtraum zu verhelfen (man denke nur an den bislang als Parkplatz genutzte Fläche zwischen den beiden Kirchen). Bislang habe ich den Eindruck, dass das Projekt diesbezüglich unter seinen Möglichkeiten bleibt, würde mich aber freuen, wenn ich im Oktober eines Besseren belehrt werde.

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