Weniger Älter Bunter

Der BDA Köln auf der Suche nach Fragen und Antworten unserer Tage

Dass sich unsere Gesellschaft wandelt, ist unbestritten. Die Sozialwissenschaften haben dafür markige Begriffe wie den „Demografischen Wandel“, „Segregationsprozesse“ oder „Gentrifikation“ eingeführt, die inzwischen zwar in aller Munde sind, doch von nur wenigen wirklich durchdrungen werden – was vor allem der Komplexität der Phänomene geschuldet ist, die diese Begrifflichkeiten zu umschreiben versuchen.

Dazu kommen paradoxe Erkenntnisse. Etwa, dass auf der einen Seite nicht von der Hand zu weisen ist, dass wir uns in Deutschland einer schrumpfenden Gesellschaft inne sehen, auf der anderen Seite diese schrumpfende Gesellschaft aber dazu in der Lage ist, einigen Ansiedlungen – vor allem wenigen Städten – ein Bevölkerungswachstum zu bescheren. Köln, Hamburg oder München wachsen, obwohl es immer weniger Bewohner zwischen eben jenen Großstädten gibt. Bestimmte Regionen verzeichnen also einen Zuwachs, andere veröden zusehends – und das schneller als zunächst prognostiziert.

Als wären „Demografischer Wandel“ und „Schrumpfende Städte“ nicht schon genug

Als wäre all das nicht genug, kämpft ein Teil der Erdbevölkerung darum, dem Rest klar zu machen, dass wir eigentlich mit einem viel gewichtigeren Problem zu tun haben: Der Klimawandel, schwindende Ressourcen und die Unfähigkeit dringend nötige energiepolitische Wandlungen zu vollziehen, stellen uns vor weitere gewaltige Probleme, bei denen wir gerade erst dabei sind, die Fragen zu verstehen, um auf diese dann Antworten suchen zu können.

In der Summe ergibt sich so eine Gemengelage, die unter anderem die Architektinnen und Architekten vor Aufgaben stellt, die vor wenigen Jahren nur wenige vorgedacht haben. Wie also gehen Planerinnen mit der Entvölkerung bestimmter Landstriche bei gleichzeitig steigender Nachfrage innerstädtischer Wohnlagen um? Welche Lösungsansätze finden Gestalter für die immer älter werdenden Bewohner dieser urbanen Bereiche? Und wie lässt sich das alles mit ökologisch reinem Gewissen umsetzen?

Workshop und Diskussion auf der Suche nach Fragen und Antworten

„Weniger Älter Bunter“ heißt die Veranstaltungsreihe des BDA-Landesverbandes Nordrhein-Westfalen. Sie kommt aufgrund einfacher Erkenntnisse zu ihrem Namen: Auch im bevölkerungsreichsten Bundesland sinken die Bewohnerzahlen, der Gesellschaftsschnitt wird dabei älter und die kulturelle Durchmischung durch gleichzeitige und ungebrochene Zuwanderung immer bunter. Im Rahmen dieser Veranstaltungsreihe lädt der Kölner BDA zu einer Dopplerveranstaltung am 9. November: Zunächst ab 14 Uhr zum workshop „Innere Werte und äußere Leere“ unter Fachleuten und abends ab 19.30 Uhr zur Präsentation der Ergebnisse mit anschließender Podiumsdiskussion im Domforum.

Dabei soll während des workshop vor allem der Bipol zwischen Innenstadt- und Randlagen in den Fokus der Betrachtung gerückt werden. Welche Optionen haben Entscheidungsträgerinnen und Planer? Wie lässt sich ein Zweiklassensystem von privilegierten Städtern und sozialschwachen Vorstädtern verhindern? Lassen sich innerhalb der Städte bestimmte Faktoren planen oder sind sie zu weich, als dass sie fassbar gemacht werden könnten? Wie entstehen Szeneviertel und warum kommt es an anderer Stelle zu Ghettoisierungen? Und beginnt der strapazierte Begriff der „Nachhaltigkeit“ nicht schon weit vor dem Wärmedämmverbundsystem? Wie ressourcenschonend kann es denn sein, mit einem SUV aus einem Passivhaus vor der Stadt 40 Minuten bis zum ENEV-gerechten Bürokomplex mit Doppelfassade zu fahren – morgens hin und abends zurück, fünf Tage die Woche?

Der workshop im Kubus des hiesigen Haus der Architektur soll solchen Fragen nachspüren, weitere aufwerfen und womöglich sogar einige in Ansätzen beantworten.

David Kasparek

workshop für Fachteilnehmer:

Montag, 9. November 14.00 – 18.00 Uhr im Haus der Architektur Köln, Josef-Haubrich-Hof, 50676 Köln; info@bda-koeln.de; Moderation: Jörg Leeser, Gert Lorber und Bernd Kniess.

Öffentliche Präsentation der Ergebnisse und Podiumsdiskussion:

19.30 – 21.30 Uhr im Domforum, Domkloster 3, 50667 Köln. Der Eintritt ist frei, es ist keine Anmeldung erforderlich. Moderation: Bernd Kniess und Jörg Leeser.

Die Teilnahme ist jeweils kostenlos.

Weitere Informationen hier.

Schrumpfende Stadt

Köln verzeichnet ein leichtes Bevölkerungswachstum. Bei einer in der Summe schrumpfenden Gesellschaft ist klar, dass andernorts ganze Ortsteile aussterben. Hier im thüringischen Apolda.

Ortsrand

Doch wenn es die Menschen wieder in die Kernstädte zieht, was geschieht mit den Rändern der Städte?

Fit für die Zukunft

Während außerhalb Orte brach liegen und Viertel veröden, werden „innerstädtische Toplagen“ fit für die Zukunft und solvente Mieter oder Käufer gemacht – mit zum Teil zweifelhaften Methoden, wie hier auf der Bonner Straße im Kölner Süden.

gedämmt

Auch das „freistehende Einfamilienhaus“ wird ENEV-gerecht umgerüstet. Doch reicht das als planerischer Ansatz, um die Probleme zwischen „Inneren Werten und äußerer Leere“ anzugehen?

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