Neues vom Offenbachplatz I

„Runder Tisch“ am 27. Juni · Weitere Nutzung der Spielstätten um ein Jahr wird geprüft · Erneutes VOF-Verfahren beschlossen

Von nun an, so suggeriert der Name, den man sich gegeben hat, läuft alles rund. Ziemlich groß wird dieser „Runde Tisch“ sein müssen, damit alle Teilnehmer Platz finden. Geladen sind bzw. haben der Oberbürgermeister und Vertreter der Verwaltung (u.a. die Kultur- und Städtebaudezernenten) und der Politik, die Intendanten von Schauspiel und Oper, der Generalmusikdirektor, der Personalrat, die Initiatoren von „Mut zur Kultur“, Angehörige der Kölner Kulturszene, Beauftragte der Riphahn-Erben, Anlieger und der Gestaltungsbeirat.

Ziel des „Runden Tisches“ ist der Informationsaustausch und die Konsensbildung. Die Gruppe soll die für die Sanierungen nötigen Modifizierungen des Raumprogramms sowie die Planungsprozesse und die wesentlichen Rechts- und Vergabefragen begleiten. Damit wurde auch schon angefangen, seit April 2010 tagen verschiedene Arbeitskreise. Ursprünglich war die konstituierende Sitzung des „Runden Tisches“ für Mitte Mai geplant, nun findet sie erst am 27. Juni in der Piazzetta des Historischen Rathauses statt.

Schauspielhaus hängt am Tropf der Oper

Zunächst einmal ging es der Runde ganz pragmatisch um die Nutzung der Bühnen bis zum Beginn der Bauarbeiten. Die Bühnenverwaltung klärt momentan, ob die Spielstätten ein weiteres Jahr genutzt werden können, während Werkstätten, Lager und Verwaltung bereits im Sommer dieses Jahres in ihre Provisorien umziehen. Um im Schauspiel bis zum Baubeginn den Theaterbetrieb aufrecht zu erhalten, ist auf Grund der infrastrukturellen Abhängigkeit von Schauspielhaus und Operngebäude, der teilweise Weiterbetrieb der Oper Voraussetzung. Ein normaler Betrieb im maroden Opernhaus wäre über den Sommer 2010 hinaus aus Sicherheitsgründen nicht zu verantworten. Ob für Vorstellungsreihen einzelner Stücke Genehmigungen erhältlich sind, wird derzeit geprüft.

Zur Durchführung eines neuen europaweiten „VOF-Verfahrens für Fachplaner- und Projektsteuerungsleistungen“ hat der Rat am 20.05.10 190.000 Euro bewilligt. Die Ausschreibung, die Sanierungsmaßnahmen von Schauspiel und Opernhaus gemeinsam umfasst, soll nicht erst nach dem konkreten Sanierungsauftrag, sondern bereits jetzt parallel zu den Machbarkeitsstudien erfolgen. Die ausgewählten Büros könnten dann direkt im Anschluss an den Planungsbeschluss im Herbst 2010 mit den Arbeiten beginnen.

Paradoxer Zeitgewinn

Das hört sich in der Theorie recht rund an, wenn die Verwaltung wirklich Tempo macht. Doch warum kommen allein die Anwälte der Stadt zu der Einschätzung, dass die bisherigen Planungsleistungen nicht fortgeführt werden können, während die Rechtsberater der Bürgerinitiative, der Riphahn-Erben und des Büros von JSWD mit Chaix et Morel weder vergaberechtliche noch sonstige juristische Hindernisse für eine solche Fortsetzung gesehen haben?

Jürgen Steffens von JSWD bedauert diese Entscheidung der Stadt Köln sehr und misstraut dem optimistischen Zeitplan: „Das erste Versprechen von ‚Mut zu Kultur‘ hat sich in Luft aufgelöst. Man hatte ja vor dem Ratsbeschluss immer wieder vehement abgestritten, dass es zu einem neuen Vergabeverfahren kommen muss, was einen erheblichen Zeitverlust darstellt. In diesem Zusammenhang von einem ‚Zeitgewinn‘ zu sprechen, klingt wirklich paradox. Seit Einstellung der Planungsleistungen Anfang März wird wohl noch einige Zeit ins Land streichen, bis die neuen Planer die Planungstiefe erreicht haben, die JSWD beim Neubau bereits erreicht hatte. Ob und wie weit wir uns an einer erneuten Ausschreibung beteiligen, kann derzeit noch nicht gesagt werden.“

Ira Scheibe

Für den Terminkalender

Am 27. Juni von 10.30 bis 13.30 Uhr findet in der Piazzetta des Historischen Rathauses die erste öffentliche Sitzung des „Runden Tisches“ zur Sanierung von Schauspielhaus und Oper statt. Eine Anmeldung zur Veranstaltung ist nicht erforderlich, moderiert wird sie vom Kölner Journalisten Arnd Henze.

Bild: (c) Wikipedia Public Domain

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