Von einem der die Initiative ergriff

Zum Tod des Architekten, Gestalters, Fotografen, Vaters und Partners Elmar Schossig

Wenn jemand stirbt ist das in den allermeisten Fällen zu früh. Selbst in hohem Alter gibt es doch immer noch Personen, denen der Abschied nahe geht, für die der Tod eines geliebten und geschätzten Menschen ein Verlust ist – in jungen Jahren erst recht. Bei Menschen, die mehr oder weniger am öffentlichen Leben teilhaben wird dieser Verlust kollektiver wahrgenommen. Architektinnen und Architekten partizipieren von Berufs wegen am öffentlichen Leben der Stadt, sind es doch ihre Werke, die selbige formen.

Elmar Schossig, 1950 in Chemnitz geboren, war einer jener Planer, die ihre Heimat prägen. Die Architektur war für ihn nicht Beruf, vielmehr war sie ihm Berufung. Bereits mit 11 Jahren hatte er sein erstes Wohnhaus „geplant“ – im Kunstunterricht. Aus dem Faible wurde mit dem Studium an der TU Braunschweig und der RWTH Aachen ernst, nicht erst, als er bei Gottfried Böhm sein Diplom ablegte. Bereits kurz vor dem Beginn des Studiums war die Begegnung mit dem Werk von Richard Buckminster Fuller für den 22-jährigen Elmar Schossig ein Schlüsselerlebnis. Das Chicagoer Museum for Science and Industry zeigte damals eine große Buckminster Fuller-Schau und in Schossig reifte schon da der Gedanke, so etwas auch machen zu wollen: Bauen, nachhaltig und mit der Umwelt verquickt.

Architektur ist kein Beruf, sondern Berufung

Während des Studiums lernte Schossig seine spätere Frau, Dörte Gatermann kennen, mit der er 1984 das eigene Büro in Köln gründete und in der Domstadt heimisch wurde. Mit dem Bau der Rimowa-Kofferfabrik (1985/86) machte das junge Büro Gatermann und Schossig früh von sich reden. Der Bau, selber eine stringente Übersetzung des Kofferdesigns in umbauten Raum, wurde mit einer Vielzahl von Preisen ausgezeichnet. 1994 folgten zwei Projekte, die Köln weiter prägen sollten und zudem das weitgefächerte Œuvre des Büros illustrierten: Das Pumpwerk in Köln Niehl und die Umwidmung des Bayenturms zum FrauenMedia Archiv. Den Zweckbau im Kölner Norden wollten die Planer schon damals, ob seiner reduzierten Form, bewusst als beruhigende Maßnahme in einer heterogenen baulichen Struktur verstanden wissen. Der Bayenturm, Teil der 1880 abgebrochenen Kölner Stadtbefestigung, wurde im Zweiten Weltkrieg weitestgehend zerstört. Die erhaltenen Bögen, Mauerreste und Sockel wurden in den Wiederaufbau in den 1980er Jahren integriert. Gatermann und Schossig fügten nun die für die Umnutzung nötigen Einbauten sensibel in die fulminanten Mauern ein. In Farbe und Materialität setzt sich das Neue vom Alten ab.

„Isolierte Fragestellungen oder planerische Überlegungen setzen sich dagegen dem Risiko aus, auf begrenzter Basis zu falschen Schlüssen zu kommen“, so Schossig selber. Und so war es für ihn nur folgerichtig, die Arbeit des Büros nicht nur dem reinen Hochbau zu widmen. Im Jahr 2000 wurde so zusammen mit dem Lichtplaner Helmut Köster eine integrale Aluminuim-Glas-Fassade entwickelt, die unter anderem bei den Fassadenrenovierungen der beiden Karstadt-Warenhäuser in Konstanz und Gütersloh zum Einsatz kam.

Arbeiten mit Blick über den Tellerrand hinaus

Vor allem in den „Nuller Jahren“ des neuen Jahrtausends konnte das Büro mit einigen Projekten auf sich aufmerksam machen. Neben dem Bayenturm und dem Hafenamt im Rheinauhafen konnte hier der Kontor 19 (2004 – 2006) realisiert werden. Der Bau fällt durch seine eloxierte Aluminiumfassade ins Auge, die in Zusammenarbeit mit dem Künstler Pete Bossley entworfen wurde. Die kristalline Musterung lässt die Paneele zwischen Gold- und Messingtönen oszillieren. Außerdem wurde der Wettbewerb für das „Baufeld 10“ gewonnen, dessen Realisierung zwischen südlichem und mittlerem Kranhaus jedoch noch aussteht.

Ebenfalls 2006 konnte das KölnTriangle fertig gestellt werden. Jener Turm, an dem sich die Geister in der „Hochhausdebatte“ schieden: Für die einen längst überfälliges Zeichen für fortschrittliches architektonisches Denken in Köln, für die anderen die Glas und Stahl gewordenen Ignoranz, die für das Streichen des Doms von der UNESCO-Weltkulturerbeliste verantwortlich sei. Viel, wohl zu viel, wurde in diesen Hochhausbau hineininterpretiert, für die Stadtsilhouette ist er zweifelsohne ein wichtiger Beitrag – für die rechtsrheinische allemal.

„…haltet nicht voreinander hinterm Berge. “

Büro- und Wohnbauten, Kindertagesstätten, Infrastrukturelles, Schulbauten und mit dem 2008 vollendeten RömerMuseum in Xanten auch ein Ausstellungsbau, finden sich im Werkverzeichnis des Büros.

Ausgerechnet in dieser Hochphase des Schaffens wurde bei Elmar Schossig 2005 Krebs diagnostiziert, der schon damals als unheilbar eingestuft wurde. Seit diesem Befund widmete sich Schossig wieder vermehrt dem Produktdesign und seit dem Jahr 2006 intensiv der Fotografie. Ende 2006 erschien das Fotobuch „Unterwegs aufgenommen – eine fotografische Novelle“. Eine erste Gruppenausstellung fand 2009 unter dem Titel „Raumbilder – Bildräume“ in München statt. Hin und wieder beteiligte er sich an Architekturwettbewerben im Büro und engagierte sich über dies innerhalb des architektonischen Diskurses der Domstadt.

„So, Planer, Architekten und Ingenieure, ergreift die Initiative. Geht ans Werk, und vor allen Dingen, arbeitet zusammen und haltet nicht voreinander hinterm Berge…“ Diesem Ausspruch Buckminster Fullers folgend, hat Elmar Schossig stets gehandelt und sich einen weiten Horizont erarbeitet und behalten. Viel zu früh starb der Vater von zwei Kindern am vergangenen Dienstag den 15. Dezember in Köln.

David Kasparek

Elmar Schossig starb am 15. Dezember mit 59 Jahren in Köln

2 Kommentare

Sie haben mir den Menschen näher gebracht…
Die Todesanzeige habe ich in der Rundschau gelesen. Der Name war mir auch ein Begriff. Aber wieviel von Ihm in Köln und anderswo von Ihm und seinem Architekturbüro geplant und realisiert wurde weiß ich erst durch Ihren Bericht. Vielen dank dafütr.

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